1. Leben
  2. Lifestyle

Kosmetik kaufen mithilfe von Apps: Wie hilfreich sind Codecheck & Co.?

Kosmetik kaufen : Wie hilfreich sind Apps?

Die Kosmetikindustrie hat in den letzten Jahren einen großen Wandel erfahren. Nicht nur Allergiker nehmen die Inhaltsstoffe ernster, viele Kunden interessieren sich auch für Hautpflege und Make-up, die frei von schädlichen Stoffen sind.

Um sich zu informieren, greifen immer mehr Menschen zu Apps wie Codecheck, Toxfox und Cosmile. Aber was können diese Programme und wie verlässlich sind sie?

Wie funktioniert Codecheck?

Beim Kauf von Kosmetik und Pflegeprodukten lassen sich immer mehr Kunden auch von Apps beraten: Codecheck ist wohl die bekannteste Kosmetik-App, die es ermöglicht, Inhaltsstoffe in Kosmetikprodukten zu prüfen. Die App ist sowohl für Android- als auch für iOS-Geräte verfügbar und listet über 200.000 Produkte auf. Neben deutschen Kosmetikmarken aus der Drogerie und der Apotheke findet sich auch eine große Auswahl an Produkten von internationalen Herstellern. Um ein Kosmetikprodukt zu überprüfen, gibt man den Namen des Produkts oder ein oder scannt direkt den Barcode. Die App zeigt anschließen an, ob das Produkt bedenkliche Inhaltsstoffe enthält und gibt Tipps, wie man diese vermeiden kann. Neben den Inhaltsstoffen werden auch Angaben zur Hautverträglichkeit gemacht und es gibt eine Bewertung der Produkte. Das Programm kennt über zweitausend Inhaltsstoffe und kann auf Wunsch nach Kosmetika mit bestimmten Inhaltsstoffen filtern.

Längst ist Codecheck nicht mehr die einzige App, mit der auf diese Weise Produkte noch vor dem Kauf auf ihre Inhaltsstoffe und Verträglichkeit geprüft werden: Die App Cosmile setzt ihren Fokus vor allem auf das Verbeugen von allergischen Reaktionen und prüft mithilfe von individuellen User-Angaben, ob ein Produkt eine Allergie hervorrufen kann. Mit Yuka, Barcoo oder LAMPL lassen sich nicht nur Kosmetika, sondern auch Lebensmittel einscannen. Wichtige Kaufkriterien wie Kundenbewertung, Klima-Score und Gütesiegel sind mithilfe dieser Apps sofort verfügbar.

Apps wie Codecheck, Toxfox oder Cosmile sind eine Antwort auf den Clean Beauty Trend, der seit einigen Jahren in der Kosmetik- und Modeindustrie angekommen ist. Einfach gesagt, geht es bei Clean Beauty vor allem darum, Produkte zu verwenden, die frei von schädlichen Inhaltsstoffen aller Art sind. Dazu gehören unter anderem Petrochemikalien, Silikone oder Mikroplastik. Die Kosmetikindustrie hat mit dem Trend aufgeholt und bietet nun eine immer größere Auswahl an Produkten, die ohne bedenkliche Inhaltsstoffe auskommt: Sie enthalten weder Parabene noch künstliche Farb- oder Duftstoffe und sind meistens sowohl tierversuchsfrei als auch vegan.

Trotzdem gibt es immer wieder Kosmetika, die belastet sind. In der Regel erkennt man bedenkliche Inhaltsstoffe an einem roten Punkt auf dem Codecheck-Logo. Welche Inhaltsstoffe das genau sind, kann man aber auch in der Kosmetik-App nachlesen.

Sind Codecheck & Co. wirklich verlässlich?

Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass Informationen über Hautpflege und Inhaltsstoffe - egal, ob aus dem Internet oder aus Apps - niemals zu 100 % verlässlich sind. Wer sehr empfindliche Haut bzw. Allergien hat oder zu Unreinheiten (z. B. Akne) neigt, sollte sich also nicht alleine auf die Alltagshelfer auf dem Smartphone verlassen, sondern sich bei der Produktauswahl am besten direkt von Dermatologen beraten lassen. Mithilfe von modernen Anbietern aus der Telemedizin funktioniert das mittlerweile auch ganz einfach online.

Auf den ersten Blick ist es einfacher, Kosmetika mithilfe von Codecheck, Toxfox oder Cosmile zu testen, als sich durch ganze Inhaltsstofflisten zu wühlen. Trotzdem gibt es einige Haken bei diesen Apps, die man kennen sollte: So funktioniert Codecheck zum Beispiel nicht immer korrekt. Bei einem Kosmetikprodukt, bei dem der Barcode nicht lesbar ist, kann Codecheck auch keine Angaben zu den Inhaltsstoffen machen. Außerdem gibt es immer wieder Produkte mit bedenklichen Inhaltsstoffen, die nicht in der App gelistet sind.

Auch das Urteil, das die App über bestimmte Inhaltsstoffe fällt, kann trügen: So werden ätherische und essenzielle Öle positiv bewertet, obwohl sie bei Allergikern und Neurodermitispatienten starke Reizungen auslösen können. Palmöl wird in der App als gefährlich und umweltschädlich eingestuft, selbst wenn es aus nachhaltigem Anbau stammt - in solchen Fällen kann die Technologie die verschiedenen Abstufungen noch nicht einschätzen.

Zusätzlich werden nicht alle Kosmetika - insbesondere in unbekannteren Apps - gelistet. Vor allem Produkte von kleineren Herstellern finden sich nicht in der Datenbank. Obendrein gibt es keine Garantie, dass die App immer aktuell ist, da sie von Kosmetikherstellern nicht immer zeitnah mit den neuesten Inhaltsstoffen versorgt wird.

Alternative: Wie helfen INCI-Listen bei der Einschätzung?

Kosmetik-Apps sind eine tolle Ergänzung, um bedenkliche Inhaltsstoffe in Kosmetika zu erkennen. Sie sollten aber nicht die alleinige Quelle für Informationen über Hautpflege und Kosmetik sein. Wer sich intensiver mit den Inhaltsstoffen von Kosmetika beschäftigen will, sollte auch die INCI-Listen (Inci: International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) lesen und verstehen.

Diese Listen werden von der Kosmetikindustrie veröffentlicht und enthalten alle Inhaltsstoffe, die in Kosmetika verwendet werden. Sie sind allerdings sehr lang und unübersichtlich. Deshalb gibt es im Internet verschiedene Seiten, auf denen die Bedeutung der einzelnen Inhaltsstoffe ganz genau erklärt wird.

Auf diese Weise bekommt man einen guten Überblick über alle Kosmetika, die bedenkliche Inhaltsstoffe enthalten - und kann die Produkte gezielt meiden. Apps wie Codecheck, Toxfox und Cosmile können nach erfolgreicher Recherche zur Unterstützung hinzugezogen werden.

Die Angaben in Kosmetik-Apps sollten immer mit Vorsicht genossen werden. Sie können helfen, bessere Kosmetika zu finden und schädliche Inhaltsstoffe zu vermeiden, aber man sollte nie das gesamte Urteil über ein Kosmetikprodukt an die Apps abgeben.

(vo)