Köln: Ablehnung wegen Redeschwäche kann diskriminierend sein

Köln: Ablehnung wegen Redeschwäche kann diskriminierend sein

Wird ein Bewerber, der unter Stottern leidet, mit Hinweis auf seine „fehlende Kommunikationsstärke” abgelehnt, kann dies ein Indiz für Diskriminierung aufgrund einer Behinderung sein.

Das geht aus einem Urteil des Landesarbeitsgerichts Köln hervor (Aktenzeichen: 9 Ta 272/11), auf das der juristische Fachverlag Dr. Otto Schmidt hinweist.

In dem Fall sprachen die Richter dem abgelehnten Bewerber Prozesskostenhilfe für eine Entschädigungsklage wegen Diskriminierung zu. Der Kläger, der wegen seiner Sprechbehinderung anerkannt erwerbsgemindert war, hatte sich auf eine Stelle als Arbeitsvermittler beworben. Nach einem Bewerbungsgespräch lehnte die Beklagte seine Bewerbung ab, weil andere Bewerber sie mehr überzeugt hätten. Diese seien insbesondere besser über ihr Jobcenter informiert und kommunikationsstärker gewesen.

Daraufhin verlangte der Kläger von der Beklagten die Zahlung von 30.000 Euro Schmerzensgeld sowie eine Entschädigung in Höhe von drei Monatsgehältern. Der Arbeitgeber argumentierte demgegenüber, dass im Bewerbungsgespräch keine Sprechstörung des Klägers aufgefallen sei. Im Übrigen habe sich die „Kommunikationsstärke” auch nicht auf die Art des Sprechens, sondern nur auf die Gesprächsführung bezogen, so dass von einer Diskriminierung aufgrund der Behinderung keine Rede sein könne.

Während das Arbeitsgericht den Antrag auf Prozesskostenhilfe wegen mangelnder Erfolgsaussicht der Klage abwies, bewilligte das Landesarbeitsgericht den Antrag teilweise. Dass der Arbeitgeber den Bewerber wegen „fehlender Kommunikationsstärke” abgelehnt habe, lasse durchaus den Schluss zu, dass die Sprechstörung zumindest ein Grund für die Ablehnung der Bewerbung gewesen sei. Ein Anspruch auf Schmerzensgeld sei aber in jedem Fall ausgeschlossen, da der Arbeitgeber glaubhaft dargestellt habe, dass der Kläger unabhängig von seinem Sprachfehler nicht eingestellt worden wäre.

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