Berlin: Alleinerziehende kritisieren Forderungen nach Berufstätigkeit

Berlin: Alleinerziehende kritisieren Forderungen nach Berufstätigkeit

Forderungen nach voller Berufstätigkeit Alleinerziehender sind nach Einschätzung des Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter oft realitätsfremd.

Insbesondere das jüngste Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH), das die Arbeitspflicht Alleinerziehender verschärft, sei ein „falsches Signal”, sagte die Verbandsvorsitzende Edith Schwab in Berlin. Dem Urteil aus Karlsruhe zufolge können Alleinerziehende mit einem Erstklässler grundsätzlich ganztags arbeiten, wenn ein Schülerhort bis 17 Uhr zur Verfügung steht.

Nur wenn einzelfallbezogene Gründe bestehen, warum das Kind neben dem Schülerhort persönliche Betreuung benötigt, darf dem Richterspruch vom 30. März zufolge die Arbeitstätigkeit der Alleinerziehenden verringert und Unterhalt vom Ex-Partner eingefordert werden (AZ: XII ZR 3/09).

Um ein Kind um 17 Uhr vom Hort abzuholen, müsse die alleinerziehende Mutter selbst bei Wegezeiten von nicht mehr als einer halben Stunde auf ihre Mittagspause verzichten, hielt der Alleinerziehenden-Verband dem entgegen. Wenn die Mütter nach einem vollen Berufstag „mit dem Kind am Bein” noch einkaufen, kochen, waschen und putzen sollten, bliebe ihnen keine Zeit für ganz normale Zuwendung wie Gespräche und Spiele mit dem Kind, kritisiert Schwab. „Von der eigenen Erholung ganz zu schweigen.”

Im konkreten Fall ging es um eine geschiedene Mutter aus Schleswig-Holstein mit einem sechsjährigen Sohn. Der Junge besucht einen Schülerhort, der täglich bis 17 Uhr geöffnet ist, nur zweimal wöchentlich bis 15 Uhr. Der Fall wurde an das Oberlandesgericht Schleswig zurückverwiesen, das nun über die Erwerbspflicht der sorgeberechtigten Mutter neu entscheiden muss.

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