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Mannebach: Bilbo und Gandalf geben den Ton an: Wandern mit Eseln

Mannebach : Bilbo und Gandalf geben den Ton an: Wandern mit Eseln

Der Mann auf dem Trecker grüßt freundlich. „Passt gut auf die beiden auf”, ruft er den Wanderern hinterher. Hier in Mannebach, einem 380-Einwohner-Dorf in der Nähe von Trier, kennt jeder jeden. Das gilt auch für die Esel Bilbo und Gandalf.

Seit der Verein Packeselwanderungen das gemütliche Duo an Wanderer verleiht, ist der Anblick der Tiere und ihrer menschlichen Begleiter in Mannebach alltäglich. Nur wer hier wen führt, das wird sich noch zeigen.

Wer mit Eseln wandern will, findet in Deutschland immer mehr Möglichkeiten - egal ob Spaziergang, Tagestour oder mehrtägige Wanderung. Sogar Manager reflektieren mittlerweile mit Hilfe von Eseln ihr Führungsverhalten. Der Verein aus Rheinland-Pfalz ist dabei einer der wenigen Anbieter in Deutschland, der die Eselfreunde nach einer Einweisung auch ohne Begleitung losschickt.

Bevor es losgeht, holt Vereinsmitglied Armin Schneider die beiden Wallache von der Weide. Das klappt mal schneller, mal langsamer. Wie Esel eben so sind. Ein Vorgeschmack auf das, was kommt. Seit fünf Jahren sind Bilbo, der Braune, und Gandalf, der Graue, aus Mannebach nicht mehr wegzudenken. Damals kaufte der Verein sie einer Tierschutzorganisation ab, die sie vor dem Schlachter gerettet hatte. „Wir geben sie nur zu zweit raus, so motivieren sie sich gegenseitig”, erzählt Armin Schneider. Geht Bilbo vorneweg, schreitet Gandalf hinterher.

Als erstes legt Armin Schneider den Eseln ihr Halfter um. Daran wird später die Führleine befestigt. Dann müssen sie gestriegelt und die Hufe gesäubert werden. Schneider holt den hölzernen Packsattel aus dem Stall und befestigt ihn auf dem Eselrücken. Darunter liegt eine weiche Decke. Rechts und links lässt sich nun das Gepäck anbringen: Der Verein hat alte Armee-Rucksäcke aus der Schweiz besorgt. „Die sind eigentlich mehr oder weniger wasserdicht”, erklärt Schneider.

Ein Esel darf etwa ein Fünftel seines Körpergewichts tragen, das macht rund 40 Kilo. Ist man mehrere Tage mit Zelt, Schlafsack, Isomatte und Proviant unterwegs, trägt ein Esel das Gepäck für zwei Personen. Und die Wanderer haben den Rücken frei. Auch Familien ziehen gerne mit den Eseln los. Reiten erfolgt allerdings auf eigene Gefahr, grundsätzlich dienen die Esel als Packtiere.

Kurz nach dem Aufbruch beginnt es in Strömen zu regnen. Es geht über Feldwege, vorbei an Weiden und Streuobstwiesen. Die Esel scheint der Regen nicht zu stören. Das Grün am Wegesrand zieht sie magisch an. Eigentlich eine willkommene Ausrede für ein Päuschen. Nur nicht bei diesem Wetter. Dabei ist genau das die Idee beim Eselwandern. Das Tier bestimmt das Tempo. Entschleunigung ist angesagt. „In unserer hektischen Zeit fast schon ein Luxus”, findet Armin Schneider.

Der Esel strahlt Ruhe und Gelassenheit aus - und das färbt im Laufe der Wanderung auf den Menschen ab. Es wird Zeit für ein Gruppenbild mit den tierischen Mitwanderern. Verschickt an die Daheimgebliebenen mit der Frage: Wie viele Esel sind hier zu sehen?

