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Melbourne: Gefährliche Körperkunst: Luna Cobra erfand das Augapfel-Tattoo

Melbourne : Gefährliche Körperkunst: Luna Cobra erfand das Augapfel-Tattoo

Das türkise Piercing über Kylie Lee Garths Oberlippe betont ihre Augen. Die Augäpfel der rothaarigen Neuseeländerin haben die Farbe von grünblauem Meeresschaum. Rund zwei Jahre ist es her, dass sie das Weiß ihrer Augen tätowieren ließ. Beim Gedanken an den Eingriff sei ihr schon mulmig gewesen, erzählt die 30-Jährige, die selbst in einem Piercing- und Tattoostudio arbeitet. Doch das hielt sie nicht ab. „Es gefiel mir, wie es aussieht, und ich wollte diese Veränderung”, sagt Garth, die seit drei Jahren in Australien lebt.

Für den riskanten Eingriff begab sie sich eigens in die Hände von US-Tattoo-Künstler Luna Cobra, des Erfinders der Methode. Inspiriert vom Science-Fiction Film „Dune - Der Wüstenplanet” machte er 2007 seine erste Augapfel-Tätowierung. Seitdem hat er nach eigenen Angaben Hunderte Menschen weltweit tätowiert. Die Prozedur klingt simpel, aber auch schmerzhaft und gefährlich: Mit einer Nadel werde Tinte in die Sklera, die Haut, die das Weiß des Auges umgibt, gespritzt, sagte Cobra der Deutschen Presse-Agentur. Der Eingriff dauere nur wenige Minuten.

Nie habe es bei einem seiner Kunden Komplikationen gegeben, sagt der Tattoo-Künstler, der inzwischen in Melbourne ein Studio hat. Doch Ärzte und Experten warnen vor Augapfel-Tattoos. Der Eingriff gefährde das Sehvermögen, sagt der australische Augenarzt Luke Arundel und bezeichnet ihn als „extrem gefährlich”. Wer das Weiß seiner Augen tätowieren lasse, riskiere schwere Infektionen, eine Netzhautablösung, chronische Kopfschmerzen sowie Geschwüre und extreme Lichtempfindlichkeit.

„Außerdem, gibt es keine Garantie, dass nicht im späteren Leben noch Komplikationen auftreten können”, sagt Arundel. Dieser Ansicht waren auch australischen Behörden und verschärften unter anderem die entsprechenden Hygienevorschriften. „Cobra mag bisher eine gute Bilanz gehabt haben, aber am Ende des Tages sind die Augen das empfindlichste Organ unseres Körpers”, warnt Arundel.

Cobra betont, missglückte Eingriffe durch unerfahrene Tattoo-Künstler stimmten ihn betrübt. „Ich fühle mich auf gewisse Art verantwortlich. Es war meine Erfindung.” Dabei habe er die Tätowierung des Augapfels als Kunst geschaffen, damit Menschen sich ausdrücken und mit ihrem Körper wohl fühlen könnten.

Bei Kylie Lee Garth hat es geklappt. Sie fühlte sich bei Cobra wohl aufgehoben. „Der Eingriff war gut”, sagt sie. „Ich habe die kalte Nadel gespürt. Zunächst war es etwas kratzig, und die Tinte machte am ersten Tag Flecken”, erzählt Garth. Als sie am nächsten Tag aufwachte, seien ihre Augen türkis gewesen. „Es war der aufregendste Tag meines Lebens.”

(dpa)