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Dirndl: Welche Anlässe sich anbieten und wo Tracht ein No-Go ist

Dirndl tragen : Welche Anlässe sich anbieten und wo die Tracht ein No-Go ist

Zugegeben, in diesem ganz besonderen Jahr, in dem große Veranstaltungen kaum möglich sind, ist es deutlich schwieriger, einen Anlass zu finden, um ein Dirndl auszuführen. Doch die gute Nachricht lautet: Es gibt sie trotzdem.

Die speziellen Tage und Anlässe, an denen die mehr oder weniger traditionelle Tracht ausgeführt werden kann. Und vielleicht ist das sogar ein Stück weit historisch bedingt.

Von der Arbeitskluft zur Bekleidung der Oberschicht

Das Dirndl war in seiner ursprünglichsten Form keineswegs prunkvoll und ausgehtauglich, sondern eher eine praktische Arbeitskluft für Landfrauen von anno dazumal. Das war vor der Mitte des 19. Jahrhundert. Erst zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Dirndl zum Gewand der ländlichen Oberschicht. Besonders beliebt war das Gewand wegen seiner Wandlungsfähigkeit. Das Material des Dirndls bestimmte über die Saison, die Wahl der Schürze sorgte vor allem für optische Vielfalt.

Bis heute sind es genau diese Gründe, die ein Dirndl vielseitig einsetzbar machen - auch in einem Jahr, in dem es kaum bis keine Festlichkeiten geben wird, zu denen das Dirndl eigentlich getragen worden wäre.

Zu diesen Anlässen ist ein Dirndl dennoch ein passendes Outfit

Bunte Dirndl aus leichten Stoffen sind die beste Wahl für den Gang in den Biergarten. Foto: pixabay.com/Gela
  • Oster- und Sommerbend, die traditionell dazu geeignet waren, um das Dirndl auszuführen, gibt es heuer nicht. Zu groß wäre das Risiko, das Infektionsgeschehen mit dem Coronavirus wieder unkontrolliert ansteigen zu lassen. Um nicht zu riskieren, dass Betreiber der Fahrgeschäfte und Buden weiter in den wirtschaftlichen Ruin rutschen, ist eine Art Freizeitpark auf dem Bendplatz geplant. Auch Familien-Volksfeste in den Bezirken im Ort sind angedacht. Wer das Volksfest-Gefühl im Dirndl genießen möchte, kann eben dort die längst kultig gewordene Kluft tragen. Doch wann eigentlich noch?
  • Im Biergarten geht es so traditionell zu, dass ein Dirndl in puncto Outfit immer eine gute Wahl ist. Bezüglich Material und Ausstattung des Dirndls gilt hier: Sommerliche, leichte Stoffe und wenig Glitzer und Glamour sind für den Besuch im Biergarten gut geeignet. Die Rocklänge sollte Kurz bis Midi sein. Bei der Farbwahl ist hier alles erlaubt. Es darf gerne bunt sein. Im Restaurant ist ein Dirndl eine gute Wahl, wenn es dort etwas schicker zugeht und, wenn im besten Fall der Partner oder gar die Kinder auch Tracht tragen. Dann entsteht durch Dirndl, Lederhose, Karohemd und Co. nicht nur ein ansprechender Auftritt, sondern auch ein gemeinsamer Auftritt. In puncto Ausstattung gilt: Je edler und feiner das Restaurant ist, desto schicker darf auch das Dirndl sein. Zu bunte Farben sind für den Biergarten reserviert; Beige- und Pastelltöne verleihen einem Dirndl einen edlen Touch. Getragen wird das Dirndl im Restaurant in den Längen Midi und Lang.
  • Als Freizeit- und Businessoutfit ist das Dirndl überall dort erlaubt, wo es keine Besonderheit mehr ist. Der ungeschriebene Dirndl-Äquator ist der Main. Südlich des Mains ist das Dirndl zur Einschulung, zum Schulabschluss, zum Jubiläum, zur Firmenfeier, zum Geburtstag oder zur Hochzeit längst Normalität geworden. Nördlich des Mains ist das Dirndl ein modisches Statement, das passen muss - und beispielsweise von jenen in den Norden getragen wurde, die ursprünglich aus dem Dirndl-Süden Deutschlands stammen. Zur Firmenfeier unter dem Motto "Oktoberfest" ist ein Dirndl Pflicht; zum Schulabschluss in Hamburg ein Dirndl zu tragen, heißt in jedem Fall aufzufallen.
  • Immer häufiger stellen auch Privatpersonen Feiern unter ein spezielles Motto. Lautet das Motto Oktoberfest oder aber auch Kostümparty, ist das Dirndl in beiden Fällen die beste Wahl, denn es kann als traditionelle Oktoberfest-Kluft und als Kostüm angesehen werden - je nach Himmelsrichtung und Betrachtungsweise. Auch auf Hochzeiten hat sich das Dirndl mittlerweile einen festen Rang unter den Dresscodes erkämpft. Auch hier zeigt sich: Wenn das Brautpaar und alle Gäste Dirndl tragen, gibt das ein sehenswertes Gesamtbild ab.

Feste Regeln gibt es kaum, außer...

... beispielsweise der Tatsache, dass zu wahrlich traditionellen Anlässen, wie etwa Kirchweih, Weihnachtsmesse oder aber auch Jägerball und Volksfest, auch spezielle Dirndl getragen werden. Wie der genaue Dresscode aussieht, ist abhängig von Land und Veranstaltung. Hier gibt es vor allem in Bayern und Baden-Württemberg spezielle Outfits zu ganz bestimmten Gegebenheiten. Doch auch in Österreich und in der Schweiz hat jede Frau sicherlich mehr als nur ein Dirndl im Schrank, schließlich gibt es für die Messe, den Sonntag sowie regionale Feiertage ganz spezielle Dirndl. Im Erzbistum München beispielsweise tragen verheiratete Frauen traditionell Tracht in gedeckten Farben, Mädchen sind farbenfroher gekleidet.

Ein No-Go ist ein Dirndl hingegen zu allem, was als "Ball" ausgeschrieben ist. Das heißt: Zum Opernball ein Dirndl zu tragen, passt nicht. Bei einem Presseball wäre die Region ausschlaggebend. Damit wäre ein edles Dirndl zum Presseball eines süddeutschen Verlagshauses durchaus denkbar.

Zur Oscar-Verleihung im Dirndl zu kommen, wäre vielleicht dann möglich, wenn das Outfit auch thematisch etwas mit der Nominierung zu tun hat, etwa wenn ein bayerisches Filmteam sich Hoffnung auf den Oscar macht - für einen regionalen Streifen in dem das Dirndl in der Garderobe ohnehin Pflicht ist.

Da diese Anlässe allerdings ohnehin auch zu den Ausnahmeveranstaltungen gehören, die von einem Otto-Normalverbraucher besucht werden, ist es viel hilfreicher sich auf die Anlässe zu stürzen, zu denen modernde Dirndl heute in jedem Fall getragen werden dürfen.

(vo)