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Rechtsform bei Unternehmensgründung: Vor- und Nachteile einzelner Varianten

Vor- und Nachteile einzelner Rechtsform-Varianten : Selber ein Unternehmen gründen

Mit der richtigen Geschäftsidee ein Unternehmen gründen und durchstarten! Was im ersten Moment vielleicht ganz einfach aussieht, wird in der Praxis schnell kompliziert.

Wie sieht es mit der Anmeldung beim Finanzamt aus? Welche Versicherungen braucht das Start Up. Sehr viel essenzieller ist die Frage: Welche Unternehmensform soll es sein? Das deutsche Recht kennt in diesem Zusammenhang eine ganze Reihe Möglichkeiten. Einzelunternehmen sind einfach und unkompliziert. Die Gründung einer GmbH ist wesentlich aufwendiger. Zumal die Gesellschaftereinlage zu stemmen ist.

Aber: Anschließend lässt die GmbH durch ihre Haftungsbeschränkung ruhiger schlafen. Es kommt letztlich darauf an, sich intensiv mit den Vor- und Nachteilen der Unternehmensformen zu befassen - um anschließend die richtige Entscheidung zu treffen.

Einzelunternehmen und GbR

Zu den wichtigen Unternehmensformen für Gründer gehört immer noch das Einzelunternehmen. Hier bietet sich als entscheidender Vorteil die einfache Gründung. Es braucht - wie bei Kapitalgesellschaften üblich - kein Startkapital. Eigentlich kann ein Existenzgründer umgehend mit dem Einzelunternehmen loslegen. Ebenfalls recht überschaubar sind die Hürden zur Gründung bei der GbR. Dahinter verbirgt sich eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts.

Was macht beide Unternehmensformen aus? Gründer sehen mitunter nur deren Vorteile. Dass damit auch gewisse Nachteile verbunden sind, fällt erst später auf

Einzelunternehmen - Vor- und Nachteile

Ein Vorteil wurde bereits angesprochen: Die vergleichsweise einfache Gründung. Anders als im Fall einer GmbH braucht es keine Kapitaleinlagen der Gesellschafter oder ein Geschäftskonto.

Jeder Einzelunternehmer kann mit dem Guthaben des privaten Kontos in die Selbständigkeit starten. Ein zweiter Vorteil ist die einfache Buchführung. Besonders im Zusammenhang mit dem Kleingewerbe entfällt die Pflicht zur doppelten Buchführung und Bilanzierung. Damit haben es Gründer sehr viel einfach, die Bücher zu führen. Am Jahresende reicht die EÜR (Einkommens-Überschuss-Rechnung) nach dem Steuergesetz.

Eigentlich muss ein Einzelunternehmer sein Gewerbe nur bei der zuständigen Stelle anmelden und kann loslegen. Achtung: Einige Gewerbebetriebe unterliegen zusätzlichen Einschränkungen und sind mitunter erlaubnispflichtig. Hier ergeben sich einige Sonderregeln. Ein großer Pluspunkt: Einzelunternehmen bestimmen selbst, wo es langgeht. Keine anderen Gesellschafter mischen im Unternehmen mit und versuchen, dessen Kurs zu beeinflussen.

Bei den Nachteilen gibt es einige Aspekte zu bedenken. Diese umfassen unter anderem die finanzielle Situation des Unternehmens. Einzelunternehmer zu sein heißt:

  • Kapitalerhöhungen stemmen zu müssen
  • Entscheidungen der unliebsamen Art allein zu treffen
  • Privatvermögen voll haftbar zu machen.

Besonders die Haftungsfragen sind der entscheidende Nachteil, welches das Einzelunternehmen für Gründer hat. Hier droht im Fall nicht nur die Insolvenz des Unternehmens. Auch privat kann das Start Up seinen Gründer in schwierige Fahrwasser bringen.

GbR - Vor- und Nachteile

Die GbR ist dem Einzelunternehmen recht ähnlich. Ein Unterschied besteht darin, dass sich hier mehre Personen mit dem gleichen Ziel zusammenfinden. Aus diesem Grund braucht es für die GbR immer zwei Gründer. Der bürokratische Aufwand ist überschaubar. Hintergrund: Auch eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts kann ohne Stammkapital ins Leben gerufen werden. Zudem sind die Buchführungspflichten sehr viel entspannter geregelt. Die Buchhaltung kann sehr flexibel gestaltet werden - es fehlt an den stringenten Bilanzierungspflichten anderer Kapitalgesellschaften.

Bei den Nachteilen ist wieder die persönliche Haftung zu nennen. Hier ist die GbR dem Einzelunternehmen ähnlich. Was zu Problemen führen kann: Scheidet ein Gesellschafter ohne vereinbarte Fortsetzungsregel aus, erlischt die GbR. Zusätzlich muss sich jeder Beteiligte im Klaren darüber sein, dass an dieser Stelle nicht die günstige Körperschaftssteuer, sondern die Besteuerung nach dem Einkommenssteuergesetz greift.

Achtung: In Bezug auf die Buchhaltung ergeben sich nicht nur Regelungen nach dem Steuergesetz. Mitunter spielen auch Vorgaben aus dem Handelsgesetzbuch eine Rolle.

