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Bad Honnef: Die Bücherlaus darf aber nicht einziehen: Eine Bibliothek einrichten

Bad Honnef : Die Bücherlaus darf aber nicht einziehen: Eine Bibliothek einrichten

Auch in Zeiten von E-Book und Co. kommt die heimische Bibliothek nicht aus der Mode. „Eine Bücherwand ist nicht nur nützlich, sondern auch dekorativ”, sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie in Bad Honnef. „Sie vermittelt eine ganz besondere Atmosphäre in der Wohnung.” Die Möbelexpertin prophezeit dem Buch noch eine lange Zukunft: „Hochwertige Kunstbücher, Kochbücher und Ähnliches will kaum jemand nur auf dem Display durchblättern.”

Viele junge Leute fangen mit einem einfachen Bücherregal aus dem Baumarkt oder von einer Möbelkette an. Nicht selten werden diese flexiblen Möbel zu Begleitern durch das ganze Leben. „Für anspruchsvollere Kunden hält die Möbelindustrie aber auch andere Regalsysteme verschiedener Qualitäten und Preisklassen bereit”, sagt Geismann. Wer besonders viele Bücher hat, kann heute zum Beispiel Systeme kaufen, die doppelt bestückt werden können.

„In der hinteren Reihe stehen etwas erhöht zum Beispiel die Taschenbücher und in der vorderen Reihe die Romane”, erklärt die Möbelexpertin. „Dann sieht man von den Taschenbüchern immer noch den oberen Bereich.” Geismann empfiehlt, sich vor dem Kauf über die verschiedenen Holzarten und -stärken beraten zu lassen. Denn: „Bücher sind schwer.”

Wer ein Haus oder eine Eigentumswohnung kauft, ist gut beraten, von vornherein eine Bibliothek oder einen Leseplatz einzuplanen. Dann können die Regale maßgerecht angepasst werden. „Am besten, man fotografiert den Bereich, in dem die Bibliothek eingerichtet werden soll und misst ihn genau aus”, rät Geismann. „Dann können die Fachleute im Möbelhandel die Regale so konzipieren, dass sie auch in eine Nische unter der Treppe oder unter eine Dachschräge passen.” Diese Dienstleistung nehmen immer mehr Kunden in Anspruch. „Sie müssen dabei auch nicht länger warten als auf die Möbel von der Stange.”

Damit die Suche nach einem guten Buch im Regal nicht zur Tortur für die Augen wird, muss die Bibliothek gut beleuchtet werden. „Leuchten sollten stets über dem Regal oder direkt am oberen Regelboden installiert sein und breitstrahlendes Licht abgeben”, sagt Monika Schäfer-Feil von Licht.de, der Fördergemeinschaft Gutes Licht in Frankfurt am Main.

Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten - zum Beispiel Schienensysteme. Sie sind flexibel, vor allem, wenn nur ein Deckenauslass zur Verfügung steht. Und sie lassen sich mit beliebig vielen Spots ausrüsten. Oder Möbelanbauleuchten: Sie sind in manche Regalsysteme schon integriert, lassen sich aber auch nachrüsten. Einfache Klemmleuchten für den oberen Regalrand erfüllen aber auch ihren Zweck. Allerdings könnten ihre Kabel zum Problem werden, wenn nicht genügend Steckdosen in der Nähe sind.

„Gute Effekte erzielt man auch mit Deckenleuchten, die als Wandfluter fungieren”, sagt Monika Schäfer-Feil. „Der Abstand der Deckenleuchte zum Regal sollte so gewählt werden, dass das Bücherregal komplett von oben bis unten ausgeleuchtet wird und davor stehende Personen keine störenden Schatten werfen.” Bei einer üblichen Raumhöhe von 2,5 bis 3 Metern sollte deshalb ein Mindestabstand von 50 bis 80 Zentimetern von der Decke zum Regal eingehalten werden.

Zum Lesen auf dem Sessel ist vor allem das richtige Licht wichtig: Der Leseplatz sollte ausgewogen und angenehm beleuchtet sein, weder zu hell, noch zu dunkel. „Um starke Kontraste zu vermeiden, die das Auge schnell ermüden, muss nicht nur der Leseplatz selbst, sondern auch die Umgebung beleuchtet sein”, erläutert Schäfer-Feil.

Dafür sind zum Beispiel Deckenfluter mit integriertem und verstellbarem Schwenkarm gut geeignet. Die obere Leuchte gibt in diesem Fall sanftes Licht in die Umgebung ab, das von Decken und Licht reflektiert wird. Der flexibel einstellbare untere Leuchtenkopf sorgt für akzentuiertes Leselicht. Wenn die Leuchten außerdem dimmbar sind, lässt sich die Helligkeit schnell und einfach anpassen.

Wichtig ist, dass das Licht eine warme, wohlige Atmosphäre erzeugt und damit die Lust am Lesen fördert. Das können inzwischen auch Energiesparlampen und LEDs. „Bei den Leuchtmitteln sollte man auf eine gute Farbwiedergabe von mindestens Ra 80 bis 90 sowie auf warmweißes Licht achten”, sagt die Lichtexpertin. Warmweiß strahlt ein Leuchtmittel mit 2700 bis 3000 Kelvin.

„Dann hat man angenehmes Licht und spart bei einer einzigen LED bei einer Betriebsdauer von 10 000 Stunden und einem durchschnittlichen Strompreis von 25 Cent pro Kilowattstunde gegenüber einer 60-Watt-Glühbirne 125 Euro”, rechnet Schäfer-Feil vor.

Um Schäden an den Büchern durch Ungeziefer zu vermeiden, muss die Bibliothek warm und trocken sein. Im Winter sollte der Raum durchgehend beheizt werden. Sonst können Schimmelbeläge an den Büchern entstehen, in denen sich die sogenannten Bücherläuse wohlfühlen.

Das sind kleine, flügellose Insekten mit einer Körperlänge von etwa 0,6 bis 1,8 Millimetern. Diese Bücherläuse, auch Papierläuse genannt, sind ungefährlich für den Menschen, denn sie stechen nicht. Aber sie deuten auf ein Problem im Haus hin: „Die Ursache für den Befall mit Bücherläusen ist immer eine zu hohe Luftfeuchtigkeit in den Räumen”, sagt Torsten Peukert, Bundesvorsitzender des Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verbandes in Essen.

Deshalb sollte man seine Bibliothek auch nie im Schlafzimmer unterbringen - selbst wenn das vielleicht praktisch wäre, weil viele gern abends im Bett noch lesen. „Aber im Schlafzimmer entsteht über Nacht so viel Luftfeuchte, dass es den Büchern schadet”, erläutert Peukert. Auch der Keller ist kein geeigneter Ort für Bücher. Denn dort ist es meistens ebenfalls feucht und kühl.

Sind die Schädlinge erst einmal im Haus, ist es schwer, sie wieder herauszubekommen. Das schafft ein Laie nicht - da muss eine Fachfirma ran. „Man muss der Ursache für den Schimmel auf den Grund gehen”, erklärt Peukert. Nur wenn der Herd für den Schädlingsbefall erkannt ist, lässt er sich wirksam beseitigen. Im Falle der Bücherläuse hilft oft nur eine recht aufwendige Entfeuchtung der Räume. „Man muss die Luftfeuchtigkeit unter 50 Prozent bekommen, dann sterben sie ab.”

(dpa)