München: So sehen die lokalen Trachten in Deutschland aus: Von Hamburg über Aachen bis München

München: So sehen die lokalen Trachten in Deutschland aus: Von Hamburg über Aachen bis München

Regionale Trachten besitzen in Deutschland eine lange Tradition. Bereits im 15. Jahrhundert zeichnete sich ihre Entwicklung ab, die bis heute anhält. Auch in der Region Aachen sind diese historischen Gewänder heute nach wie vor von Bedeutung.

Doch welche Unterschiede zeigen sich bei den Trachten in Deutschland und was zeichnet sie aus?

Norddeutsche Trachten im Blick

Auch in Hamburg sind Trachten ein fester Bestandteil der Kultur. Im Gegensatz zu vielen Gegenden Süddeutschland wurden sie allerdings nicht tauglich für den Alltag gemacht, sondern sollten von Beginn an nur zu besonderen Anlässen getragen werden. Eine der frühesten Traditionen, die aus dem Norden überliefert ist, liegt in der Hüttenberger Tracht.

Diese stattete Frauen mit langen Gewändern aus, die zu festlichen Anlässen getragen wurden. Häufig handelte es sich um das teuerste Kleidungsstück, das in einem Haushalt überhaupt vorhanden war. Der hohe Stellenwert der norddeutschen Trachten ist heute etwas zurückgegangen. Nur zu historischen kulturellen Festen wird sie heute noch von wenigen Menschen aufgetragen.

Auch in Aachen lässt sich die große Kultur der Tracht bis heute erahnen. Wichtige Einflüsse für die historische Bekleidung stammen bis heute von der Schwälmer Tracht. Diese war besonders im westlichen Teil Deutschlands prägend für die weitere Entwicklung. Lederhosen für Männer waren dagegen nicht Bestandteil der alten Aachener Tracht.

Stattdessen wurden die Hosen der Herren meist aus stabilem Stoff gefertigt, um eine möglichst lange Haltbarkeit der Tracht zu erreichen. Ziel war es in diesem Kontext, die Tracht ein ganzes Leben lang tragen zu können. Häufig belasteten in der Vergangenheit bereits größere Ausbesserungen am Kleidungsstück den Geldbeutel der Menschen so sehr, dass an die Anschaffung einer neuen Tracht kaum zu denken war, die nur zu Festzügen und ähnlichen Anlässen getragen wurde.

Die Trachten Süddeutschlands

In Süddeutschland wird die Trachtenlandschaft derweil sehr gerne auf Bayern zugespitzt. Natürlich sind Dirndl und Lederhose in heutigen Tagen absolut prägend, hatten jedoch in der Vergangenheit nicht i mmer eine so zentrale Rolle inne.

So dominiert beispielsweise in Baden der klassische Bollenhut, der als wohl klarstes Merkmal zur Identifizierung diente. Auf der anderen Seite gibt es die schwäbische Tracht, welche sich in manchen Punkten zentral von der bayrischen unterscheidet. Am auffälligsten sind dabei wohl die bisweilen bunt gemischten Farben, welche Hose, Jacke und Weste klar voneinander abgrenzen.

Bis heute hielten sich viele Trachten des süddeutschen Raums vor allem über die Kultur der Musikvereine am Leben. Dort treten die Musiker bis heute in besonderen Gewändern auf, die genau an das historische Vorbild der Tracht angelehnt wurden und so die wichtigen Anforderungen stets erfüllen.

Ein eindimensionales Bild

In unserem heutigen Bild von der historischen Tracht werden wir demnach sehr stark von der medialen Seite beeinflusst. Denn eine genauere Betrachtung zeigt, dass der Begriff der Tracht heute gerne allein auf die bayrischen Komponenten mit Lederhose und Dirndl bezogen wird. Zu geselligen Anlässen, wie dem Oktoberfest, hat diese Auswahl mit Sicherheit ihre Berechtigung.

Doch es wäre nicht zulässig, den Begriff der Tracht generell darauf auszuweiten und somit viele weitere Aspekte unter den Tisch zu kehren. Denn erst die ganzheitliche Betrachtung wird der langen Tradition gerecht, wie sie sich hinter der Tracht verbirgt.

(vo)
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