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Düsseldorf: Golfspielen zwischen Uhu und Libellen

Düsseldorf : Golfspielen zwischen Uhu und Libellen

Rechts drehen die Golfer ihre Runden, links wohnt der Steinkauz. Auf dem fast 100 Hektar großen Gelände des Golf Club Hubbelrath am Rande von Düsseldorf ist Platz für gegensätzliche Welten. Um das saftige, penibel kurz geschnittene Grün herum beginnt die kontrollierte Wildnis.

Eine Wildnis mit ausgedehnten, üppigen Hecken, Teichen, Obstwiesen, Waldinseln, alleeartigen Baumreihen und vielen Tieren. In Hubbelrath, wo auch Golfstar Martin Kaymer regelmäßig trainiert, hat einer der bekanntesten deutschen Golfclubs seinen Platz gezielt auch zum Rückzugsort für Flora und Fauna gestaltet. Und zwar seit Jahrzehnten. Ursprünglich einmal Ackerland, wurde die Fläche nach und nach in eine Oase für heimische Tiere und Pflanzen verwandelt. Unterirdische Wasserrohre wurden in offene Gewässer verwandelt, Zehntausende Bäume und Sträucher wurden neu gepflanzt, für Schmetterlinge eine ausgedehnte Blumenwiese angelegt.

„Das ist der artenreichste Fleck von Düsseldorf!”, sagt anerkennend Josef Tumbrinck, der Vorsitzende des Naturschutzbundes Nabu in Nordrhein-Westfalen. Er lobt das Engagement des Clubs für den Naturschutz. Damit habe man „eine wahnsinnige Artenvielfalt auf den Platz bekommen”. 18 Pflanzenarten von der Roten Liste sind darunter.

Der Nabu-Chef von NRW hat seinen Frieden mit den Golfclubs gemacht. Die Zeiten seien vorbei, in denen es ständig Streit gab zwischen Naturschützern und den Anhängern des noblen Outdoor-Sports. Zumal es kaum noch Neubauten gebe, sagt Tumbrinck. Angesichts des dramatischen Artenrückganges auf landwirtschaftlich genutzten Flächen, würden Golfplätze als Rückzugsort für seltene Tiere ökologisch immer wertvoller. Der Pestizideinsatz sei verboten, nur kleinere Flächen würden intensiv gepflegt, sagt der Nabu-Chef. „Das wiegt das, was drumherum ist, hundertfach auf.”

Auch das Bundesamt für Naturschutz in Bonn kooperiert seit einigen Jahren mit dem Deutschen Golf-Verband. Generell wird auf immer mehr Golfplätzen auch auf den Naturschutz geachtet. Von den bundesweit 724 Anlagen sind derzeit 130 vom Golf-Verband zertifiziert, weitere 30 im Verfahren.

„Das ist außergewöhnlich, dass wir in Hubbelrath diese Arbeit ernst nehmen”, sagt der Naturschutz-Verantwortliche des Clubs, Gerd W. Thörner. Das ausgeklügelte, immer wieder verfeinerte und ergänzte Konzept lockt immer wieder Besuchergruppen an. Neulich etwa waren für Grünflächen zuständige Bundeswehr-Mitarbeiter vor Ort.

Die knapp 2000 Mitglieder des Clubs nutzen etwa die Hälfte der Fläche. Auf dem Rest sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht, hüpfen Frösche und streifen Rehe durch die Waldstücke. „Die wissen, die Golfer gehen drumrum”, sagt Nabu-Fachmann Tobias Krause, der den Club in Naturschutzfragen berät.

Mehr als 300 Nistkästen sind auf dem Gelände verteilt, unter anderem für Turmfalke, Schleiereule, Steinkauz, Eisvogel und Fledermaus. Der Golfplatz auch ist Erhaltungsstelle für alte und bedrohte heimische Obstsorten. Wenn Rheinische Schafsnase oder Eifler Rambur reif sind, können die Golfer bei ihren Runden die Äpfel mit Hilfe bereitstehender Geräte pflücken. Auch Apfelsaft und Honig gibt es vom Platz.

Berühmt ist Hubbelrath für das 7. Loch auf dem Ostplatz. Über zwei Teiche hinweg, auf eine Distanz von 180 Metern, muss der erste Schlag sitzen. „Das verlangt schon einen ganzen Kerl”, meint Golfer Thörner. Doch auch in der Tierwelt ist der Platz am Wasser beliebt. Hier residieren Eisvogel, Kammmolch, Dachse und Fledermäuse. Ein Nistplatz für den Storch ist aufgestellt. Aber bislang fliegt Adebar nur ein, um Frösche zu fangen.

(dpa)