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Lauenburg: Der Elberadweg - nach wie vor noch fast ein Geheimtipp

Lauenburg : Der Elberadweg - nach wie vor noch fast ein Geheimtipp

Die Fähre tuckert am Anleger vorbei und nimmt stattdessen die Abzweigung zum kleinen Hafen von Hitzacker. Eben hatten wir zwei Frauen uns noch gewundert, wie weit das kleine Schiff ausholen muss, nun schauen wir ihm etwas hilflos hinterher.

Doch es besteht kein Grund zur Sorge, der Käptn hat nur ein paar Meter weiter seinen eigenen Anlegeplatz. „Wenn ältere Leute oder Radfahrer mit viel Gepäck mitfahren, halte ich immer hier. Das ist zum Aussteigen viel bequemer”, sagt Dieter Gäde, nachdem wir unsere Räder auf die Fähre geschoben haben.

Seit fünf Jahren bringt der pensionierte Berufsschiffer von April bis Oktober Fußgänger und Radfahrer zwischen Hitzacker in Niedersachsen und Herrenhof in Mecklenburg-Vorpommern über die Elbe.

So ganz ohne Schifffahrt gehts eben doch nicht. Und es ist auch nicht zu übersehen, dass Schiffer Gäde mit viel Spaß bei der Sache ist: „Ja, ich mach das gerne. Und man trifft ja auch immer nette Leute.” Die wenigen mit einem langen Gesicht würde er am liebsten stehen lassen. Aber das geht ja nicht und so werden Miesepeter an Bord einfach ignoriert.

Hier schlechte Laune zu bekommen, ist eigentlich recht schwierig. Die Menschen sind freundlich und offen, so dass sich immer wieder mal die Gelegenheit für ein nettes Schwätzchen am Wegesrand bietet. Und die Landschaft rechts und links der Elbe verwöhnt die Sinne mit dem satten Grün der Elbtalauen und schmucken, reetgedeckten Häusern in winzigen Dörfern.

Doch erst einmal hatte es einige Zeit gedauert, bevor wir uns von Hitzacker losreißen konnten. Die von dem Flüsschen Jeetzel umflossene Altstadt hat zwar nur ein paar Straßenzüge. Aber beim Radeln durch die Gassen wird man immer wieder durch das eine oder andere Kleinod zum Halten gebracht.

Wie zum Beispiel dem 1589 erbauten Alten Zollhaus, der St.-Johannis-Kirche, die hier schon seit dem 13. Jahrhundert steht, oder einem der alten Fachwerkhäuser mit lauschigem Garten davor.

Auf dem kleinen Marktplatz findet man eine wasserspeiende Bronzeskulptur: der Butt. Auf dem angebrachten Schild steht: Denk mal an die Elbe und die Fische.

Eine Mahnung, Umwelt und Natur nicht aus den Augen zu verlieren. Das wollen wir auch nicht und so strampeln wir den Weinberg hinauf. 99 Reben wachsen dort und jedes Jahr werden rund 120 Liter Weißwein gekeltert. Von der Burg, die einmal hier oben stand, ist allerdings nichts mehr zu sehen. Geblieben ist jedoch die Sicht über Hitzacker und den Verlauf der Elbe. Der perfekte Platz für ein Picknick - es ist schließlich auch schon Mittagszeit.

Nun stehen wir also mit unseren Fahrrädern bei Herrn Gäde auf der Fähre und setzen nach Mecklenburg-Vorpommern über. Der erste Teil unserer Radtour führt in Richtung Westen am rechten Ufer entlang. Wenn es in Hitzacker schon ruhig und lauschig war, dann herrscht hier himmlische Ruhe. Ausgenommen, man empfindet das Singen der Vögel als Lärm. Den ersten Kuckuck hören wir nach rund einem Kilometer, das aufgeregte Trällern der Lerchen und das Schnattern der Graugänse begleiten uns die gesamte Zeit.

Der Radweg ist perfekt ausgebaut. Mal fahren wir unten am Deich entlang und an Dörfern wie Rossau vorbei, in denen es mehr Hunde als Häuser gibt. Oder oben auf der Deichkrone, mit Blick auf die Elbe und die Auen mit ihren mäandernden Flutrinnen und den kleinen Bracks. Ein großes Feuchtgebiet, das sich auch auf der anderen Seite des Deiches fortsetzt. Deshalb ist hier auch einer, der sich in solch einer Landschaft besonders wohlfühlt, häufig zu sehen: Meister Adebar. Fast jedes Dorf hat seine eigenen Weißstörche und man hat sich prima miteinander arrangiert: Während der Hausbesitzer auf seinem fahrbaren Rasenmäher herumkurvt, schreitet der Storch gemächlich hinterher und pickt auf, was sich ihm im nun kurzen Gras so bietet.

Wegen unserer vielen Fotostopps kommen wir nur langsam voran. Auch Konau hält uns auf, eines der wenigen typischen Marschhufendörfer, in denen die Häuser direkt hinter einem hufeisenförmigen Deich liegen. Seit 1994 steht das gesamte Dorf unter Denkmalschutz.

Dann ist es nicht mehr weit bis Stiepelse, wo wir uns im Gästehaus Lichtblick, das als Herberge für Radfahrer erst im vergangenen Jahr an den Start ging, ein Zimmer reserviert haben. Besitzer Klaus Karnatz zeigt uns, wo die Kaltgetränke sind und versorgt uns noch mit einem „Strammen Max”. Am nächsten Morgen repariert er dann ungefragt noch schnell den Sattel am Fahrrad meiner Begleiterin: „Das ist so doch viel zu gefährlich.”

In Neu Bleckede setzen wir mit der Fähre wieder nach Niedersachsen über. In Bleckede steuern wir dann das Elbschloss Bleckede an, wo das informative Besucherzentrum für das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue untergebracht ist.

In einem der Räume gibt es auch eine Live-Übertragung aus einem nahe gelegenen Storchennest, in dem dieses Jahr wohl drei junge Störche flügge werden.

Von hier sind es auf der linken Elbseite noch rund 20 Kilometer bis Lauenburg. Inzwischen sind wir tiefenentspannt und genießen einfach nur noch. Immer wieder kommen wir an Häusern vorbei, bei denen der Wunsch fast übermächtig wird, zu klopfen und zu fragen: „Entschuldigung, darf ich hier wohnen?”

Besonders hübsch sind die Dörfer Radegast und Brackede, die ineinander übergehen. Das winzige Radegast hat einen ebenso kleinen historischen Dorfkern mit einer Kirche, deren Grundmauern aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammen. Jetzt noch rund zehn Kilometer, dann ist Lauenburg erreicht. Vorher noch ein Picknick am Deich, hinterher dann zum Abschluss noch einen Kaffee an der Elbpromenade vor den Häusern der Altstadt von Lauenburg.