Die meisten Wanderer brechen mit den Eseln zu Tagestouren auf und kehren am Ende wieder nach Mannebach zurück. Bei Mehrtagestouren ist es aber auch möglich, mit ihnen anderswo zu übernachten. Der Verein hat dafür verschiedene Tourenvorschläge vorbereitet. Für die Esel erhalten die Wanderer dann einen mobilen Weidezaun.

Bei der Pause auf dem Metzenberg werden Bilbo und Gandalf mit einer langen Leine an zwei Bäume gebunden. „Alles, was auf dem Boden wächst, dürfen sie fressen”, hatte Armin Schneider erklärt. In den Packtaschen warten Brot, Käse und Wurst als Stärkung auf die Wanderer.

Von hier aus führt der Weg steil bergab. Die Esel schreiten forsch voran, der matschige Untergrund scheint ihnen nichts auszumachen. Am Ortsausgang von Tawern bestimmen sie dann endgültig das Tempo. Bleiben alle zwei Meter stehen und fressen. Ignorieren das Ziehen an der Leine. Verhalten sich einfach wie zwei störrische Esel aus dem Lehrbuch. Lasse Dich auf das Tempo des Esels ein, wird zum Mantra der Wanderer. Die versuchen die Esel mit Löwenzahn zum Weitergehen zu überreden - und erfahren später, dass man ruhig auch mal etwas strenger sein darf. „Sonst machen die Tiere mit einem, was sie wollen”, sagt Armin Schneider schmunzelnd. Denn der Esel habe schließlich seinen eigenen Kopf.

Gerade wollen Bilbo und Gandalf vor allem eins: fressen, fressen, fressen. Der Stall ist schon in Sichtweite, die Wanderer sind durchgefroren, aber das Gras am Wegesrand leuchtet so viel grüner als das auf ihrer Wiese. Schließlich geben sie dem Drängen der menschlichen Begleiter doch nach. Gegen halb sechs erreicht das Quartett wieder den Stall. Sechs Stunden für zwölf Kilometer - die Entschleunigung hat funktioniert.

Info-Kasten: Eselwandern

Packeselwanderungen e.V., Schulstraße 15, 54441 Mannebach (Tel.: 06581/996 79 86, E-Mail: info@packeselwanderungen.de). Die Wanderungen finden das ganze Jahr nach Terminabsprache statt. Preise für eine Ein-Tagestour von November bis März: 60 Euro, von April bis Oktober: 80 Euro. Bei Mehrtagestouren wird der Tagespreis günstiger. Die Preise beinhalten: zwei Esel mit kompletter Ausrüstung, Haftpflichtversicherung, Tourenvorschläge, regionale Wanderkarte, GPS.

Weitere Eselwanderungen: Eselwandern im Nationalpark Kellerwald/Edersee: Eselwandern Odenhardt, Altwildungerstraße 11, 34549 Edertal-Anraff (Tel.: 05621/ 964 43 80, E-Mail: info@eselwandern.com, www.eselwandern.com). Eselwandern in der Eifel: Petra Landsberg, Am Barsberg 14, 53539 Bongard (Tel.: 02692/932 67 73, E-Mail: info@eselwandern-eifel.de, www.eselwandern-eifel.de). Eselwandern am Niederrhein: Der Eselbauer, Frank Noppert, Zum Horn 30, 47574 Goch (Tel.: 0157/87 37 79 08 (18.00-20.00 Uhr und am Wochenende, E-Mail: dereselbauer@yahoo.de, www.dereselbauer.de). Eselwanderungen in den Bayerischen Bergen: Asinella/Anahid Klotz, Am Gasteig 4, 82396 Pähl (Tel.: 08808/92 42 80, E-Mail: hallo@asinella.com, www.asinella.com). Eselwandern im Harz: Waldhotel „Am Ilsestein”, Ilsetal 9, 38871 Ilsenburg (Tel.: 039452/95 20), E-Mail: waldhotel@online.de, www.eselwandern-im-harz.de).

(dpa)