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Wie funktioniert das Gesundheitswesen in der Schweiz?

Mischmodell : Wie funktioniert das Gesundheitswesen in der Schweiz?

In der Schweiz ist das Gesundheitssystem teilweise staatlich und teilweise privatwirtschaftlich. Die Krankenversicherungen sind privat, doch der Markt ist stark durch den Staat reglementiert. Leistungserbringer, also beispielsweise Ärzte oder Spitäler, sind teils staatlich und teils privat.

Dabei steigen die Gesundheitskosten rasant. Eigentlich obliegt die Gesundheitsversorgung den Kantonen. Doch bei einigen Aspekten gibt es Gesetze auf nationaler Ebene. Dadurch ist das Gesundheitswesen in der Schweiz unübersichtlich organisiert und sehr zersplittert. Das macht es zu einem der teuersten Gesundheitssysteme der Welt.

Die Versorgung ist gut, ebenso die Qualität. In der Schweiz gibt es ein dichtes Netz aus Spitälern und Ärzten. Die Patienten müssen nicht, wie in anderen europäischen Staaten mit staatlichem Gesundheitsdienst, monatelang warten, um einen Termin zu bekommen.

Patienten werden zur Kasse gebeten

In der Schweiz gibt es die OKP, die obligatorische Krankenpflegeversicherung. Jeder Bürger zahlt seine monatliche Prämie an die Krankenversicherung seiner Wahl. Die Höhe der Prämien variiert je nach Krankenkasse und Kanton. Bürger, die wirtschaftlich nicht so gut gestellt sind, bekommen in ihrem Wohnortkanton eine verbilligte Prämie. Die Krankenkassen sind verpflichtet, jeden Bürger in die Grundversicherung aufzunehmen, auch wenn er alt ist oder Vorerkrankungen vorliegen.

Zusätzlich können die Schweizer private Zusatzversicherungen abschließen, bei denen Vertragsfreiheit besteht. Der Wettbewerb zwischen den Krankenversicherungen ist hoch, was dazu führt, dass es erhebliche Prämienunterschiede gibt. Wer die Prämien neutral und unabhängig vergleichen möchte, nutzt dazu am besten das Internet.

Stationäre Aufenthalte sollen so kurz wie nur möglich dauern. Foto: drshohmelian / Pixabay (CC0 Public Domain)

Patienten zahlen Franchise und Selbstbehalt

Zu den monatlichen Prämienzahlungen an die Krankenversicherung zahlen die Patienten mindestens 300 Franken pro Jahr an Franchise. Das ist ein Teil der Kostenbeteiligung für ärztlich erbrachte Leistungen und Medikamente. Ein höherer Franchise ist möglich bis maximal 2500 Franken.

Wer sich für einen höheren Franchise entscheidet, zahlt monatlich weniger Prämie. Bei Leistungsbezug ist dieser Franchise nur einmal pro Kalenderjahr zu entrichten. Erhöhung oder Senkung der Franchise ist immer zu Beginn eines Kalenderjahres möglich. Wer den Franchise erhöhen möchte, muss dies seiner Krankenversicherung bis zum 31. Dezember schriftlich mitteilen. Für einen niedrigeren Franchise muss die Mitteilung bereits am 30. November vorliegen.

Wer keine Zahnzusatzversicherung hat, muss bei den Zahnarztbehandlungen hohe Rechnungen zahlen. Foto: parentingupstream / Pixabay (CC0 Public Domain)

Zusätzlich dazu tragen Versicherte einen Selbstbehalt von zehn Prozent, bei verschiedenen Medikamenten sind es sogar 20 Prozent. Die Zuzahlungen haben eine Limitierung von 700 Franken pro Jahr. Patienten, die stationär aufgenommen werden müssen, zahlen zudem täglich 15 Franken.

Der Staat finanziert mit

Obwohl die Kosten für die Versicherten hoch sind, reicht das Geld nicht aus, um die Spitäler zu finanzieren. Hier zahlt der Staat mit. Die Kantone tragen 55 Prozent der Kosten im stationären Bereich, während die Krankenkassen nur 45 Prozent bezahlen. Im ambulanten Bereich tragen die Kassen die Kosten zu 100 Prozent. Das hat zur Folge, dass die Kantone kurze Spitalaufenthalte anstreben. Patienten werden sehr früh entlassen. Diese Vorgehensweise „ambulant vor stationär“ ist sehr umstritten. Kritiker reden gar von „blutigen Entlassungen“.

