Aachen: Biallos Ratgeber: Die Zukunft der Kinder mitbestimmen

Aachen: Biallos Ratgeber: Die Zukunft der Kinder mitbestimmen

Wer kümmert sich um die Kinder, wenn die Eltern sterben? Nicht automatisch kommen die Kinder immer zum nächststehenden Verwandten. Und auch auf den Taufpaten läuft das Sorgerecht keineswegs über.

Rechtslage: Stößt den Eltern etwas zu, geht das Sorgerecht für die Kinder nicht automatisch auf die Verwandten oder Taufpaten über. Vielmehr bestimmt das Familiengericht einen Vormund. Oftmals fällt dabei die Wahl auf einen Verwandten, aber nicht zwingend. Sollte nur einem Elternteil etwas zustoßen, geht das Sorgerecht automatisch auf den anderen Elternteil über, auch wenn das Paar getrennt oder geschieden ist. Hat der verstorbene Elternteil das alleinige Sorgerecht ausgeübt, wird es auf den leiblichen Elternteil übertragen, selbst wenn dieser keinen engen Kontakt zum Kind hatte.

Sorgerechtsverfügung: In einer Sorgerechtsverfügung können Eltern eine Person benennen, die für die Kinder sorgen soll. Sie können darin bestimmte Personen ausschließen. „Allerdings kann man nicht einen Elternteil von der Vormundschaft ausschließen, nur weil man zerstritten ist“, sagt Notar Herbert Grziwotz. Es sei denn, das Wohl des Kindes wäre gefährdet.

Vormund benennen: An den in der Verfügung genannten Vormund muss sich das Gericht halten, wenn dies dem Wohl des Kindes dient. Das heißt: Sehr alte und gebrechliche Großeltern werden kaum in Frage kommen, ein kleines Kind zu betreuen. Minderjährige Geschwister können keine Vormundschaft übernehmen. „Eltern sollten den Wunsch der Kinder berücksichtigen. Denn Kinder über 14 Jahren können vor Gericht der Regelung in der Verfügung widersprechen“, sagt Grziwotz. „Beide Eltern können verschiedene Personen nennen, wenn sie sich uneinig sind. Im Ernstfall gilt die Anordnung des zuletzt verstorbenen Elternteils.“

Vermögenssorge: In der Verfügung kann man auch die Vermögensvorsorge verschiedenen Personen übertragen. „Dieses Modell wählen oft getrennte Paare, die zwar die Personensorge dem getrennt lebenden Elternteil zugestehen, nicht aber die Verwaltung des Erbes“, sagt Grziwotz. In der Verfügung kann man einer in Finanzfragen versierten Person die Vermögenssorge übertragen. „Zusätzlich kann man über ein Testament ausschließen, dass der getrennt lebende Elternteil zum Erben wird, sollte das minderjährige Kind sterben.“ Bei diesem komplizierten Konstrukt sollte man sich an einen Anwalt oder Notar wenden.

Formalien: Eine Sorgerechtsverfügung ist immer Teil einer letztwilligen Verfügung, also eines Testaments oder Erbvertrags. Die Sorgerechtsverfügung muss handschriftlich niedergeschrieben werden, Vor- und Zunamen des Verfassers enthalten und mit Ort, Datum und Unterschrift versehen sein. Im Notfall muss sie auffindbar sein. Verfasst man sie beim Notar, ist sie automatisch registriert und findet vor dem Nachlassgericht Berücksichtigung.

Sorgerechtsvollmacht: Eine sinnvolle Ergänzung ist eine Sorgerechtsvollmacht. Sie greift, wenn die Eltern oder ein Elternteil, der alleine sorgeberechtigt ist, vorübergehend das Sorgerecht nicht ausüben können, etwa wegen einer schweren Krankheit. „So eine Vollmacht ist auch auf Reisen nötig, wenn die Großeltern oder Freunde der Familie das Kind mit in den Urlaub nehmen“, sagt der Experte. Nur so sind diese Personen im Notfall entscheidungsbefugt und können bei eventuell nötigen Operationen einwilligen.

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