GmbH und Sonderformen

Eine der für viele Gründer wahrscheinlich besonders interessante Gesellschaftsform ist immer noch die GmbH. Diese existiert inzwischen in verschiedenen Formen und eignet sich aus einem Grund besonders. Gesellschafter haften nicht mit ihrem kompletten Vermögen. Zu Gründung der GmbH ist immer eine Kapitaleinlage der einzelnen Gesellschafter nötig. Deren Höhe ist vom Gesetzgeber festgelegt. Gleichzeitig ist diese Einlage auch einer jener Nachteile, aufgrund dessen Gründer ins Grübeln kommen.

GmbH - Vor- und Nachteile

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung trägt einen Teil ihres Charakters im Namen. Sollte das Unternehmen für einen Schaden haftbar gemacht werden, greift dieser allgemein nur auf die Anteile der Gesellschafter durch. Deren privates Vermögen bleibt regelmäßig geschützt. Diese Regel gilt bis auf wenige Ausnahmen. Ein weiterer Vorteil ist das Image der GmbH. Im Rechtsverkehr ist jedem Vertragspartner klar, wie es mit den Mitteln der GmbH aussieht.

Da Ansprüche in Höhe der Kapitaleinlage gedeckt sind, ist deren Position - im Vergleich mit Einzelunternehmen - mitunter deutlich besser. Was sich im weiteren Verlauf noch als positiv erweist:

Es gilt in der Besteuerung die Körperschaftssteuer. Diese fällt günstiger als eine Besteuerung nach dem Einkommenssteuergesetz aus. Insofern haben die Gesellschafter hier auch finanzielle Vorteile. Des Weiteren lässt sich eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung unkompliziert erweitern. Gesellschafter können aufgenommen werden oder das Unternehmen verlassen.

Vorteile der GmbH im Überblick:

  • Haftungsbeschränkung auf Einlage
  • Besteuerung günstiger
  • Veränderungen bei den Gesellschaftern einfach.

Natürlich hat eine GmbH auch gewisse Nachteil. Hierzu zählt beispielsweise ein komplexe Gründung. Es braucht:

  • Satzung
  • Gesellschaftervertrag
  • Eintrag ins Handelsregister
  • Nachweis zur Kapitaleinlage.

Hierdurch ist deren Gründung mit einem sehr viel größeren Aufwand verbunden. Ein zweiter Nachteil ist die Gesellschaftereinlage. Diese beläuft sich auf 25.000 Euro, welche jeder einzelne Gesellschafter aufzuwenden hat. Zusätzlich ist die Buchführung komplexer, was auch für die Jahresabschlüsse gilt.

Sonderformen der GmbH

Es existiert eine ganze Reihe Sonderformen der GmbH. Hierzu gehört die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) oder UG (haftungsbeschränkt). Dieser Zusatz bedeutet, dass eine Kapitalgesellschaft entsteht mit einem Stammkapital niedriger als 25.000 Euro. Theoretisch ist deren Gründung mit 1 Euro möglich. In der Praxis hat die haftungsbeschränkte UG das Problem der Bonität. Auf der anderen Seite wird durch die UG eine Gründung von Unternehmensgesellschaften deutlich erleichtert.

Die GmbH & Co. KG - Gesellschaft mit beschränkter Haftung & Compagnie Kommanditgesellschaft - ist eine weitere Sonderform. Zu deren Besonderheit gehört, dass eine GmbH als Komplementär auftritt und Kommanditisten meist der GmbH nahestehende Personen sind. Dass hier nicht die klassische GmbH gegründet wird, hängt mit Haftungsrisiken zusammen. Diese werden in der GmbH & Co. KG auf den Komplementär übertragen.

Die Kommanditgesellschaft

Diese Gesellschaftsform ist für Gründungen weniger stark verbreitet. Es handelt sich um eine Personengesellschaft, welche eine scharfe Trennung zwischen den Gesellschaftern vorsieht. Ein Gesellschafter haftet in diesem Zusammenhang unbeschränkt - er ist Komplementär. Diese Funktion kann eine natürliche Person innehaben. In der Praxis kommen aber auch juristische (wie bei der GmbH & Co. KG) Personen infrage. Kommanditisten - die verbliebenen Gesellschafter - haften jeweils nur bis zur Einlage. Gegründet wird die Kommanditgesellschaft meist im Handelsgewerbe zur Verteilung von Haftungsrisiken.

AG: Bei Gründungen eher selten

Eine weitere Unternehmensform für Gründungen ist die AG oder Aktiengesellschaft. Aufgrund der Rahmenbedingungen und des Aufwands, welcher hierfür zu stemmen ist, sind AGs als reine „Gründungsobjekte“ allerdings selten. Der überwiegende Teil aller Unternehmensgründungen - und hiervon waren es laut KfW 2020 allein 228.000 Gründungen im Vollerwerb - entfällt auf die genannten Gesellschaften.

Die richtige Unternehmensform ist entscheidend

Wer als Unternehmer endlich sein eigener Chef sein will, muss mit der Gründung den ersten Schritt wagen. Im deutschen Rechtsraum bieten sich unterschiedliche Unternehmensformen mit ihren ganz individuellen Vor- wie Nachteilen an. Einzelunternehmen sind schnell gegründet, die Haftung wird hier aber zu einem Problem. Auf der anderen Seite ist die GmbH bei der Haftung besser aufgestellt. Gründer brauchen hier aber einen deutlich längeren Atem. Letztlich trägt die richtige Unternehmensform dazu bei, ob aus dem Start Up ein tragfähiges Unternehmen werden kann.