1. Leben
  2. Lifestyle

München: Vorhänge zum Fühlen: Stoffe für den Wohnraum aussuchen

München : Vorhänge zum Fühlen: Stoffe für den Wohnraum aussuchen

Stoffe sind viel mehr als bloße Dekoration, denn sie vermitteln ein heimeliges Gefühl. Dabei unterstreichen sie idealerweise den persönlichen Einrichtungsstil und lassen den Wohnraum gemütlich, großzügig, extravagant oder puristisch wirken. Damit alle Einrichtungskomponenten im Einklang sind, ist bei der Wahl der Stoffe für Vorhänge, Polster und Accessoires ein gutes Händchen gefragt. Trotz aller Regeln und Trends sollten die individuellen Wünsche und Bedürfnisse dabei im Vordergrund stehen.

Während Bewohner Fußböden und Möbel eher langfristig planen, können sie mit Stoffen einen Raum rasch neu gestalten. Nichts kann ein Wohnzimmer so einfach verändern wie neue Vorhänge an den Fenstern oder ausgefallene Kissen auf dem Sofa. „Im Handumdrehen schafft man so eine neue Wohlfühlatmosphäre”, sagt Elisabeth Berkau, Textilgestalterin und Weberin aus München.

Vorhänge können durch diverse Formen, Muster und Raffungen ganz unterschiedliche Wirkungen erzielen. „Es gibt rhythmische und legere Falten oder auch leichte Kräuselungen”, erklärt Berkau. So hat ein opulent gebauschtes Raffrollo mit einem Blumenmuster eine verspielte Wirkung. „Ein glatt gearbeitetes Raffrollo, beispielsweise mit Längsstreifen, kann dagegen sehr puristisch sein und beruhigend wirken.”

Auch ein glatter Flächenvorhang unterstreicht ein modernes Ambiente, strahlt jedoch eine gewisse Distanz und Kühle aus. Für kleine Fenster empfiehlt Elisabeth Berkau bodenlange Bahnen aus einem längs gestreiften Stoff, der optisch die Decke hebt und das Fenster vergrößere.

Den richtigen Stoff zu finden, ist nicht leicht, denn die Material- und Musterauswahl ist groß. Deshalb empfiehlt Berkau, die als Fotografin und Autorin tätig ist, sich bei einem Raumausstatter beraten zu lassen und durch die Musterbücher zu blättern. „Stoffe muss man fühlen”, betont sie. „Dann wird man von Optik und Haptik regelrecht verführt und verliebt sich beim Schauen automatisch in den richtigen Stoff.”

Für Vorhänge eignen sich alle Stoffe, die nicht zu schwer sind. „Neben der Auswahl an unverwüstlichen Mischgeweben und Polyesterstoffen ist Leinen besonders langlebig und knittert außerdem sehr edel”, erklärt Berkau. Das kann einen spannenden und sehr lebendigen Kontrast zu eher puristischen Einrichtungselementen ergeben.

„Leinen stellt für mich den perfekten Brückenschlag zwischen Natürlichkeit und Eleganz dar”, schwärmt Berkau. Leinenstoffe sind allerdings nicht für jedermann zu empfehlen. Wer die Vorhänge lieber ordentlich und perfekt am Fenster haben möchte, ist mit pflegeleichten Polyesterstoffen besser beraten.

Auch die Bedeutung von Kissen im Raum darf nicht unterschätzt werden. Mag man es sonst eher schlicht, kann man sich damit etwas mutiger ausprobieren. Für eine interessante Kombination auf einem schlichten Sofa sollten Bewohner Muster, Farben und Formen der Kissen mischen.

Hier rät die Innenarchitektin Jessica Stuckstätte aus Hamburg, auf die Haptik zu achten. „Ein glänzendes, glattes Kissen, etwa aus Satin, eignet sich eher als Zierkissen”, erklärt sie. „Weiche und warme Stoffe wie Samt, Filz oder Cord laden dagegen auch zum Kuscheln ein.” Kissen können saisonal ausgetauscht werden. „So hat man immer einen neuen Look, zum Beispiel mit frischen Farben im Frühling und warmen, weichen Kissen für Gemütlichkeit im Herbst”, sagt Stuckstätte.

Kissen könne man auch mit wenig Aufwand selbst nähen und das Zuhause somit aktiv gestalten. Das mache nicht nur Spaß, sondern schone auch den Geldbeutel. „Und es schafft einen viel besseren Bezug zur eigenen Einrichtung”, sagt die Innenarchitektin. Für Boden- oder Stuhlkissen empfiehlt Stuckstätte feste Stoffe wie Jeans oder übliche Polsterstoffe.

Auch für den Lieblingssessel oder das Sofa sollte der Stoff mit Bedacht gewählt werden. Vera Kerzel, Gestalterin im Handwerk aus Bremen rät, darauf zu achten, dass es sich um einen ausgewiesenen Polsterstoff handelt. „Die meisten Hersteller arbeiten mit einer sogenannten Martindale-Angabe”, erklärt sie. „Je höher die Zahl, desto strapazierfähiger der Stoff.” Gute Polsterstoffe überstehen mindestens 20 000 Scheuertouren. „Dabei hat die Stoffdicke nichts mit der Haltbarkeit zu tun, sondern mit der Webart und der eingesetzten Materialien”, sagt Kerzel.

Ob ein Möbelstück unifarben ist oder gemustert bezogen werden sollte, ist reine Geschmackssache. Aber Kerzel rät: „In der Regel sollte man ein großes Sofa eher zurückhaltend gestalten, da es sonst sehr dominant im Raum werden kann.” Ein Sessel in einem besonderen Stoff kann dagegen zu einem echten Lieblingsstück werden.

Die Gestalterin empfiehlt, eine Vorauswahl an Stoffen mit nach Hause zu nehmen und diese im Raum bei verschiedenen Lichtverhältnissen auf sich wirken zu lassen. Welcher Stoff am besten zu einem passt, entscheidet dann aber meist das Gefühl.

Einen Tipp hat die Innenarchitektin Jessica Stuckstätte: Wer umdekorieren will, sollte sich aus Zeitschriften Bilder ausschneiden und Stoffstücke besorgen. Das alles kommt auf eine große Pappe. „Ein Moodboard hilft bei der Abstimmung von Stoffen auf die vorhandene Einrichtung”, sagt Stuckstätte. „So erkennt man ganz schnell, welche Muster, Farben und Kombinationen zusammenpassen und dem persönlichen Anspruch und Bedürfnis entsprechen.”

(dpa)