1. Leben
  2. Reisen

Hyannis: Ferien bei den Kennedys: Cape Cod ist Amerikas vornehmste Ecke

Hyannis : Ferien bei den Kennedys: Cape Cod ist Amerikas vornehmste Ecke

John F. Kennedys Lieblingsplatz war nicht das Weiße Haus. Der 35. Präsident der USA war am liebsten zu Hause, an den Küsten von Massachusetts. Segeln, am Strand spazieren oder durch die Brandung schwimmen - was Kennedy liebte, machen auch heute noch jedes Jahr unzählige Urlauber in Neuengland. Wer will, bekommt ganz nebenbei noch eine Geschichtslektion.

Kennedys Todestag jährt sich am 22. November zum 50. Mal. Neuengland heißen die sechs nordöstlichsten Staaten der USA, und der Landstrich fängt gleich nördlich von New York an. Boston, die größte Stadt der Region, war vor einem Vierteljahrtausend die Wiege der Unabhängigkeitsbewegung. Neuengland war immer etwas vornehmer als der Rest der USA. Das mag in vielen Gebieten durch den Niedergang von Fischerei und Seefahrt verblasst sein - auf Cape Cod und den vorgelagerten Inseln Marthas Vineyard und Nantucket ist der Glanz noch da.

Cape Cod, das Kabeljaukap, reicht wie ein Angelhaken in den Atlantik hinein. Gleich zu Beginn der Halbinsel liegt Hyannis. Hier, genauer in Hyannisport, lag über Jahrzehnte der Hauptsitz des amerikanischen Glamours. Auf einem ausgedehnten Anwesen direkt am Meer herrschte einst der Patriarch Joseph Kennedy, der seine vier Söhne auf Karriere trimmte.

Bei John klappte es sogar mit dem höchsten Amt, aber auch Robert („Bobby”) und Edward („Ted”) wurden zwei der prominentesten Politiker der Nachkriegszeit. In Hyannis inszenierten sie sich am liebsten: bodenständig in der Heimat, aber natürlich immer vornehm mit Segelboot, Polopferd oder Kaschmirpullover.

Barfuß stapft der bronzene „JFK” in Hyannis vor dem Kennedy-Museum durch das Gras. Im Gegensatz zur Kennedy Presidential Library in Boston konzentriert sich das kleine Haus auf das private Leben, auch und gerade vor der Präsidentschaft. Obwohl ein Abendkleid von First Lady Jacqueline und ein paar Artefakte aus dem nahen Anwesen zu sehen sind - der größte Teil des Museums besteht aus Fotos.

Nur ein paar Autominuten entfernt steht ein großes Kennedy-Denkmal. Direkt dahinter beginnt der weiße Strand von Hyannis. Doch noch mehr Menschen als im Sand scheinen auf dem Wasser zu sein. Jede Art von Wassersport, vor allem Segeln, gehört einfach dazu in Neuengland.

Schließlich kommt man auch nur per Boot zu den beiden großen Inseln vor der Küste. Eilige können beide an einem Tag sehen, aber für jede lohnen ein paar Tage. Dabei ist Marthas Vineyard die feinere, Nantucket die ursprünglichere Adresse.

Von Nantucket stammen Herman Melvilles Romanfiguren Ahab und Starbuck, und auf der Fahne der Insel ist ein großer weißer Pottwal zu sehen. Hier wird die alte Walfängerzeit lebendig gehalten - vor allem natürlich für Touristen. Und das mit Erfolg: Im Winter sind 10.000 Menschen auf der Insel, im Sommer sind es plötzlich 50.000.

Im Walfangmuseum kann man ein gewaltiges Walskelett bestaunen, die Barten eines Wales befühlen und sehen, wie klein die Boote waren, in denen die Männer mit den Harpunen standen. Viele blieben auf See. Ebenso interessant: Aquarium, Naturkundemuseum und Sternwarte der Maria Mitchell Association, benannt nach Amerikas erster Astronomin.

Marthas Vineyard ist eine gute Fährstunde entfernt und war immer etwas vornehmer als der Rest. Keine Angst, steif und formell ist hier nichts, dafür ist vieles teurer. Günstig essen kann man trotzdem.

Eigentlich kann man nicht in Neuengland gewesen sein, ohne Hummer gegessen zu haben. Der Lobster ist auf Marthas Vineyard allgegenwärtig, ob als Schlüsselanhänger, Plüschtier oder bei den Nachbarn in Maine sogar auf dem Nummernschild. Und in Neuengland gibt es sogar bei McDonalds „Lobster Rolls”, Hummerbrötchen.

Die Gerichte sind, abgesehen vom teuren Hauptbestandteil, recht einfach. Allerdings macht der Hummer es dem Genießer nicht einfach. Nach dem Essen sieht es auf dem Teller aus wie nach einem Gemetzel.

Mike, der seit 15 Jahren auf Marthas Vineyard fast nur Touristen Hummer serviert, stört das nicht. „Das ist auch wirklich nicht so einfach”, sagt er. „Und selbst Einheimische tun sich manchmal schwer. Aber die Biester sind einfach lecker!”

Kennedy kämpfte für Bürgerrechte, vor allem für die Rechte der Schwarzen. Eine andere Minderheit beruft sich auch auf ihn und tut es an der Nordspitze von Cape Cod besonders laut und besonders bunt: Provincetown hat sich zu einem Anlaufpunkt für Homosexuelle aus den ganzen USA entwickelt. Kaum ein Restaurant, das nicht die Regenbogenfahne zeigt, kaum ein Laden, der nicht beteuert, wie stolz er auf homosexuelle Kunden sei.

Der Kleinstadt gibt das ein buntes, manchmal aber auch ein etwas merkwürdiges Flair. Schwule Paradiesvögel und konservative Kleinfamilien, die nur zum Whale Watching gekommen sind, beäugen sich dann zuweilen etwas argwöhnisch.

Aber gerade zum Beobachten der Wale bieten Cape Cod, Nantucket und Marthas Vineyard einige Anlaufhäfen. Man muss schon ein paar Stunden rausfahren, und keiner kann die Wale garantieren, doch wenn sie sich zeigen, sind die gewaltigen Tiere ein atemberaubendes Erlebnis.

Auf Cape Cod, Marthas Vineyard und Nantucket ist die Saison übrigens extrem: Zwischen Memorial Day, dem letzten Montag im Mai, und Labor Day, dem ersten Montag im September, haben zwar alle Hotels, Restaurants und Freizeitparks geöffnet. Entsprechend überlaufen - und teuer - ist es aber zuweilen auch.

Wer davor oder danach kommt, muss damit rechnen, dass einige Restaurants „Closed for the Season” sind. Dafür hat man den Strand dann vielleicht fast für sich allein - genau wie Kennedy es liebte.

(dpa)