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Bremerhaven: Auch auf einer Kreuzfahrt kann manches schiefgehen

Bremerhaven : Auch auf einer Kreuzfahrt kann manches schiefgehen

Kreuzfahrten werden heute in der Regel als Rundum-sorglos-Paket gebucht. Doch wie bei jeder anderen Reise kann es auch auf einer Schiffsreise passieren, dass nicht immer alles glatt verläuft.

Bei Kreuzfahrten gilt wie bei Pauschalreisen das Reisevertragsrecht. Das bedeutet: Was im Katalog oder Internet versprochen wurde, muss auch gehalten werden. Wie bei einem Hotel können daher beispielsweise ein nicht nutzbarer Pool oder eine fehlende Klimaanlage in der Kabine eine Reisepreisminderung rechtfertigen, wenn sie vertraglich zugesichert wurden, sagt Kay P. Rodegra, Dozent an der Hochschule Bremerhaven. Wichtig sei, eventuelle Mängel umgehend bei der Reiseleitung anzuzeigen: „Schweigt der Urlauber an Bord und zeigt Mängel nicht an, kann er nach der Reise keine Entschädigung fordern”, betont Rodegra.

Kabine als Reisemangel

Der Reiserechts-Experte gibt Beispiele: Wenn die Kabine kleiner ist als angegeben oder es keine ausreichenden Schlafmöglichkeiten in einer Dreier-Kabine gibt, kann man den Umzug in eine mangelfreie Kabine verlangen. Ist das nicht möglich, hat man das Recht, den Reisepreis nachträglich zu mindern. Auch wenn es statt der bezahlten Außenkabine nur eine Innenkabine gibt, sollte man sofort aktiv werden und auf die gebuchte Kategorie bestehen, rät Rodegra: „Wird dann ein Wechsel verweigert, liegt ein erheblicher Reisemangel vor, der zur sofortigen Kündigung des Reisevertrages und Abbruch der Reise berechtigt.” Die Folge: Man bekommt seinen Reisepreis zurück und hat zusätzlich Anspruch auf Schadensersatz wegen entgangener Urlaubsfreude. Beiße man in den sauren Apfel und akzeptiere die Innenkabine, könne man nach dem Urlaub den Reisepreis mindern.

Doch auch wenn die gebuchte Außenkabine zur Verfügung steht, kann es Probleme geben: statt auf das Meer fällt der Blick auf eine Wand oder ein Rettungsboot. Nicht immer sei das ein Reisemangel, schränkt Rodegra ein: „Es kommt darauf an, wie die Kabine im Katalog beschrieben ist. Wird auf eine Sichtbehinderung hingewiesen, liegt kein Mangel vor.” Habe man jedoch freie Sicht gebucht, gebe es möglicherweise Geld zurück: „Das Amtsgericht Stuttgart-Bad Cannstatt minderte in einem entsprechenden Fall den Preis um 15 Prozent.” Zwtl.: Wenn Landgänge ausfallen

Auch der Reiseverlauf kann anders sein als erwartet oder erhofft: „Werden zugesagte Häfen nicht angelaufen oder fallen vereinbarte Ausflüge und Landgänge aus, liegt in der Regel ein Reisemangel vor”, sagt der Reiserechtler. Das könne selbst dann der Fall sein, wenn äußere Umstände wie zum Beispiel schlechtes Wetter oder Terrorwarnungen dazu geführt haben. Das Amtsgericht München hat Rodegra zufolge einem Urlauber 25 Prozent des Reisepreises zugesprochen, da wegen drohender Piratenangriffe drei von acht Häfen nicht angelaufen werden konnten.

Wer nach der Reise eine Entschädigung fordern will, müsse innerhalb eines Monats nach dem vertraglichen Ende der Reise eine Reklamation beim Reiseveranstalter einreichen. Doch nicht alles, was den Passagier an Bord stört, ist ein Reisemangel, betont Rodegra: „Auch auf einem Schiff muss ein Passagier kleinere Unannehmlichkeiten entschädigungslos hinnehmen. Dazu gehören zum Beispiel schiffstypische Geräusche, der Geruch nach Diesel und Abgasen an Deck oder das fehlende Benehmen von Mitreisenden.”