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Berlin: Landausflüge auf Kreuzfahrten: Buchen oder individuell entdecken?

Berlin : Landausflüge auf Kreuzfahrten: Buchen oder individuell entdecken?

Jeder Hafen auf einer Kreuzfahrt gleicht einer Herausforderung: Wenn das Schiff am Morgen festgemacht hat, stürmen Tausende Passagiere gleichzeitig die Gangway, um die knappe Zeit so intensiv wie möglich zu nutzen.

Selten liegen die Kreuzfahrer länger als acht bis zehn Stunden an der Pier, in manchen Häfen steht sogar nur ein halber Tag zur freien Verfügung. Viele Kreuzfahrtgäste entscheiden sich daher für organisierte Landausflüge der Reederei - ob Stadtrundgang, Bustour oder exklusiver Helikopterrundflug. Doch macht die Erkundung auf eigene Faust nicht viel mehr Spaß?

Ein organisiertes Programm bietet eine Menge Vorteile: Es ist ideal auf die verfügbare Zeit abgestimmt. Die rechtzeitige Rückkehr zum Schiff liegt in der Verantwortung der Reederei. Die Tourenpartner sind lizensiert sowie versichert. Es ist keine eigene Vorbereitung notwendig. Manchmal kann die Reederei auch mit Aktionen aufwarten, die individuell nicht durchführbar wären: So wird man bei Cunard außerhalb der Öffnungszeit durch das Kaufhaus „Macys” geführt und kann in Begleitung eines Personal Shoppers einkaufen. Aida Cruises bietet einen Graffiti-Workshop in der Bronx an. Und Norwegian Cruise Line fliegt ihre Gäste im Hafen Juneau auf Wunsch in die Gletscher, wo sie an Eiswänden entlang klettern können.

Dieses Outdoor-Abenteuer kostet allerdings auch 519 US-Dollar (rund 458 Euro). Womit man beim Nachteil des Reedereiprogramms wäre: Die Angebote sind recht teuer. Eine vierstündige Stadtrundfahrt durch Barcelona mit Fotostopps zum Beispiel schlägt bei den meisten Reedereien mit 49 Euro zu Buche. Nur die wenigsten Anbieter inkludieren das Landprogramm im Reisepreis.

Es empfiehlt sich, bereits vor Reisebeginn Landausflugspakete zu buchen und durch Kombinationspreise zu sparen. Außerdem kann man sich auf diesem Weg einen Platz auf dem Wunschausflug sichern - die Nachfrage ist nämlich groß. Und so sitzt man häufig mit 50 weiteren Passagieren in einem Reisebus und verliert durch die Trägheit der Gruppe wertvolle Zeit. Im Standardprogramm fehlen außerdem Gelegenheiten für spontane oder individuelle Stopps.

Auch die Reedereien haben diese Mankos erkannt: „Die Gäste möchten nicht mehr einfach mit dem Bus irgendwo hingefahren werden, aussteigen, ein paar Fotos machen und weiterfahren”, sagt Ingo Thiel, Sprecher der Cunard Line. Das hänge auch damit zusammen, dass die älteren Passagiere wesentlich mobiler geworden sind. So bietet Cunard etwa einen Aktivausflug über die Dächer Stockholms an, was früher undenkbar gewesen wäre.

Individualisierte Ausflüge sind Trend: Mit einem Van oder einer Limousine und eigenem Chauffeur geht es zum Beispiel bei Hapag-Lloyd Kreuzfahrten und neuerdings auch bei Aida auf Privattour. Manche Reedereien, wie etwa Azamara Club Cruises, achten auf längere Liegezeiten, um kulturelle Veranstaltungen in den Abendstunden anbieten zu können. Und auch mehrtägige Überlandtouren sowie Vor- und Nachaufenthalte in den Ein- und Ausstiegshäfen sind gefragt.

Während die Passagiere in fernen Destinationen häufiger das Angebot der Reederei nutzen, bieten sich nahegelegene Ziele auch für individuelle Erkundungen an. In vielen Mittelmeerhäfen sind die Sehenswürdigkeiten auf eigene Faust erreichbar. Entweder im Rahmen eines Spazierganges gleich von der Pier aus oder mit Hilfe des öffentlichen Nahverkehrs. Wer ein Taxi nutzen möchte, sollte vor Abfahrt den Preis aushandeln.

Eine weitere Alternative für Individualisten sind unabhängige Ausflugsvermittler. Während es in den USA üblich ist, dass Kreuzfahrtpassagiere Landausflüge bei Drittanbietern buchen, ist diese Option im deutschsprachigen Raum noch weitgehend unbekannt. Auf Webseiten wie www.getyourguide.com oder www.kreuzfahrtausfluege.de sind individuelle Touren Tausender lokaler Anbieter zu finden. Diese können teilweise noch spontan ein bis drei Tage vor Beginn gebucht werden. Durch die Konkurrenz profitieren Kreuzfahrtpassagiere von attraktiven Preisen: So kostet eine Jeep-Safari mit Sandboarding, Kamelreiten und Wüstensafari ab Dubai beispielsweise nur 61,50 Euro.

Vor gänzlich individuellen Landgängen sollte man sich über die Sicherheitslage und lokalen Besonderheiten der Häfen informieren. In Russland darf man beispielsweise als Individualtourist ohne Visum das Schiff gar nicht verlassen. Die Sehenswürdigkeiten Roms liegen eine Zugstunde entfernt, der Porto di Roma liegt im Vorort Civitavecchia. Darüber hinaus gilt es, einen Zeitpuffer einzuplanen: Auf verspätete Busgruppen wartet das Schiff vielleicht noch - auf Individualausflügler in der Regel nicht!

(dpa)