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Mannheim/Darmstadt: Wer die Weihnachtsfeiertage aktiv gestaltet, ist danach besser erholt

Mannheim/Darmstadt : Wer die Weihnachtsfeiertage aktiv gestaltet, ist danach besser erholt

Sich erholen, auftanken, zur Ruhe kommen - das versprechen sich die meisten Menschen von Feiertagen. Weihnachten ist da keine Ausnahme. Obgleich ein religiöser Feiertag und auch als Fest der Familie mit einem besonderen Status versehen, schwingt bei der Vorfreude auch immer die Hoffnung mit, sich nach der stressigen Vorweihnachtszeit endlich eine kleine Auszeit gönnen zu können.

Doch Pustekuchen: „Viele Menschen sind nach den Weihnachtsfeiertagen kein bisschen erholt, sondern fühlen sich ausgebrannter als zuvor”, weiß der Betriebsarzt Stefan Funk aus Mannheim. Die Ursache für die oft verspürte Unzufriedenheit und das Gefühl, nichts von den Feiertagen gehabt zu haben, liegt seiner Erfahrung nach vor allem in einem falschen Verständnis von Erholung.

Viele Menschen wollten vor allem lange ausschlafen, viel und gut essen und einfach mal gar nichts tun. Doch genau hier liegt das Problem: „Wer in den Tag hineinlebt und sich nur von Mahlzeit zu Mahlzeit hangelt, wird schnell unzufrieden und gereizt”, sagt Funk. Denn der Mensch ist nicht nur ein Gewohnheitstier, das einen festen Tagesablauf liebt, sondern er braucht auch Erfolg und Anerkennung, und zwar möglichst täglich.

Das Geheimnis für erholsame Feiertage lautet daher: Sich jeden Tag kleine Aufgaben stellen und diese auch erledigen. „Das klingt zunächst paradox und nach noch mehr Stress. Aber nur, wenn wir uns einer Herausforderung stellen und diese bewältigen, stellt sich ein echtes Gefühl der Zufriedenheit ein”, erklärt Funk. Und die Aufgaben müssen nicht zwangsläufig unangenehm sein: „Das kann zum Beispiel das Vogelhäuschen sein, das man schon lange mit seinen Kindern basteln wollte. Oder ein Buch, das seit Monaten im Regal darauf wartet, gelesen zu werden”, schlägt der Mediziner vor.

Sein persönlicher Favorit: Briefe schreiben. „Keine Mail, die vielleicht noch massenweise verschickt wird, sondern einen persönlichen, ausführlichen Brief, vielleicht an jemanden, zu dem man den Kontakt hat schleifen lassen oder mit dem man einen Streit hatte.” Wer die Redewendung von der besinnlichen Weihnachtszeit wörtlich nehme und diese nutze, um an persönlichen Beziehungen zu arbeiten und sie zu festigen, werde danach eine tiefe Befriedigung verspüren, ist sich Funk sicher.

Dafür bieten sich beispielsweise auch gemeinsame Spaziergänge oder Wanderungen mit der Familie oder Freunden an. Positiver Nebeneffekt: Bewegung und frische Luft. „Das ist gerade an den Weihnachtsfeiertagen sehr empfehlenswert”, sagt Anette Wahl-Wachendorf vom Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte. „Ständiges Sitzen und Sauerstoffmangel rufen nämlich häufig Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme hervor. Abgesehen davon hilft Bewegung dabei, Stress abzubauen und gereizte Stimmungen zu überwinden”, sagt die Arbeitsmedizinerin aus Darmstadt.

Zu Hause bietet sich die Methode der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson an, um zur Ruhe zu kommen: „Dabei werden nacheinander bestimmte Muskeln kurzzeitig bewusst angespannt und dann ebenso bewusst wieder locker gelassen”, erklärt Wahl-Wachendorf. „Diese Entspannungsmethode ist auch für Anfänger gut geeignet, ganz im Gegensatz zu Yoga oder Meditation, wo sich erst nach regelmäßigem Üben ein Erfolg einstellt.” Außerdem kann man auch mal nur ein, zwei Übungen auf die Schnelle im Nebenzimmer machen - etwa wenn einem die lieben Verwandten gerade eröffnet haben, dass sie doch noch einen Tag länger bleiben, oder Bello den Weihnachtsbaum mit einer Straßenlaterne verwechselt hat.

Natürlich ist dann auch der Griff zum Glücklichmacher Schokolade erlaubt, denn Schokoweihnachtsmann, Gänsebraten und guter Wein gehören einfach zu Weihnachten dazu. „Das ist auch völlig in Ordnung”, beruhigt Wahl-Wachendorf: „Man sollte sich nicht das schöne Weihnachtsgefühl kaputtmachen, indem man sich schon mit der nächsten Diät beschäftigt.”

Allzu maßlose Völlerei kann sich allerdings mit Sodbrennen, Übelkeit und Verstopfungen rächen. Dem lässt sich vorbeugen - ganz ohne Genussverzicht: „Wer weiß, dass es mittags einen fetten Schweinebraten gibt, sollte morgens und abends einfach entsprechend leichtere Mahlzeiten zu sich nehmen”, rät die Ärztin. Dann gibt es zum Frühstück etwa einen leckeren Obstsalat anstelle kalorienreicher Croissants und abends steht statt Kartoffelsalat mit Mayonnaise ein Reissalat oder anstelle des Käsefondues eines mit Brühe auf dem Speiseplan.

Nach dem Abendessen wird oft noch mit der Familie oder Freunden zusammengesessen und erzählt. In gemütlicher Runde vergehen die Stunden im Nu. Doch auch, wenn es mal wieder später geworden ist, empfiehlt es sich, am nächsten Tag nicht wesentlich später aufzustehen. „Der Schlafrhythmus gerät aus dem Lot, wenn man es mit dem Ausschlafen übertreibt. Ein- oder Durchschlafstörungen können dann die Folgen sein”, gibt Wahl-Wachendorf zu bedenken. Wer normalerweise um sechs Uhr aus den Federn muss, freut sich schon, wenn er bis acht Uhr liegen bleiben darf und findet nach den Feiertagen dennoch leicht in den normalen Tagesrhythmus zurück. Und zwar gut erholt.