World Brain Day 2019 - Menschen mit Migräne gehen zu selten zum Arzt

World Brain Day 2019 : Menschen mit Migräne gehen zu selten zum Arzt

Am 22. Juli war der World Brain Day, der sich in diesem Jahr dem Thema Migräne widmete. Eine der Erkenntnisse des Aktionstages: Menschen mit Migräne suchen zu selten einen Arzt auf, sondern versuchen, die Kopfschmerzen mit frei erhältlichen Medikamenten selbst zu behandeln.

Der World Brain Day (WBD) ist eine Initiative der World Federation of Neurology (WFN). Er soll wichtige Behandlungsthemen rund um neurologische Erkrankungen in das Zentrum der Aufmerksamkeit rücken, häufige Wissenslücken schließen und Missverständnisse ausräumen. Für die Neurologen war es in diesem Jahr wichtig zu verdeutlichen, dass Migräne die häufigste Hirnerkrankung der Welt ist und einen von sieben Menschen weltweit betrifft. Sie ist eine schwere, behindernde Krankheit, die jeden Aspekt des Lebens beeinträchtigen kann. Gleichzeitig wird Migräne häufig nicht erkannt, nicht diagnostiziert und nicht behandelt. Wichtig sei daher eine Verbesserung der ärztlichen Versorgung und eine Erhöhung der Forschungsmittel.

Zu viele Menschen setzen bei Kopfschmerzen auf eine Behandlung mit frei erhältlichen Medikamenten und versäumen es, rechtzeitig einen Arzt zu konsultieren - und das kann Folgen haben. Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), sagt: "Viele Patientinnen und Patienten haben sich seit Jahren selbst therapiert und stellen sich mit Kopfschmerzen vor, die aus einem Kopfschmerzmedikamentenübergebrauch resultieren." Problematisch kann auch sein, wenn mehrere Medikamente aufgrund unterschiedlicher Beschwerden eingenommen werden (Polypharmazie).

Volksleiden Migräne

Rund acht Millionen Menschen in Deutschland leiden an Migräne, also rund zehn Prozent der Bevölkerung. Leichte bis mittelschwere Fälle werden akut mit Schmerzmitteln (Analgetika) oder nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) behandelt. Bei mittelschwerer bis schwerer Migräne kommen auch sogenannte Triptane zum Einsatz. Menschen mit schwerer Migräne wird empfohlen, prophylaktisch, also vorbeugend, Migränemedikamente einzunehmen. Die verwendeten Wirkstoffgruppen sind allerdings nicht migränespezifisch, wurden also nicht speziell zur Behandlung von Migräne entwickelt. Beispiele sind Antidepressiva, Betarezeptorenblocker, Antikonvulsiva und Kalziumantagonisten. Welche Medikamente der Arzt verordnet, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, zum Beispiel dem Vorliegen zusätzlicher Erkrankungen oder zu erwartender Nebenwirkungen. Seit Ende 2018 steht mit dem Wirkstoff Erenumab der erste Antikörper zur Migräneprophylaxe zur Verfügung, der laut Studien die Migränetage reduzieren kann. Mit Erenumab wurden weltweit bereits 168.000 Patienten behandelt, davon mehr als 4.000 in Deutschland.

Wichtig ist es darüber hinaus, eine medikamentöse Prophylaxetherapie immer durch nichtmedikamentöse Maßnahmen zu unterstützen, so Prof. Dr. Hans-Christoph Diener: „Wir raten den Patienten zu regelmäßigem Ausdauersport und dem Erlernen von Entspannungstechniken - und Stressbewältigungsstrategien. Alles hat nachweislich positive Effekte auf die Häufigkeit und Stärke von Kopfschmerzattacken."

(vo)
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