Wien: 10 Jahre nach Inferno fehlt Tauerntunnel noch immer zweite Röhre

Wien: 10 Jahre nach Inferno fehlt Tauerntunnel noch immer zweite Röhre

Der Unfall weckte schreckliche Erinnerungen: knapp zehn Jahre nach dem Inferno im Tauerntunnel verunglückte im Februar 2009 fast an gleicher Stelle ein belgischer Reisebus. Mehrere Fahrzeuge schoben sich ineinander.

Zum Glück geriet keines der Fahrzeuge in Brand. Neun Menschen wurden verletzt. Ein Jahrzehnt nach dem schwersten Tunnelunglück Österreichs, bei dem zwölf Menschen getötet wurden, ist die seit mehr als zwei Jahrzehnten geplante zweite Tunnelröhre immer noch nicht fertig. Ein ähnliches Desaster kann deshalb noch immer nicht ausgeschlossen werden.

Am Morgen des 29. Mai 1999 geschah es: Mitten in der 6,7 Kilometer langen Tunnelröhre fährt ein Lastwagen um 4.50 Uhr in eine Kolonne von 13 Autos, die vor einer Baustellenampel wartet. Der Aufprall mit etwa 50 Stundenkilometern löst ein Feuer aus, das sich mit rasender Geschwindigkeit ausbreitet. Bei einem Personenwagen reißt der Tank, andere werden regelrecht zerquetscht.

Ein mit 24.000 Dosen Spraylack beladener Lastwagen gerät in Flammen, es kommt zu schweren Explosionen. Eine zweite Feuerwalze mit einer Temperatur von bis zu 1200 Grad breitet sich in Sekunden aus. Die Überlebenden versuchen zu fliehen, ersticken aber oder verbrennen. Eine Zwischendecke stürzt ein. Erst 17 Stunden später ist der Brand gelöscht.

Erst zwei Tage später ist das ganze Ausmaß zu erkennen: Zwölf Menschen sind ums Leben gekommen, unter ihnen fünf aus Polen stammende Deutsche. 42 Menschen sind zum Teil schwer verletzt worden. Der Fahrer des Unglückslastwagens wird später zu zwei Jahren Gefängnis mit Bewährung verurteilt.

Eigentlich hätte das schwerste Tunnelunglück Österreichs nie geschehen dürfen. Immer wieder hatten Experten auf die Gefahr durch Gegenverkehr in einem derart stark befahrenen Tunnel gewarnt. Erst zwei Monate vor dem Desaster waren bei einem ähnlichen Unglück im Mont-Blanc-Tunnel (Frankreich) 41 Menschen getötet worden. Unmittelbar nach dieser Katastrophe hatten die Österreicher im Tauerntunnel zwar eine umfangreiche Katastrophenübung angesetzt - doch verhinderte sie das Unglück nicht.

Zuvor war das Tauziehen zwischen Unfall-Experten und Politik jahrelang ergebnislos geblieben. Obwohl die Planer der Tauernautobahn bereits 1939 zwei Röhren vorsahen, weigerten sich die Politiker, den Bau der zweiten Tunnelröhre zu beschließen - nicht zuletzt wegen massiver Proteste der regionalen Bevölkerung. Auch nach dem Unglück dauerte es noch bis zum September 2006, bis der offizielle Anstich erfolgte. Mit der offiziellen Inbetriebnahme des rund 300 Millionen Euro teuren Projekts ist nicht vor Juni 2011 zu rechnen.