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Frankfurt/Main: Wirbelsäulen-Experten: Bei Verschleiß nicht immer Operation nötig

Frankfurt/Main : Wirbelsäulen-Experten: Bei Verschleiß nicht immer Operation nötig

Ältere Menschen mit Verschleiß-Erscheinungen an der Wirbelsäule werden manchmal zu schnell operiert: „Zuerst sollten alle Möglichkeiten einer konservativen Therapie ausgeschöpft werden.”

Das sagten Experten am Donnerstag zu Beginn der 8. Jahrestagung der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft in Frankfurt, die am Samstag endet.

„Erst wenn länger als sechs Wochen Medikamente, Physiotherapie und andere Maßnahmen keinen Erfolg zeigen, sollte ein Operation in Betracht gezogen werden”, sagte Daniel Rosenthal, Präsident der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft. Die Zahl der Wirbelsäulen-OPs hat sich laut Bundesgesundheitsministerium und Krankenhaus-Report der AOK zwischen 2005 und 2011 mehr als verdoppelt.

Ein Grund seien falsche finanzielle Anreize bei der Vergütung, aber auch statistische Verzerrungen bei der Zahl der Operationen. Ein „Wirbelsäulenregister” soll Klarheit bringen. Es gebe auch Fälle, wo zweifellos schnell operiert werden müsse, zum Beispiel wenn der Patient unter Lähmungen leidet.

Weil die Menschen immer älter werden, nimmt die Zahl der Wirbelbrüche zu. Prof. Christoph Josten aus Leipzig sprach von einer „Tsunamiwelle”. Betroffen seien vor allem ältere Menschen, bei denen die Knochendichte abnimmt. „Das Risiko, an einer Wirbelfraktur zu sterben ist genauso groß wie bei Brustkrebs”, sagte Josten. Auch Tumore in der Wirbelsäule - meist als Folge einer anderen Krebserkrankung - nehmen zu.

Neben Operation und konservativer Behandlung haben sich, wie auf dem Kongress berichtet wurde, zahlreiche neue, schonende Verfahren etabliert. Zum Beispiel können Wirbel mit Zement aufgefüllt werden. Auch schwere Wirbelsäulenverkrümmungen könnten heute korrigiert werden. Kritisch sieht die Fachgesellschaft mit 1300 Mitgliedern, dass man keine Standards erfüllen muss, um sich Wirbelsäulenzentrum zu nennen.

(dpa)