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Bayreuth: Zigarettenindustrie bleibt gelassen

Bayreuth : Zigarettenindustrie bleibt gelassen

Während Raucher in vielen Bundesländern dem 1. Januar wegen geseztlicher Rauchverbote mit Bangen oder gar Wut entgegenblicken, bleibt die Zigarettenindustrie gelassen.

Der Leiter des weltweit größten Werks von British American Tobacco (BAT) im oberfränkischen Bayreuth, Marc Van Herreweghe, geht davon aus, dass mit dem absoluten Rauchverbot in Kneipen „der Verkauf am Anfang um zirka fünf Prozent heruntergeht”. Danach werde er aber „wieder zurückkommen und sich auf ein Minus von zwei bis drei Prozent einpendeln”, sagt Herreweghe.

Auf die Arbeitsplätze der derzeit 1320 Mitarbeiter des Bayreuther Werks habe das keinen direkten Einfluss, weil für 44 verschiedene Länder in ganz Europa produziert werde. „Für uns am Standort Bayreuth sieht die Zukunft gut aus”, betont Herreweghe.

Das Jahr 2007 sei für das Bayreuther Werk ein „riesiger Erfolg” gewesen. Mit knapp 43 Milliarden produzierten Zigaretten habe man die höchste Zahl in der 50-jährigen Geschichte des Standorts erreicht. 200 zusätzliche Mitarbeiter wurden eingestellt. Bis 2010 will der Operations Director British American Tobacco Germany, so Herreweghes offizieller Titel, die Zigarettenproduktion in Oberfranken jährlich um zwei bis drei Prozent steigern. „Das ist momentan unsere Prognose.”

Zudem habe man im zu Ende gehenden Jahr 40 Millionen Euro in den Standort Bayreuth investiert. Für 2008 plant BAT eine weitere Investition in Höhe von 30 Millionen Euro. Auch der Vorsitzende des Betriebsrats von British American Tobacco Germany, Paul Walberer, bleibt trotz der bundesweiten Anti-Raucher-Kampagnen gelassen. „Der eine oder andere Rückgang könnte natürlich kommen. Ich denke, so blauäugig darf man nicht sein”, sagt Walberer. Aber insgesamt glaube er, „sind wir trotz alledem mit unserer Flexibilität hier am Standort so gut aufgestellt, dass wir notfalls reagieren können und zwar dahingehend, dass wir nicht irgendwo Leute freistellen müssen”.

Nur 30 Prozent der derzeitigen Produktion in Bayreuth ist für Deutschland vorgesehen. Und wenn hier die Nachfrage nachlasse, werde eben mehr exportiert. Insgesamt geht Walberer davon aus, „dass sich das ganze Rauchverhalten in Deutschland verändern wird”. So rechnet der Betriebsrat mit einem verstärkten Saison-Geschäft im Sommer. Was sich letztendlich in den kälteren Jahreszeiten umsetzen lasse oder wie sich das Geschäft im Winter entwickeln werde, dazu könne er noch nichts sagen. „Es wird sich meiner Meinung nach aber schon verschieben. Das heißt aber auch für uns als Arbeitnehmer, sich darauf einzustellen, vor allem die Produktion noch flexibler auszurichten.”

Dennoch seien die BAT-Mitarbeiter verärgert über die scharfen Eingriffe vonseiten der Politik, betont der Betriebsrat. Der Trend gehe dahin, „dass dem Raucher eigentlich immer mehr erschwert wird, frei zu entscheiden, wo ich letztendlich eine Zigarette genussvoll rauchen kann”. Während in den Produktionshallen von BAT das Rauchen schon immer verboten war, gilt in den Aufenthaltsräumen und Büros auch ab Januar die bisherige Regelung: Es darf geraucht werden. Vorausgesetzt, dass alle dafür sind. Denn sollte nur ein Mitarbeiter dies nicht wünschen, werde Rücksicht genommen.