Ordentlich glücklich: Warum Aufräumen gut für uns ist

Ordentlich glücklich : Warum Aufräumen gut für uns ist

Unordnung verursacht bei vielen puren Stress. Sie sehen das Chaos auf dem Schreibtisch, in der Küche oder im Badezimmer und fühlen sich schlecht. Ordnung dagegen macht glücklich - das sagen die Kollegen mit einem aufgeräumten Schreibtisch, putzfreudige Singles und auch Psychologen.

Doch woran liegt das eigentlich und was ist dran an den der heilsamen Wirkung entrümpelter und aufgeräumter Wohnungen, wie sie von der angesagten Aufräumexpertin Marie Kondo versprochen wird? Dieser Beitrag erklärt, warum aufräumen glücklich macht und gibt Tipps rund ums Aufräumen.

Hormone sorgen für das Wohlgefühl

Die Psychologie sagt: Wenn wir uns zum Ziel setzen eine Wohnung zu putzen oder aufzuräumen und das Ziel erreichen, reagiert der Körper darauf mit Glückshormonen. Glückshormone sind unsere Belohnung für die erfolgreiche Zielerreichung. Insofern stimmt es: Aufräumen macht glücklich, weil wir ein gestecktes Ziel erreichen und Endorphine uns positiv stimmen.

Voll im Trend: Aufräumen

Aufräumen liegt voll im Trend. Nicht zuletzt die eingangs erwähnte Marie Kondo, eine Influenzerin aus Japan, hat diesen Trend gesellschaftsfähig gemacht. Sie wird zu vielen Talkshows eingeladen und zum Thema interviewt. Es gibt sogar eine Serie auf Netflix über sie mit dem Titel „Aufräumen mit Marie Kondo“. Ihr Credo lautet "Wirf weg, was dich nicht glücklich macht!" Immer mehr Anhänger setzen sich mit der KonMarie-Methode auseinander, um ihre Schubladen und Schränke auszumisten und aufzuräumen. Die Ergebnisse aufgeräumter Kleiderschränke können sich wirklich sehen lassen, denn die Anhänger posten ihre Fotos zum Beispiel auf Instagramm.

Früh übt sich: Ordnung von Kindesbeinen an ist hilfreich für Kinder und Eltern. Foto: kathrinpie / pixabay.com (CC0 Creative Commons)

Beim Aufräumen muss es aber nicht immer nach der KonMarie-Methode gehen. Die klassische 3-Kisten-Methode (behalten - brauchbar - wegwerfen) ist ebenfalls beliebt und auch die 5-S-Methode ( Separieren - Sortieren - Säubern - Standards - Selbstdisziplin) findet ihre Fans. Alle drei Methoden im Vergleich liefert der Beitrag „Kleiderschrank ausmisten leicht gemacht - so einfach geht es.“ Welche die geeignete ist, ist vor allem auch eine Typfrage.

Entrümpeln und aufräumen liegt deshalb so stark im Trend, weil er zum angesagten Thema Nachhaltigkeit passt. Wer nachhaltig lebt, beschränkt sich auf die wesentlichen Dinge. Minimalismus ist das, was im Kern steckt. Wer weniger besitzt und weniger konsumiert, hat weniger in den Schränken. Und mit weniger Klamotten im Schrank räumte es sich gleich viel besser auf.

So hängen Glück und Ordnung zusammen

Um zu verstehen, wie Glück und Ordnung miteinander verbunden sind, ist es hilfreich, sich dem Thema vom anderen Ende her anzunähern. Unordnung wirkt sich auf den Gemütszustand aus und ist in seiner extremem Form krankhaft: Wird ein Mensch zum Messie, dann kann er sich von nichts trennen und die Wohnung vermüllt zusehends. Experten sehen Messietum als Begleiterscheinung anderer Erkrankungen, wie zum Beispiel einer Suchterkrankungen, an. Auch depressive Verstimmungen, Demenz und Psychosen können als Nebenwirkung die Unfähigkeit haben, keine Ordnung halten zu können. Das Durcheinander im Kleiderschrank oder in der eigenen Wohnung spiegelt das Innere wider.

