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Marseille: Das Schiff im Schiff: Was Angebote wie der MSC-Yacht-Club bieten

Marseille : Das Schiff im Schiff: Was Angebote wie der MSC-Yacht-Club bieten

Es ist zwar nur kleines Handgepäck, aber dennoch besteht Edwin darauf, den Koffer auf das Schiff zu tragen. Einen eigenen Butler, der das Handgepäck aufs Schiff bringt, hat natürlich nicht jeder MSC-Passagier. „Willkommen auf der „MSC Preziosa”” - oder besser gesagt im exklusiven Yacht-Club!

Die „MSC Preziosa” fasst etwas mehr als 3500 Passagiere. Am Pool oder im Büfettrestaurant wird es da schon mal etwas voller und lauter, speziell in der Ferienzeit wuseln überall Kinder umher. Im Yacht-Club herrscht dagegen angenehme Ruhe.

Dezent klingt etwas Klaviermusik aus den Lautsprechern, in der „Top Sail Lounge” muss man sich über freie Plätze keine Gedanken machen, und auch auf dem separaten Pooldeck gibt es keine Probleme mit zu wenigen Liegen. Als Schiff im Schiff bewirbt die Reederei den Yacht-Club. 69 Suiten umfasst der abgetrennte Bereich auf Deck 15 und 16 am Bug des Schiffs.

Neben der Ruhe genießen die Yacht-Club-Passagiere noch einige andere Annehmlichkeiten: ägyptische Baumwollbettwäsche, Kopfkissenmenü, kostenlose Minibar, 24-Stunden-Zimmer-Service, Zutritt zu den sonst kostenpflichtigen Saunen, separater Check-in - und eben ein persönlicher Butler.

Der klopft am späten Nachmittag an die Kabinentür. „Möchten Sie morgen früh eine Zeitung auf ihre Suite? Und wann würden Sie denn gerne zu Abend essen?”, will Edwin wissen. „19.30 Uhr wäre perfekt.” „Gut, dann hole ich Sie pünktlich ab.” Und in der Tat klopft es um kurz vor halb acht an der Tür der Suite. Edwin führt den Gast ans andere Ende des Schiffs. Dort liegt „Le Palmeraie”, das Restaurant, in dem nur Gäste des Yacht-Clubs essen dürfen.

Auch hier gedämpfte Musik, schwere Vorhänge, zuvorkommende Kellner. Einer rückt den Stuhl zurecht, ein anderer legt die Serviette auf den Schoß, der dritte bringt die Weinkarte: „Ihr Sommelier kommt sofort”. Das Essen hat nicht ganz Sterneniveau, ist aber noch einmal deutlich hochwertiger als in den inkludierten Bedienrestaurants. Das gilt auch für das Frühstück, das ebenfalls im „Le Palmeraie” serviert wird. Alternativ steht in der „Top Sail Lounge” ein Büfett zur Verfügung. Kleine Leckereien gibt es dort ohnehin rund um die Uhr.

Ganz billig ist der Service nicht. Bei MSC kostet eine siebentägige Kreuzfahrt im Mittelmeer in einer normalen Balkonkabine ab 949 Euro pro Person, in einer Yacht-Club-Suite mindestens 1799 Euro.

MSC ist nicht die einzige Reederei, die auf das Konzept Schiff-im-Schiff setzt. Auch Norwegian Cruise Line bietet auf acht Schiffen einen separaten Bereich: The Haven. Während er auf den Schiffen der Jewel-Klasse mit bis zu 18 Suiten relativ klein ist, stehen auf den Neubauten wie der „Norwegian Escape” bis zu 95 Suiten in diesem Bereich bereit.

Das Konzept ist ähnlich wie bei MSC. Den Passagieren steht ein eigener Pool, ein eigenes Sonnendeck, ein eigener Whirlpool und Fitnessraum zur Verfügung. Auf den neueren Schiffen gibt es auch ein privates Restaurant mit Terrasse, Lounge und Sauna. Concierge-Service und Butler gehören auch hier zum Standard.

Auf der neuen „Aida Prima” geht auch Aida Cruises einen Schritt in Richtung Schiff-im-Schiff. Dort gibt es mit dem Patio-Deck erstmals einen eigenen Poolbereich für Suitengäste, inklusive einer Bar und zwei Infinity-Pools.

Laut dem Kreuzfahrtexperten Helge Grammerstorf können die Reedereien durch ein solches Angebot eine zusätzliche Klientel erschließen, die sonst wahrscheinlich nicht auf das Schiff kommen würde. „Für die Reisenden ist es natürlich interessant, weil es einen intimeren Rahmen, den man typischerweise auf den kleinen Schiffes vorfindet, und gleichzeitig den Vorteil der Angebotsvielfalt des großen Schiffes bietet”, erklärt der Inhaber des Beratungsunternehmen Seaconsult. Insgesamt sei das Konzept in der Touristik aber nicht ganz neu: „Auch Hotels haben teilweise besondere Bereiche für bestimmte Gäste.”

Auf der „MSC Preziosa” hängt am nächsten Morgen die gewünschte Zeitung. Wahrscheinlich war es Edwin früh am Morgen. Seit einem guten Dutzend Jahren arbeitet er bereits für MSC. Eigentlich kommt er aus Honduras. Doch mittlerweile kennt er auch das Mittelmeer wie seine Westentasche. Immer ist er für einen kleinen Plausch aufgelegt.

„Wollen Sie heute in die Stadt gehen?”, fragt er nach dem Frühstück auf dem Gang. Die passende Empfehlung hat er auch gleich parat: „Hier in Genua ist besonders das Aquarium sehenswert.” Doch es soll lieber ein kleiner Stadtbummel werden. „Das ist auch kein Problem”, erklärt Edwin. „Das sind keine fünf Minuten zu Fuß. Einfach immer nach dem Ausgang rechts halten.”

Eigentlich müsste man den Yacht-Club - außer für die Mahlzeiten - gar nicht verlassen, aber den Passagieren stehen natürlich auch alle regulären Angebote an Bord zur Verfügung. Soll es also doch mal statt des lauschigen Whirlpools am Bug der große Pool sein - kein Problem!

(dpa)