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Berlin: Optimismus auf der Hanfparade: Hoffen auf Legalisierung

Berlin : Optimismus auf der Hanfparade: Hoffen auf Legalisierung

Erst war es Colorado, dann folgte Washington: Bürger ab 21 Jahren dürfen seit diesem Jahr in beiden US-Staaten Marihuana kaufen und konsumieren. Und in Deutschland hat ein Verwaltungsgericht jüngst drei Patienten den Anbau von Cannabis zur Schmerzlinderung erlaubt.

Cannabis-Freunde aus ganz Deutschland wollen hiesige Politiker nun zum generellen Umdenken bewegen. Bei der 18. Auflage der Hanfparade an diesem Samstag fordern sie in Berlin hartnäckig die Freigabe von Cannabis - als Rohstoff, Medizin und Genussmittel.

2,9 Millionen Menschen greifen nach dem Drogenbericht der Bundesregierung gelegentlich zu Joint und Co. Cannabis ist damit die Nummer eins unter den illegalen Drogen im Land.

Schon der Startpunkt der Demo ist eine kleine Anspielung auf die Entwicklung in den USA: Versammeln wollen sich die Hanf-Freunde, wie sie sich selbst nennen, am Washingtonplatz in Berlin, sagt Paradensprecher Steffen Geyer. Die Veranstalter erwarten bis zu 10.000 Unterstützer, darunter auch einen der erfolgreichen Kläger aus dem Cannabis-Prozess Ende Juli vor dem Kölner Verwaltungsgericht.

Das Gericht hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) verpflichtet, drei Schmerzpatienten den Cannabis-Eigenanbau zu Therapiezwecken zu erlauben. Mit dem Urteil könne „Gras” das Stigma der Kifferdroge verlieren, hoffen viele Cannabis-Freunde. Noch sei aber unklar, ob das Urteil Bestand hat und wie die Patienten dann ihren privaten Anbau sichern müssten, sagt ein Sprecher des Netzwerks „Grüne Hilfe”. „Es ist zu befürchten, dass die Auflagen sehr hoch sein werden.”

„Durch den Prozess und die Entwicklung in den USA ist Fahrt in die Debatte gekommen”, sagt auch Daniel Wesener, Berlins Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen. „Die politische Diskussion nähert sich der gesellschaftlichen Situation an.” Der medizinische Nutzen der Pflanze sei infolge der Debatte ins Bewusstsein der Menschen gedrungen, sagt auch Steffen Geyer von der Hanfparade.

Offen ist, ob das Vorgehen der drei chronisch kranken Kläger nun Schule machen kann: Das BfArM prüft nach eigenen Angaben das Kölner Urteil noch. Aktuelle Zahlen zu Anträgen gebe es nicht, sagt eine Sprecherin. Auch der Bundesärztekammer ist nicht bekannt, ob Cannabis als Therapieoption bereits stärker nachgefragt werde.

Für den Grünen-Politiker Wesener hat die „alte Mär von der Einstiegsdroge Cannabis” ausgedient. Für Berlin wäre die Legalisierung wichtig, betont er. Den Drogenhandel etwa könne man so in den Griff bekommen. Zu der Idee aus dem Vorjahr, in Berlin-Kreuzberg einen Coffee-Shop nach niederländischem Vorbild einzurichten, würden „juristische Untiefen” ausgelotet.

Überzeugen wollen die Hanf-Freunde auch mit Argumenten von mehr als 120 Strafrechtlern und Kriminologen aus ganz Deutschland: In einer Resolution kritisieren sie die „Drogenprohibition”. Konsumenten würden dadurch zum Beispiel in kriminelle Karrieren getrieben und der Schwarzmarkt werde gefördert.

Dabei ist die Frage der Legalität im Alltag nach Einschätzung von Fachleuten womöglich gar nicht ausschlaggebend: Vielen Jugendlichen sei nicht bewusst, dass Kiffen illegal ist, schrieben die Autoren einer Studie der Berliner Fachstelle für Suchtprävention Anfang Juli. Demnach ist das Kiffen bei jungen Berlinern verbreiteter als in allen anderen Bundesländern. Bundesweit ist die Zahl der Jugendlichen, die Erfahrungen mit Cannabis haben, nach Angaben des Gesundheitsministeriums zwischen 2004 und 2011 allerdings stark zurückgegangen.

(dpa)