Das Gegenteil von Unordnung, also Ordnung, ist ein Zeichen eines gesunden Geistes und einer glücklichen Psyche. Das eine bedingt das andere. Wer putzt und seine Umgebung in Ordnung hält, manifestiert in seiner Wohnung seinen inneren Gemütszustand.

Aufräumen hält gesund

Manche Menschen behaupten von sich, dass sie putzen und aufräumen buchstäblich brauchen, um ihren Stress abzubauen, glücklich und ausgeglichen zu sein. Es ist so etwas wie eine therapeutische Tätigkeit mit positiver Wirkung auf die Psyche. Die Bewegung sorgt dafür, dass der Körper Glückshormone produziert und ausschüttet. Hier ist der biologische Nachweis dafür, dass Glück und Ordnung eng zusammenhängen.

Ein weiterer positiver Nebeneffekt der Aufräum- und Putzaktionen ist, dass das Brustkrebsrisiko und das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung gesenkt werden. Das belegt eine Langzeitstudie der Indiana University an 998 afroamerikanischen US Bürgern zwischen 49 und 65 Jahren.

Abgesehen von den nachgewiesenen positiven Effekten durch wissenschaftliche Untersuchungen erleben es täglich hunderttausende von Arbeitnehmern am eigenen Leib: Arbeiten an einem aufgeräumten Arbeitsplatz ist produktiver, als sich in einem Durcheinander von Papieren und angefangenen Aufgaben, klingenden Telefonen und blinkenden Bildschirmen ablenken zu lassen. Fazit: Wer noch nicht die Motivation hat, den Kleiderschrank in Bestform zu bringen, der sollte mindestens den Arbeitsplatz organisieren.

Tipps zum erfolgreichen aufräumen

Wenn es darum geht, ein ganzes Haus aufzuräumen, verlässt viele der Mut. Sie fragen sich, wie sie das alles schaffen sollen. Dabei lässt sich die große Aufgabe in kleine Einzelschritte zerlegen. Dadurch wird das Ziel erreichbar und der Weg dorthin macht glücklich, denn er ist gepflastert von vielen kleinen Erfolgserlebnisse.

Tipp 1: Taktik der kleinen Schritte anwenden

Damit die Motivation nicht verfliegt, sollten sich Aufräumwillige nicht zu viel vornehmen. Im Kleinen anfangen und schnell erste Erfolge verbuchen ist eine gute Taktik. Direkt am ersten Tag den Keller zu entrümpeln führt erfahrungsgemäß zu Frust.

Tipp 2: Realistische Etappenziele planen

Jeden Sonntag einen Raum aufzuräumen oder täglich ein Fach im Kleiderschrank ordentlich zu organisieren ist ein hilfreicher Trick, der das große Ziel in überschaubare Schritte unterteilt. Welche Methode die bessere ist - täglich oder wöchentlich ein Pensum zu erreichen - hängt von den persönlichen Präferenzen und Zielen ab. Sinnvoll ist es, sich Termine im Kalender einzutragen und nach getaner Arbeit einen Haken dran zu setzen. Das sorgt für ein gutes Gefühl.

Tipp 3: Sich trennen können

Für viele stellt beim Aufräumen eine der größten Herausforderungen die Frage dar, ob ein Stück wirklich weggeworfen werden soll oder nicht. Macht es mich glücklich? Diese Frage sollte eindeutig beantwortet werden. Wer stattdessen mit Selbstzweifeln kämpft und sich fragt, ob dieses oder jenes Kleidungsstück vielleicht bei einem Anlass in ferner Zukunft noch einmal getragen werden könnte, sollte es sich ganz genau anschauen und sich eine ehrliche Antwort auf die Frage geben. Falls die Bluse, die Hose, die Schuhe oder der Mantel keine Freude mehr machen, gehören sie in die Altkleidersammlung oder ins Sozialkaufhaus. Dort freut sich bestimmt jemand darüber.

