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Venedig: Abseits des Markusplatzes: Venedigs beschauliche Ecken

Venedig : Abseits des Markusplatzes: Venedigs beschauliche Ecken

Heilloses Gedränge rund um den Markusplatz, lange Schlangen vor dem Dogenpalast und dem steil in den Himmel ragenden Campanile - das historische Herz der Lagunenstadt ist ein Magnet für die Touristenmassen aus aller Welt.

Während überfüllte Vaporetti die nächste Besucherwelle an Land lassen und aufgereihte Gondeln, am Ufer dümpelnd, auf Kundschaft warten, schiebt sich ein weiterer Kreuzfahrtriese bedrohlich nahe vorbei. All dem kann man in Venedig wohl kaum entfliehen. Doch! Trotz der Millionen Besucher, die Jahr für Jahr in die Lagunenstadt kommen, hat das ins Wasser gebaute Schmuckstück durchaus auch seine beschaulichen Ecken.

Weitaus stiller ist der Alltag etwa in dem ganz im Norden der Lagunenstadt gelegenen Viertel Cannaregio. Hier herrscht „normales” italienisches Leben, eher selten verirrt sich ein Gondoliere in die schmalen Kanäle mit den hübschen Namen Rio della Madonna dellOrto oder Rio della Sensa. Ein paar Fischerboote liegen noch fest vertäut am Kai, und in den Bars mischen sich Venezianer mit den Touristen, die auf weniger ausgetretenen Wegen unterwegs sind. Die Italiener palavern mit ihren Bambini, die Hausfrauen haben ihren Waschtag. Quer rüber von Haus zu Haus sind die Wäscheleinen bunt mit Bettzeug und Handtüchern bestückt - ein Bild, das im Zentrum undenkbar wäre!

Am Rand der nahezu schnurgeraden Wasserverkehrswege Cannaregios laden die kleinen Tische gemütlicher Restaurants all jene ein, die nach der Tradizione Veneziana bekocht werden wollen. Man hat die Qual der Wahl: Soll man die Leber auf venezianische Art und auch den frischen Fisch aus der Lagune nun in der Osteria „Anice stellato”, der Trattoria „Antica Mola” oder in dem von Kennern empfohlenen „LOrto dei Mori” probieren? Also doch erst einmal den beliebten handgemixten Bellini-Cocktail mit Prosecco und Pfirsich schlürfen, um dann endgültig zu entscheiden!

Nach Dolce und Caffè kann aber auch hier etwas Geschichte und Kultur nicht schaden. Eine der kleinen Brücken führt über den Rio di San Girolamo auf den Campo di Ghetto Nuovo. Wo einst Kanonen gegossen wurden und seitdem wenig Leben herrscht, mussten eingewanderte Juden im Mittelalter einziehen. Eine kleine jüdische Gemeinde gibt es heute noch, und ein Reiseführer klärt auf: Der seit langem weltweit verwendete Begriff „Ghetto” entstand in Venedig.

Das kleine Motorschiff fährt um die Lagunenstadt herum ans südliche Ende, zum Sestiere Dorsoduro. Den Canal Grande und den wuseligen Markusplatz hat man so umschifft. An der Vaporetto-Haltestelle Zattere nahe der Chiesa dei Gesuati steht der Reisende fast erleichtert auf einem breiten Uferkai. Gut möglich, dass jetzt wieder „schwimmende Städte” mit Tausenden Kreuzfahrtfans bei der Durchfahrt zur Anlegestelle das Sonnenlicht verdunkeln und den Blick auf die gegenüberliegende Insel Giudecca verstellen. Und doch herrscht auch in Dorsoduro eine entspannte Atmosphäre. Gut, es gibt mehr Touristen als in Cannaregio. Und viele wollen nur das eine: ein Eis aus der bekannten Gelateria Nico.

Ganz rasch geht die Vaporetto-Fahrt dann auch zu den Giardini, den Gärten, die Schauplatz der bekannten Kunst-Biennale in Venedig sind, und zum Arsenale, den Schiffswerften der einstigen Seemacht. Dieses Sestiere nennt sich Castello. Es bietet einen pittoresken Uferweg und mit der Via Giuseppe Garibaldi typisches italienisches Markttreiben - auch ein Stück Lagunenstadt, das einfach so zum Flanieren einlädt. In einem Venedig, in dem gerade stillere Tage ungeheuer Spaß machen.

Informationen: Ambito Turistico di Venezia, Palazzetto Carmagnani San Marco, 2637, 30124 Venezia (Tel.: 0039/041/5298711, E-Mail: info@turismovenezia.it).

(dpa)