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Brauchen wir eine Weltzeit?

Berlin : Brauchen wir eine Weltzeit?

In der globalisierten Welt sind die Unterschiede zwischen den Zeitzonen mitunter hinderlich. Sie führen bei Reisen nicht selten zu Verwirrung und erschweren die Kommunikation mit Menschen auf der anderen Seite der Erdkugel.

Die Idee, eine universelle Weltzeit einzuführen, existiert schon länger. Die Umsetzung würde jedoch zahlreiche Probleme mit sich bringen.

Zeitmessung ist Willkür

Kaum etwas gibt dem Leben so viel Struktur und Orientierung wie die Messung der Zeit, denn auf sie ist immer Verlass. Ein Jahr hat 12 Monate, eine Woche 7 Tage und der Tag 24 Stunden. Der Alltag wird bestimmt durch feste Arbeits-, Schlaf- und Wachzeiten. Wir teilen unsere Lebenszeit gerne in zeitliche Abschnitte ein. Doch obwohl die Zeit allgemein als feste und konstante Größe wahrgenommen wird, ist sie in der Realität weder das eine noch das andere.

Tatsächlich ist die Messung der Zeit willkürlich. Wenn wir über Zeit sprechen, meinen wir meist die von Menschen definierten Einheiten wie Minuten, Stunden, Tage und Wochen, die dazu da sind, Ordnung in den Alltag und das Miteinander zu bringen. Es war Julius Cäsar, der 46 v.Chr. beschloss, dass ein Jahr 365,25 Tage haben sollte. Papst Gregor XIII. definierte schließlich mit der Einführung des Gregorianischen Kalenders das Jahr so, wie wir es kennen.

Heute sind Kalender unverzichtbare Alltagsbegleiter - ob als Büchlein in der Tasche, als Block auf dem Schreibtisch oder als großformatige Jahresübersicht an der Wand in Küche oder Büro -, in die man alle wichtigen Termine und Projekte der nächsten 12 Monate einträgt. Ohne Kalender dürfte es uns sehr schwerfallen, unsere Zeit zu strukturieren und Treffen mit unseren Freunden, Verwandten und Kollegen zu planen.

Künstliche Zeitzonen sind Hindernisse

Solange wir uns nur mit Menschen verabreden, die in derselben Zeitzone leben wie wir, klappt es mithilfe eines Kalenders und einer zuverlässigen Uhr meist recht gut mit den gemeinsamen Terminen. Doch sobald Familie, Freunde, Kollegen oder Geschäftspartner sich in einer anderen Zeitzone aufhalten, wird es schwierig.

Denn was die Tageszeit angeht, kocht jedes Land sein eigenes Süppchen - sogar innerhalb von Ländergrenzen kommt es vor, dass Regionen unterschiedliche Zeitzonen haben. Statt einer logischen Aufteilung der Erde in 24 Zeitzonen mit jeweils einer Stunde Verschiebung gibt es insgesamt 39 Zeitzonen.

Zwischen einigen von ihnen liegen lediglich 15 oder 30 Minuten Unterschied. Australien hat in der Winterzeit drei Zeitzonen, im Sommer fünf. In den meisten europäischen Ländern werden die Uhren halbjährlich im Wechsel eine Stunde vor- und wieder zurückgestellt - natürlich nicht überall zur selben Zeit, was die Angelegenheit noch komplizierter macht.

Dass viele mit dem Uhrzeiten-Chaos nicht zufrieden sind, zeigt sich in Europa vor allem an der immer wieder aufkommenden Forderung, die Sommerzeit abzuschaffen. EU-Bürger konnten von Anfang Juli bis Mitte August dieses Jahres an einer Online-Umfrage teilnehmen und ihre Meinung zum Thema Zeitumstellung äußern. Zwar wird die Auswertung der Ergebnisse noch einige Zeit dauern, allerdings wird damit gerechnet, dass die Mehrheit für die Abschaffung der Sommerzeit plädiert.

Neuseeland, 00:00 Uhr, Mittagszeit

Die Abschaffung der Zeitumstellung im Sommer und Winter könnte ein erster Schritt sein, um das weltweite Zeiten-Wirrwarr zu vereinfachen.

Einige möchten sogar noch weitergehen und schlagen eine allgemeingültige Weltzeit für alle vor. Theoretisch existiert diese bereits, denn seit 1972 gibt es die "Coordinated Universal Time" - kurz: UTC. Sie wird auf Basis von rund 250 Atomuhren ermittelt und ist bereits die allgemeingültige Zeit im internationalen Handel, in der Forschung, im Internet, im Weltraum sowie im weltweiten Flugverkehr.

Hätten alle Menschen auf diesem Planeten die UTC als "Erdzeit", müssten sich die Deutschen nur minimal umgewöhnen, denn wir liegen gerade einmal ein bzw. zwei Stunden vor der Weltzeit. An anderen Orten auf der Welt sähe dies allerdings ganz anders aus. Auf der gegenüberliegenden Seite der Erdkugel, in Neuseeland, wäre dann zur Mittagszeit, um 12 Uhr, tiefste Nacht.

Die Menschen in Neuseeland müssten zwar ihren Tagesablauf de facto nicht ändern, nur wäre es notwendig, sich an neue Uhrzeiten zu gewöhnen. Dort wäre dann von "Mitternacht" bis 12 Uhr heller Tag und zwischen 12 Uhr und 24 Uhr Dunkelheit. Auch der Datumswechsel würde mit der weltweiten Einführung der UTC als Standard vielerorts mitten am Tag stattfinden - ein zugegebenermaßen befremdlicher Gedanke.

Dass sich die Weltgemeinschaft in absehbarer Zeit auf eine solch radikale Veränderung einlässt, ist trotz mancher Vorteile, die eine einheitliche Weltzeit in der globalisierten Welt mit sich bringen würde, unwahrscheinlich.

(rd)