Berlin: Reise kann nicht immer kostenfrei storniert werden

Berlin: Reise kann nicht immer kostenfrei storniert werden

Die Urlaubsreise ist schon lange gebucht und bald soll es losgehen. Doch kurz vorher passiert etwas, das dazu führt, dass man diese Reise nicht antreten kann oder will. Weil man selbst oder ein Familienmitglied erkrankt ist.

Weitere Gründe könnten Unruhen im Urlaubsland sein oder Naturgewalten. Doch nicht immer berechtigt Letzteres zum kostenlosen Reiserücktritt wegen höherer Gewalt, warnt Professor Ronald Schmid, Experte für Reiserecht: „Diese Ereignisse müssen unerwartet aufgetreten sein, um als höhere Gewalt zu gelten.”

Die Grenzen sind fließend. Eindeutig sei der Fall bei einer Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, sofern diese nicht bereits vor Vertragsabschluss bestand. Unvorhergesehene Ereignisse können auch Überschwemmungen, Erdbeben oder Stürme sein. Soweit diese nicht zu erwarten waren: „Wer zur Hurrikan-Saison eine Reise in die Karibik bucht, muss sehr wahrscheinlich die Stornokosten zahlen, wenn ein solcher auftritt”, nennt Schmid ein Beispiel.

Auch bereits bestehende Unruhen, die sich ausweiten, könnten von den Reiseveranstaltern nicht als Stornogrund akzeptiert werden. „Wann es sich um höhere Gewalt handelt, entscheidet in letzter Instanz der Richter, falls es zum Prozess kommen sollte”, sagt Schmid. Für eine kostenfreie Stornierung muss es nach Ansicht der Gerichte zusätzlich gegeben sein, dass die Reise durch ein Ereignis vermutlich wesentlich erschwert, erheblich beeinträchtigt oder zu einem unzumutbaren Sicherheitsrisiko werden kann.

Um es erst gar nicht zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kommen zu lassen, ist es ratsam, sich umgehend mit dem Reiseveranstalter in Verbindung zu setzen. Häufig bieten diese aus Kulanz eine Umbuchung auf ein anderes Reiseziel an.

Erkrankungen oder andere im Lebensumfeld des Reisenden auftretende Ereignisse werden von den Reiseveranstaltern grundsätzlich nicht als Grund für eine kostenlose Stornierung der Reise akzeptiert. In solchen Fällen könnte eine Reiserücktrittsversicherung einspringen.

Auch hier gilt: Das Ereignis muss unerwartet eintreten. Das sei für alle wichtig, die chronisch krank sind, sich zurzeit in einer Behandlung befinden oder diese vor Vertragsabschluss gerade hinter sich haben, betont Schmid. „Wenn jemand beispielsweise erst kürzlich wegen einer Herzerkrankung behandelt wurde, könnte die Versicherung bei erneuten Beschwerden die Zahlung verweigern.” Mit dem Argument, dass die Erkrankung nicht unerwartet aufgetreten sei.

Manche Versicherungspolicen decken weitere Risiken ab, wie zum Beispiel unvorhergesehenen Jobverlust oder das Antreten einer neuen Arbeitsstelle. „Man sollte prüfen, wo die eigenen Risiken liegen und welche man abdecken möchte”, rät Schmid. Oft werde bei der Reisebuchung die Rücktrittsversicherung einer bestimmten Gesellschaft angeboten. Diese sollte man nicht sofort abschließen, sondern die Bedingungen genau prüfen und mit denen anderer Versicherer vergleichen.

Manche Policen sind allumfassend, manche decken nur bestimmte Risiken ab, bei anderen gibt es einen Selbstbehalt. Entsprechend unterschiedlich sind die Kosten für eine solche Versicherung. Doch das günstigste Angebot sei nicht immer das beste, sagt der Experte.

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