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Koblenz/Mainz: Moderne Schatzsuche führt in Wäldern zu Konflikten

Koblenz/Mainz : Moderne Schatzsuche führt in Wäldern zu Konflikten

Das „field of fame” der deutschen Geocacher-Szene liegt im Rhein-Mosel-Dreieck. Auf rund 20 Quadratkilometern ist dieses „Feld des Ruhms” eine Art riesiger Abenteuerspielplatz für moderne Schatzsucher. Etwa alle 100 bis 200 Meter sei eine Dose versteckt, die dann an manchen Tagen von Hunderten Geocachern mit ihren GPS-Geräten angesteuert werden.

Das berichtet Raimund Ball vom Forstamt Koblenz. Die Waldparkplätze seien voll mit Autos, teils aus Spanien, Großbritannien und Frankreich. „Das ist wirklich viel. Das schafft ein Bündel von Problemen.”

Vielleicht unter dem Stein, hinter einem Reisighaufen oder im Baumstumpf? Schatzsucher werden beim Geocaching per Satellit zwar bis kurz vor das Versteck geleitet - auf den letzten Metern sind doch Sinne und Köpfchen gefragt. In den Dosen sind ein Logbuch zum Eintragen und meistens kleine „Schätze” wie Münzen oder Figuren, die auch von Versteck zu Versteck („Caches”) wandern. Die Zahl der Geocacher ist in den vergangenen Jahren sprunghaft gestiegen.

Allein in Rheinland-Pfalz sind nach Angaben des Umweltministeriums mindestens 14 800 Caches im Internet registriert, viele davon im Wald. „Die Zahl der Cacher ist in den letzten 18 Monaten immens gestiegen”, sagt Eric Winter vom Geocaching-Donnersberg-Webportal. Noch 2007 sei die GPS-gesteuerte Schatzsuche das Hobby einer eingeschworenen Gruppe gewesen. Inzwischen zögen immer mehr Leute los, ob mit Smartphone oder GPS-Gerät.

Das führt nicht nur im „field of fame” zu Problemen: Unter anderem im Lennebergwald in Mainz und am pfälzischen Donnersberg gab es schon Konflikte zwischen Förstern und Schatzsuchern. „Wir finden Geocaching im Prinzip gut”, betont der Sprecher von Landesforsten Rheinland-Pfalz, Ralf Laux, in Mainz.

Viele junge Menschen würden aus der virtuellen Welt nach draußen gezogen, bekämen einen konkreten Bezug zur Landschaft. Probleme mit Förstern und Naturschützern tauchten immer dann auf, wenn es übertrieben und die Natur gestört wird, sagt Laux. Zu den sensiblen Orten zählen etwa Höhlen und alte Bunkeranlagen, wo oft Fledermäuse oder gar Wildkatzen leben.

Er kenne Fälle, bei denen wegen Klettercaches die seltenen Wanderfalken beim Brüten gestört worden seien, erzählt Laux. „Dann werden die Eier kalt und das ist nicht mehr zu akzeptieren.” Nach seiner Erfahrung sind viele Geocacher offen für Absprachen und Kompromisse. „Bei anderen überlagert dagegen der Reiz am Hobby die guten Vorsätze.”

Im „field of fame” beispielsweise drohten mehrere Bäume abzusterben, da sie rund 300 Mal im Jahr beklettert würden, sagt Förster Ball. Nicht nur junge Leute und Familien seien im Wald unterwegs, auch Rentner gingen regelmäßig auf Abenteuersuche.

Auf der Jagd nach vielen Verstecken in kurzer Zeit führen einige Geocacher mit ihren Autos auf Waldwegen, scheuchten beim Querfeldeinlaufen Wild auf oder zerträten Gelege und junge Bäume. „Wir wollen es nicht verbieten, aber es muss in geregelte Bahnen gelenkt werden”, sagt Ball. Nach Gesprächen mit Geocachern seien auf dem „field of fame” die Verstecke bereits um ein Drittel reduziert worden.

„Wir werden uns mit dem Thema insgesamt und in nächster Zeit intensiver beschäftigen müssen”, betont auch Laux. Im Umweltministerium entwickele derzeit eine Gruppe von Naturschutz- und Forstexperten Vorschläge für naturverträgliches Geocaching, das anschließend mit der Cacher-Szene besprochen werden soll. Für Laux ist Kommunikation der einzig erfolgversprechende Weg. „Wir müssen uns überlegen, wie wir stärker aufklären.” Wenn neue Dosen versteckt werden, müsse beim Eigentümer des Grundstücks nachgefragt werden. Diese Regel werde meist nicht ernst genommen.

Erst vor kurzem hat Eric Winter alias „eric07” auf dem Donnersberg den Multicache „Durch die Wälder Ithiliens” eingerichtet - in Absprache mit dem Revierförster. Geocacher können auf den Spuren des Fantasy-Autors Tolkien in die Rolle eines Waldläufers schlüpfen. Die fünf Stationen der Schnitzeljagd hat der 19-Jährige so platziert, dass keine Konflikte mit Jägern oder Naturschützern drohen.

(dpa)