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Kopftücher, Hüte und Mützen - gestern und heute

Kleine Geschichte der Kopfbedeckungen in Europa : Kopftücher, Hüte und Mützen - gestern und heute

Menschen tragen seit Jahrtausenden Kopfbedeckungen, insbesondere als Schutz vor Witterungseinflüssen. Kopftücher, Hüte oder Mützen können das, zeigen aber oft auch, dass der Träger einen Sinn für Mode hat.

So ist bei vielen Uniformen, man denke an Polizisten, Schaffner oder Piloten, eine Kopfbedeckung elementarer Teil der Bekleidung.

Kleine Geschichte der Kopfbedeckungen in Europa

Kopfbedeckungen aus pflanzlichen Fasern sind eng verbunden mit den alten ländlichen Traditionen Europas. Zur Zeit der Antike wurden in Rom Filzmützen, zum Teil mit einer Krempe versehen, getragen. Sie wurden vor allem von Plebejern und ehemalige Sklaven verwendet. Männer der Oberschicht trugen lediglich bei schlechtem Wetter, auf Reisen oder auf der Jagd eine Kopfbedeckung. Erst Kaiser Augustus prägte im hohen Alter - auch mit Rücksicht auf seine angeschlagene Gesundheit - eine neue Mode, indem er das Haus nie ohne Kopfbedeckung verließ.

Zu Beginn des Mittelalters waren sowohl bei Frauen als auch bei Männern insbesondere in den Städten Kopfbedeckungen aus Stoff üblich, die als lose Kapuzen getragen wurden.

Als die Kultur dann etwas stärker von der katholischen Kirche geprägt war, die Bescheidenheit und vollständige Bedeckung des Körpers vorgab, war es typisch, die Woll- oder Stoffmützen mit einer Schnur enger am Kopf zu halten. Frauen aller Klassen trugen Schleier, die die Haare verbargen, so dass nur das Gesicht zu sehen war.

Erst im 15. Jahrhundert wurde die Kopfbedeckung der Frauen aufwendiger, wie etwa beim in Flandern und Frankreich üblichen, mittels Schleier drapierten Kirchturmkopfschmuck. Wohlhabende Damen wetteiferten, wessen Kopftracht am schönsten war. Diese opulenten Kopfbedeckungen erschwerten alle Aktivitäten, die aber von den Damen in solchen Kreisen in jener Zeit auch nicht erwartet wurden. In dieser Zeit kamen auch Damenhüte in Mode.

Stilprägend für die Mode des 17. und 18. Jahrhunderts waren zwei Arten von Männerhüten. Zum einen gab es den Zweispitz oder Dreispitz, der auf zwei oder drei Seiten hochgeschlagen war, zum anderen waren runde, hochgekrönte Hüte zu sehen. Zudem wurden regionale Varianten wie etwa der Bowler, benannt nach einem Hutmacher aus London, populär. Frauen trugen in dieser Zeit meist haubenartige Kopfbedeckungen.

Im 20. Jahrhundert waren in den Vereinigten Staaten und in Westeuropa Mützen aus verschiedenen Materialien, aber auch weiche Filzhüte, sehr beliebt. Fußball-Bundestrainer Helmut Schön war als Mützenträger bekannt und Udo Jürgens trällerte zu seinem Abschied im Jahre 1978 "Der Mann mit der Mütze geht nach Haus ?". Erst Ende des letzten Jahrtausends verloren Kopfbedeckungen in der westlichen Kultur zu Lasten der Frisuren an Bedeutung. Heute sind sie Ausdruck eines individuellen Kleidungsstils und als Schutz vor Witterungseinflüssen sind sie nach wie vor unersetzlich.

Kopfbedeckungen sind immer noch ein wichtiger Teil unserer Kultur. Oft fällt es uns schwer, die modisch-religiös motivierten Kopfbedeckungen aus anderen Kulturkreisen als Bereicherung zu empfinden. Die Diskussion um das Kopftuchverbot in Bezug auf Migrantinnen zeigt, dass wir oft Aspekte unserer eigenen Kultur unbewusst ausblenden, denn auch hierzulande war es lange Zeit üblich, dass Frauen ihre Haare bedeckten.