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Airlie Beach: Besuch beim Heiligen Geist: Im Wasserflugzeug zu den Pfingstinseln

Airlie Beach : Besuch beim Heiligen Geist: Im Wasserflugzeug zu den Pfingstinseln

Das Flugzeug sinkt, kommt der Wasseroberfläche näher, schlägt auf. Wasser kann ganz schön hart sein. An Bord bricht keine Panik aus. Eher macht sich eine erwartungsvolle Aufregung breit. Die Passagiere rutschen auf den Ledersitzen des Wasserflugzeugs hin und her, recken ihre Hälse. 1770 durchkreuzte der Entdecker James Cook an Pfingstsonntag die Inselwelt. Die Strecke nannte er später Whitsunday Passage.

Die Flugsafari hat schon phänomenal begonnen: Korallenformationen aus der Vogelperspektive, einen Anblick, den Seefahrer und Hobby-Skipper nie haben. Ein wenig erinnern die Muster an Pustebilder, die man in der Schule mit Wasserfarben und geblähten Backen kreierte - sofern man Grün- und Blautöne verwendete.

Wochenlang kann man auf den Whitsunday Islands mit einer Segeljacht von Insel zu Insel fahren. Doch wem die Zeit dazu fehlt, etwa, weil er auf einer Rundreise durch den fünften Kontinent ist, kann sich im Schnelldurchgang einen Überblick verschaffen - im wahrsten Sinne des Wortes. Mehrere kleine Unternehmen haben sich auf Flugsafaris per Helikopter oder Wasserflugzeug spezialisiert.

Täglich, sofern es das Wetter zulässt, starten zum Beispiel Maschinen der Air Whitsunday von dem kleinen Privatflughafen in Airlie Beach. Dort gibt es keine Sicherheitskontrollen, und der barfüßige Kapitän weist vor dem Einsteigen noch eben schnell selbst ein. Wichtigste Frage: „Habt Ihr alle Eure Kameras dabei?” Das perfekte Postkartenmotiv wartet. Kostenpunkt pro fünfstündigem Ausflug: 475 australische Dollar pro Person (rund 373 Euro).

Die Cessna Caravan klatscht aufs Wasser und schaukelt im Ozean rund 70 Kilometer von der Festlandküste des australischen Bundesstaates Queensland entfernt - inmitten von Korallenbänken. Ringsherum nur Blau, kein Land in Sicht. Kapitän Dan Bolton und sein Sitznachbar Chad Banfield springen auf die Schwimmer und zerren an einem Tau, bis das Flugzeug und ein an der Hardy Lagoon geankertes Boot Seite an Seite liegen. Die Nussschale ist ein halbes U-Boot: Die Wände des Rumpfes sind verglast. Noch besser lässt sich die Unterwasserwelt beim Schnorcheln erkunden.

Ein noch nicht ganz ausgewachsener Napoleonfisch schwimmt vorbei, bunte Papageienfische sind in Schwärmen unterwegs und zeigen den Besuchern ihre schmollenden Lippen. Zwischen Mai und September kalben Buckelwale in den Gewässern - doch keines der Tiere zeigt sich. Wieder an Bord gibt es Sekt, den der Kapitän in Plastikgläser ausschenkt.

Eine kleine Ewigkeit, dann ist die Cessna wieder in der Luft. Ein Start aus dem Wasser braucht länger als von einer Betonpiste. Die Propeller brummen, die Maschine hebt ab. Schon nach wenigen Minuten taucht Postkartenmotiv Nummer zwei auf: Whitehaven Beach, ein als „weißester Sandstrand der Welt” vermarkteter Acht-Kilometer-Streifen. Wieder surren die Kameras um die Wette - bis das Flugzeug erneut aufsetzt.

Die beiden Kapitäne lassen die Hosen runter, und Badehosen kommen zum Vorschein. Dann hüpfen sie ins knietiefe Wasser und reichen den Gästen zum Aussteigen die Hand.

Whitehaven, der „weiße Hafen”, empfängt die Besucher mit Quietschlauten. „Der Sand ist so fein, dass er unter den Füßen diese Geräusche macht”, sagt Dan Bolton. Schuhe sind überflüssig: „Wegen seiner besonderen Zusammensetzung heizt sich der Sand in der Sonne nicht auf”, sagt Chad. Chad und Dan zücken wieder die Proviantkiste. Es gibt für jeden einen Becher Nüsse. Sobald eine in den Sand fällt, ist eine Möwe zur Stelle. Auch Perlwein aus Plastikgläsern gibt es wieder. Der aber interessiert kaum.

Die Flugtouristen stellen sich im Wasser für Ich-war-hier-Bilder auf oder wandern andächtig am menschenleeren Strand entlang, als sei tatsächlich der Heilige Geist vor Ort, der ja an Pfingsten über die Jünger Jesu gekommen sein soll. Die Gäste reden vom Paradies und benutzen Wörter, die einem einfallen, wenn einem die Worte fehlen. Malerisch oder traumhaft.

Nach einer Stunde bläst Chad zum Abflug. Härter und immer härter schlägt das Wasser unter die Schwimmer, bis die Cessna abhebt. Der Ausflug hat seine Spuren hinterlassen. Eine ruhige Atmosphäre herrscht in der Flugzeugkabine. In Handtücher gehüllt oder in Sommerkleidung mit Flecken von nassen Badesachen sitzen die Touristen in der Kabine und geben erst einmal keinen Laut von sich.