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Berlin: Esel oder Ringelgans: Tierische Konzepte für nachhaltiges Reisen

Berlin : Esel oder Ringelgans: Tierische Konzepte für nachhaltiges Reisen

Auf einen Esel würde Peter Altmaier im Urlaub nicht steigen. „Weil ich weiß, dass so ein Tier vor so einem ausgewachsenen Umweltminister auch einen Heidenrespekt hat.” Diese grundsätzliche Einstellung zu Urlaub mit Esel offenbarte der Bundesumweltminister am Montag beim Finale des Bundeswettbewerbs Nachhaltige Tourismusregionen.

Aufsatteln dürfte er ohnehin nicht. Neben dem Esel wandern, das ginge dagegen schon. Eseltrekking heißt das Konzept. In der Uckermark mieten sich Touristen einen Esel und ziehen mit ihm los. Kein Tierpfleger, kein Reiseführer, kein Wald- und Wiesen-Ranger - nur der Urlauber und sein maulender Gefährte. „Seinen Esel bekommt man in dem kleinen Ort Suckow”, erklärte Stefan Zierke vom Tourismus Marketing Uckermark.

Dazu gibt es eine kurze Einführung in Eselkunde, eine Wanderkarte mit der eingezeichneten Route und die Telefonnummer der Halterin, „falls es doch mal haarig wird”. Eselfutter braucht der Wanderer nicht. „Der Esel frisst ja unterwegs einfach allein”, sagte Zierke. Eine Landkarte sei eigentlich auch nicht nötig. Viele Esel kennen ihre Standardrouten.

Das sei kreativ und umweltfreundlich, urteilten die Juroren. Außerdem bringe so ein Trip mit Maultier den Touristen die Natur näher. Wissen sei ein wichtiger Aspekt im nachhaltigen Tourismus, sagte Altmaier: „Was der Mensch kennt, das schützt er.” Neben Umweltaspekten wählten die Juroren die Sieger auch nach ökonomischen und soziokulturellen Kriterien aus.

Unter anderem des Esels wegen zeichneten das Umweltministerium, das Bundesamt für Naturschutz und der Deutsche Tourismusverband die Tourismusregion Uckermark als Sieger im Wettbewerb um die nachhaltigste Tourismusregion bundesweit aus. Rund 150 Tourismusregionen gibt es in Deutschland, 34 bewarben sich auf den Titel, 10 wurden ausgezeichnet, 5 von ihnen kamen ins Finale um den ersten Platz.

Auch die Tourismusregion „Biosphäre Halligen” kam unter die 10 besten. Ihr tierischer Helfer auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit ist die Ringelgans. Der große Vogel mit dem dunklen Bauch ist ein umtriebiges Tier - und ein hungriges. „Halligen gefallen den Ringelgänsen besonders gut, weil es da Salzgras gibt”, sagte die Geschäftsführerin der Biosphären-Region, Natalie Eckelt. „Damit schlagen sie sich den Bauch voll und fliegen dann in ihr Brutgebiet.”

Im Frühjahr sind besonders viele Ringelgänse auf den Halligen und am benachbarten Festland. Einheimische und Urlauber feiern dann die Ringelganstage, eine Woche mit Expeditionen, Segeltörns oder Workshops: „Filzen Sie auf dem Mars-Skipper-Hof bei Tönning Ihre eigene Gänseschar”, heißt es in den Pauschalangeboten für den April 2013.

Kann ein Hallig-Urlauber von den Gänsen nicht genug bekommen, bieten die Naturschützer ihm für 30 Euro eine Patenschaft an. Das Geld fließt in die Ringelgansforschung. In einer Tabelle sind die Gänse gelistet sowie die Orte, an denen sie schon einmal Rast gemacht haben: Südfrankreich, Afrika oder Sibirien sind keine seltenen Stationen. Der Pate sucht sich seine Gans aus und bekommt ab dann einmal im Jahr eine E-Mail, die berichtet, wo sich sein beringter Patenvogel im vergangenen Jahr herumgetrieben hat.

Auch die anderen Gewinner überzeugten die Jury mit kreativen Highlights in Sachen Nachhaltigkeit: Die Biosphärenregion Elbtalaue-Wendland zum Beispiel hat ein CO2-neutrales Hotel und jährlich eine „Kulturelle Landpartie” mit Kulturbetrieben der Region im Angebot. Das Biosphärenreservat Bliesgau baut im Projekt „Floß der Nachhaltigkeit” mit Touristen ein Holzfloß nach und pflanzt mit ihnen für die gefällten Fichten neue Birken. In der Eifel führen Nationalpark-Waldführer Urlauber einen 85 Kilometer langen Wildnis-Trail entlang. Das Allgäu vergibt mit dem blauen Quadrat ein eigenes Zertifikat für Nachhaltigkeit und entwickelt in der Allgäuer Moorallianz Projekte zum Schutz der Moore.

Die Ammergauer Alpen bieten gestressten Touristen auf einem 87 Kilometer langen Meditationsweg innere Ruhe, Kraft und Möglichkeit zum Abschalten. 15 Stationen auf dem Pilgerpfad informieren über die Region. Vereine, Naturschutz-Akteure oder Privatpersonen haben Patenschaften zur Pflege der Wege, Schilder oder Stationen übernommen. Im Bayrischen Wald lernen Gäste auf der „Tierisch Wild-Familiensafari” die Wildtiere der Nationalparkregion kennen. Jede der elf Gemeinden der Tourismusregion hat die Patenschaft für ein Wildtier aus dem Nationalpark übernommen.

Auf Juist bringt eine Kinderuniversität einheimischen Kindern und kleinen Gästen der niedersächsischen Nordseeinsel die Themen Klima- und Umweltschutz näher. Im Schwarzwald setzen Touristiker vor allem auf nachhaltige Mobilität: Ein Pilotprojekt ermöglicht Urlaubern Praxistests von Elektro- und Erdgasautos, Gäste mit der „Konus”-Karte fahren in der gesamten Region umsonst mit Bussen und Bahnen - Esel sind nicht inklusive.

(dpa)