Locarno: Der schönste Kinosaal der Welt: Ein Streifzug rund um Locarno

Locarno: Der schönste Kinosaal der Welt: Ein Streifzug rund um Locarno

Im Sommer verwandelt sich Locarnos Piazza Grande in den schönsten Kinosaal der Welt. Jedes Jahr Anfang August kommen Kinofans, Regisseure, Schauspieler und Produzenten zum Wettbewerb um den Goldenen Leoparden in die Stadt am Lago Maggiore.

Seit 65 Jahren verleiht das bunte Cineasten-Völkchen der Stadt in der italienischen Schweiz für ein paar Tage im Sommer Weltstadtflair.

In diesem Jahr wird der Film-Tross vom 1. bis 11. August für Trubel in der Altstadt sorgen. Dann flanieren Stars und Sternchen die Seeuferpromenade entlang und posieren für die Paparazzi auf schnittigen Booten oder Cocktails schlürfend in den Bars. Sobald die Sonne untergeht, flackert das Licht der riesigen Kinoleinwand vor den farbenfrohen Patrizierhäusern mit ihren Laubengängen rund um die Piazza Grande. In der Nacht steigen die Filmpartys.

Am nächsten Morgen schwärmen dann alle aus - die Filmpromis genauso wie die Kinofans. Dann mischt sich so mancher Star unter die Urlauber, die die Uferpromenade im Nachbarort Ascona entlang schlendern. Die Bilderbuchpromenade Lungolago von Ascona gehört zu den meist fotografierten Motiven der Südschweiz. Am schönsten ist der Blick vom See aus, auf dem Schiffe Ascona mit Locarno und dem Botanischen Garten auf den Brissago-Inseln verbinden.

Zum Filmfestival in Locarno lebt in Ascona das alte Jet-Set-Flair der 60er Jahre auf, als die Schönen und Reichen den Lago Maggiore in einem Atemzug mit der Côte dAzur nannten. Dann herrscht auch auf dem direkt am See gelegenen Golfplatz Patriazale Hochbetrieb. So mancher Filmpromi spielt hier zwischen Palmen und bunten Oleander-Büschen seine Runde, um vom Festivaltrubel abzuschalten.

Danach trifft man das Filmvolk im „Hotel Giardino” wieder. Das „Ecco” dort gilt als eines der besten Restaurant des Tessin. Der Chefkoch Rolf Fliegauf tischt leichte Menüs auf. Im Alter von gerade 29 Jahren wurde der Deutsche 2011 vom „Guide Michelin” zum jüngsten Zweisternekoch Europas gekürt.

Das schicke Ascona ist nur wenige Autominuten von Locarno entfernt, genauso wie die urwüchsigen Bergtäler hinter der Stadt. Das berühmteste ist das Verzasca-Tal. 25 Kilometer tief schneidet sich das Valle Verzasca in die Berge hinein. Nur wenige Kilometer vom mediterranen Locarno mit seinen Palmen findet man sich hier in einer wilden Alpenlandschaft wieder. Der Wanderweg entlang des eiskalten Gebirgsbaches mit seinen kühn geschwungenen Steinbrücken und den mittelalterlichen Dörfern gehört zu den schönsten der Schweiz.

Über Jahrhunderte hat der Verzasca-Bach die mächtigen Felsen ausgewaschen und immer neue Bade-Bassins für abgehärtete Schwimmer geschaffen. Wem der Gebirgsbach im Verzascatal zu kalt ist, planscht im Lago Maggiore. Rund um Locarno und Ascona gibt es alle paar Kilometer einen Lido, wie die Seebäder hier heißen. Wer an Seen lieber wandert oder mit dem Rad unterwegs ist, bevorzugt den benachbarten Luganer See. Er ist viel kleiner als der Lago Maggiore. Seine vielen Seitenarme sind abwechslungsreicher, seine Ufer spektakulärer, seine Dörfer schöner - allen voran Morcote.

Steile Gassen winden sich den Hang hinauf. Eng schmiegen sich mittelalterliche Stein-Häuschen unter der Wallfahrtskirche Santa Maria del Sasso aneinander. Am Ufer haben Restaurants ihre Terrassen auf den See hinaus gebaut. Am Steg legt mehrmals am Tag das Schiff aus Lugano an. Damit setzen Wanderer nach Gandria über, einem Fischerdorf, das sich an das steil abfallende Seeufer klammert. Von hier führt einer der schönsten Seewanderwege der Schweiz in knapp zwei Stunden zurück nach Lugano.

Auf der Terrasse des „Grand Hotels Villa Castagnola” wartet dann ein Aperitivo und im Restaurant „Arté” mediterrane Sterneküche mit einem Traumblick auf Lugano, den See und den Monte San Salvatore. Der schroffere der beiden Luganer Hausberge ist 912 Meter hoch. Locarnos Hausberg Cardada ist mit 1340 Metern weitaus höher. Ein Sessellift führt von dort auf die 1670 hohe Cimetta. Hier kann man im Winter sogar Skifahren. Während des Filmfestivals ist der Cardada ein perfekter Ort, um den Festivaltrubel zu entfliehen.

Aus dem Ortszentrum von Locarno fährt man mit einer Standseilbahn zur Wallfahrtskirche Madonna del Sasso in den Ort Orselina hinauf. Weiter geht es mit einer modernen Gondel hinauf auf den Gipfel des Cardada. Der Blick schweift von hier über den Lagio Maggiore bis zu den Alpengipfeln. Man sieht den mit 193 Metern über dem Meer tiefsten Punkt der Schweiz im Flussdelta von Ascona und den höchsten, den Gipfel des 4634 Meter hohen Monte Rosa.

Die Aussichtsplattform des Cardada ist kurz vor Sonnenuntergang ein magischer Ort mit einem unvergesslichen Panoramablick. Perfekt, um Kraft zu tanken für die nächste Kinonacht in Locarno, im schönsten Kinosaal der Welt.

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