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Aachen/Alsdorf: Versuchter Mord an schwangerer Frau: Zehn Jahre Haft

Aachen/Alsdorf : Versuchter Mord an schwangerer Frau: Zehn Jahre Haft

Eine „gerechte Bestrafung” hatte das am 18. Februar in Hoengen niedergestochene Opfer gewünscht. Das Aachener Schwurgericht (Vorsitz Richterin Hildegard Tag) hielt am Mittwoch eine Strafe für gerecht, die sogar ein Jahr über dem Antrag der Staatsanwaltschaft lag.

Für den versuchten Mord an seiner Ehefrau, für den in Kauf genommenen Schwangerschaftsabbruch und wegen gefährlicher Körperverletzung muss der 27-jährige Facharbeiter Rainer E. aus Alsdorf für zehn Jahre ins Gefängnis.

Nur durch Glück, betonte die Richterin in der Urteilsbegründung, und weil es ein qualitativ billiges Küchenmesser war, habe die Attacke des Angeklagten auf seine Ehefrau abends auf einem Spielplatz nahe ihrer Wohnung nicht den Tod der zweifachen Mutter herbeigeführt. „Das ist wieder so ein Fall, wo durch einen plötzlichen und massiven Ausbruch von Gewalt ein Mann das angeblich Liebste zerstört, was er hat, seine Frau und seine Familie.”

Sicher, der 27-Jährige habe eine schwere Jugend gehabt, wuchs bindungslos auf und wurde zwischen den früh getrennten Elternteilen hin und her geschubst. Die Folge sei ein hohes Kränkungspotenzial gewesen, das sich besonders in den Tagen vor der Tat bemerkbar gemacht hätte.

Denn als er von der Ehefrau erfahren habe, so die Richterin, dass ein ehemaliger Schulkamerad ihr Liebes-SMS aufs Handy geschickt habe, sei er gekränkt verschwunden und ohne Wissen der Ehefrau in den Keller gezogen. Dann habe er irgendwann bemerkt, dass das Schloss der gemeinsamen Wohnung ausgetauscht worden war. Als sie sich zufällig auf der Straße trafen, stellte ihn die besorgte Ehefrau zur Rede, sie vereinbarten das Treffen.

„Da hat der Angeklagte beschlossen, seine Frau zu töten”, beschrieb die Richterin den Zeitpunkt des Vorsatzes. Die Frau sei abends am Spielplatz „arg- und wehrlos” gewesen, denn er hatte das lange Küchenmesser nicht sichtbar in der hinteren Hosentasche. Selbst als der 27-Jährige düster prophezeite, ihre Kinder würden wohl ohne sie aufwachsen müssen, „da fragte sie, ob er etwa das Jugendamt einschalten wolle”, präzisierte Richterin Tag.

Doch der hatte „Grell am Sack”, wie er es bei der Polizei formuliert hatte, und zog das Messer. Mindestens 15-mal stach er auf seine Frau ein. Sie überlebt nur, weil sich das Messer bei einem der heftigen Stiche wie ein Krummdolch verbog und die Klinge dadurch nicht mehr tief genug in den Körper eindrang. Der Anruf einer Freundin machte der Messerstecherei ein Ende. Als ihr Handy klingelte und sie am Boden liegend den Anruf annahm, ließ der Rasende von ihr ab.

Das Opfer Patrizia E. verfolgte erhobenen Hauptes den gesamten Prozess als Nebenklägerin. Doch sie müsse höchstwahrscheinlich mit erheblichen psychischen Folgen kämpfen, begründete das Gericht. Dazu komme, dass sie einen Arm bis heute noch nicht richtig bewegen könne. Der Täter habe in seinem Geständnis und in seinem letzten Wort die Tat bereut, deshalb hielt das Gericht zehn Jahre Haft für angemessen.