Eine andere Möglichkeit zu entscheiden, ob ein Gegenstand oder ein Kleidungsstück weggeschmissen werden sollte oder nicht ist, sich zu fragen, wie lange er nicht mehr benutzt wurde. Die Zeitspanne dabei ist individuell festzulegen. Wenn zum Beispiel ein Kleid seit 2 Jahren nicht mehr getragen wurde oder Küchenutensilien bereits jahrelang in der Schublade lagern, kann beides wahrscheinlich weggeschmissen oder abgegeben werden.

Tipp 4: Routine einführen

Jeden Montag Plastikmüll entsorgen, jeden Dienstag Zeitungen in die Papiertonne bringen und jeden Samstag Wäsche waschen - wer organisiert lebt, dem gehen Aufräumarbeiten im Alltag automatisch von der Hand. Auch Regeln wie: Jeden Morgen Betten machen und jeden Abend Kleidung wegräumen helfen, ganz leicht und quasi nebenbei Ordnung zu halten.

Tipp 5: Unterstützung einfordern

Für eine alleinstehende Person mit eigenem Haushalt ist Ordnung halten einfacher als für eine junge Familie mit zwei oder drei Kindern. Wenn hier nur die Mutter oder der Vater Ordnung halten, entwickelt sich schnell Frust. Damit Aufräumen langfristig funktioniert und alle Beteiligten davon profitieren, sollte jeder im Haushalt mitmachen. Dabei können auch die Kleinsten bereits helfen. Wichtig ist, dass jeder eingebunden wird und Aufgaben erledigt, die den eigenen Fähigkeiten entsprechen. Aufräumen darf keine Strafe, sondern muss alltäglicher Bestandteil im Tagesablauf sein. Altersgerechte Aufräumarbeiten können zum Beispiel so aussehen:

  • Kindergartenkinder: Nach dem Spielen und vor dem Abendessen alle Spielsachen vom Boden aufheben und in die Spielkiste legen.
  • Grundschulkinder: Jeden Tag nach den Hausaufgaben den Schreibtisch aufräumen und Bücher und gemeinsam mit einem Elternteil die Schultasche für den kommenden Schultag vorbereiten. Abends Spielsachen wegräumen und schmutzige Kleidung in den Wäschekorb bringen. Kleidung für den nächsten Tag bereits herauslegen.
  • Ältere Kinder: Neben dem Aufräumen im eigenen Zimmer kommen jetzt auch Arbeiten im Haushalt dazu. Ab der fünften Klasse können Kinder beim Abspülen helfen, die Spülmaschine einräumen und ausräumen, den Tisch decken, Staubsaugen und Müll rausbringen.
  • Teenager: Mit zunehmenden Alter wächst die Verantwortung für ein funktionierendes Zusammenleben im gemeinsamen Haushalt. Das gilt auch für Teenagern. Sie unterstützen im Haushalt beim Putzen und Kochen, übernehmen kleinere Einkäufe oder auch Aufgaben der Gartenpflege. Zu den typischen Aufräumarbeiten für Teenager gehören zum Beispiel Badezimmer und Toilette putzen, regelmäßig Handtücher austauschen, Wäsche waschen, bügeln, Küche aufräumen, Müll rausbringen und für den Abtransport gemäß Abfallkalender sorgen, Rasenmähen, Blumen gießen.

Wenn jedes Familienmitglied seinen Aufgabenbereich hat und für die Erfüllung verantwortlich ist, ist die Wohnung durchweg ordentlich. Natürlich darf auch einmal das eine oder andere liegen bleiben, doch sollte Unordnung die Ausnahme und nicht die Regel sein. Auf diese Weise lernen Kinder bereits früh, dass aufräumen eine Routine ist und führen später ihren eigenen Haushalt wesentlich leichter.

Das Glück liebt Ordnung

Studien und persönliche Erfahrungen im Alltag belegen, dass Ordnung für ein gutes Gefühl sorgt. Wer als Kind schon früh beginnt, aufräumen als normalen Bestandteil des Alltags zu sehen, tut nicht nur etwas für den Familienfrieden, sondern sorgt langfristig für ein glücklicheres Leben mit weniger Chaos in Schränken und Schubladen. Noch mehr Glück verspricht die Lektüre des Buches "Ekelhaft gut gelaunt" von Randall Birnberg, der zu den anerkannten Glücksforschern gehört.

(vo)
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