Es gibt Spitallisten bei den Kantonen, dort sind die Spitäler der Grundversicherung aufgeführt. Sie erhalten öffentliche Beiträge und haben dafür einen Leistungsauftrag. Sie sind verpflichtet, die medizinische Versorgung aller Bürger sicherzustellen. Damit es nicht in allen Spitälern die gesamte Palette medizinischer Leistungen geben muss, setzen die Kantone Behandlungsschwerpunkte. Dadurch soll eine bedarfsgerechte Spitalversorgung gewährleistet werden, was am Ende auch Kosten sparen helfen soll.

Überwachung der Ärzte

In der Grundversicherung zahlen die Krankenversicherungen nur für wirtschaftliche und nachweislich wirksame Leistungen. Dazu gibt es rechtliche Bestimmungen und Listen. Kommt es zum Streitfall, müssen die Gerichte klären, ob bestimmte Behandlungen oder Medikamente von der Versicherung übernommen werden muss.

Auch die Preise, die die Ärzte und andere medizinische Leistungserbringer abrechnen dürfen, sind eindeutig festgelegt. Es gibt staatlich genehmigte Tarifverträge zwischen Leistungserbringern und Kassen, Gesetze, die die Tarife festlegen und auch Behörden können über die Preise bestimmen. Die Spitäler dürfen für stationäre Behandlungen Fallpauschalen abrechnen. Für ambulante Behandlungen gilt der Einzelleistungstarif Tarmed.

Die Krankenversicherungen überwachen frei praktizierende Ärzte im Rahmen einer sogenannten Wirtschaftlichkeitsprüfung. Statistische Auffälligkeiten werden genauer überprüft. Wenn ein Arzt durch Behandlungen und Verschreibungen höhere Kosten verursacht als Ärzte mit vergleichbaren Leistungen, ist mit einem Verfahren zu rechnen. In einigen Fällen muss der Arzt dann Honorare zurückzahlen. Die Krankenversicherungen wollen damit die sogenannte Überarztung verhindern. Das bedeutet ein erhebliches unternehmerisches Risiko für selbstständige Ärzte, wie Hausärzte, Frauenärzte oder Dermatologen. Im Rahmen dieser Wirtschaftlichkeitsprüfungen mussten Ärzte schon Millionenbeträge zurückzahlen.

Grundversicherung mit überschaubaren Leistungen

In der Schweiz gibt es in der Grundversicherung Zahnarztbehandlungen nur für Notfälle. Die Patienten müssen Kontrolluntersuchungen, Zahnfüllungen, Kariesbehandlungen und auch Zahnspangen selbst bezahlen. Auch die Antibabypille oder andere Verhütungsmittel gibt es nicht auf Rezept.

Die verschiedenen Modelle der Grundversicherung

Alle Bürger der Schweiz müssen krankenversichert sein. Bei der obligatorischen Krankenpflegeversicherung gibt es verschiedene Modelle, mit deren Hilfe die Patienten bis zu 25 Prozent Prämie einsparen können.

  • Das Hausarzt-Modell: Der Versicherte verzichtet bei diesem Modell auf die freie Arztwahl. Im Krankheitsfall muss er immer zuerst den Hausarzt aufsuchen. Es sei denn, es handelt sich um einen Notfall, eine Kontrolluntersuchung beim Augenarzt oder eine gynäkologische Vorsorgeuntersuchung. Den Hausarzt kann die Krankenversicherung vorschreiben. Mit diesem Modell können die Versicherten bis zu 20 Prozent Prämie sparen.
  • Das Telmed-Modell: Wer sich für das Telmed-Modell entscheidet, muss immer zuerst eine telefonische Beratungsstelle kontaktieren. Dort erteilt medizinisches Fachpersonal Auskunft und schickt den Patienten gegebenenfalls direkt zum richtigen Arzt, Therapeuten oder Spital. Damit können die Versicherungen enorme Kosten einsparen und gewähren den Versicherten bis zu 20 Prozent Rabatt auf die Prämie.
  • Das HMO-Modell: HMO bedeutet Health Maintenance Organization – Gesundheitserhaltungsorganisation. Die Versicherten verpflichten sich bei diesem Modell im Krankheitsfall zunächst eine HMO-Praxis aufzusuchen. Dies gilt nicht für Notfälle, Kontrollen beim Augenarzt oder gynäkologische Vorsorgeuntersuchungen. Die eingeschränkte Wahlfreiheit honorieren die Versicherungen mit einem Rabatt von bis zu 25 Prozent.