Wenn Dauerschmerzen zur Depression führen

Rücken : Wenn Dauerschmerzen zur Depression führen

Rückenschmerzen kennt jeder. Wenn die Schmerzen im Rücken aufgrund einer Erkrankung nicht verschwinden und unerträglich werden, die genaue Ursache aber unklar bleibt, leidet auch die Psyche. Rheumatisch-entzündliche Erkrankungen wie Morbus Bechterew können nachweislich eine Depression auslösen.

Zusätzlich zur Schmerztherapie ist dann eine begleitende Psychotherapie ratsam.

Morbus Bechterew: Ursache und Therapie

Bei Morbus Bechterew, auch ankylosierende Spondylitis genannt, handelt es sich um eine entzündlich-rheumatische Erkrankung, die meist die Wirbelsäule betrifft. Morbus Bechterew ist mit besonders starken Schmerzen im Rücken im Bereich der Lendenwirbelsäule sowie im Gesäßbereich verbunden. Die Bewegungsfähigkeit ist stark eingeschränkt. Wird die Erkrankung nicht behandelt, kann sich im schlimmsten Fall die Wirbelsäule völlig versteifen.

Auslöser der chronischen Erkrankung ist eine Fehlsteuerung des Immunsystems - Morbus Bechterew zählt zu den Autoimmunerkrankungen. In Deutschland sind etwa 350.00 Menschen betroffen, darunter zahlreiche Erwachsene zwischen 20 und 30 Jahren. Das Problem: Morbus Bechterew wird häufig nicht richtig diagnostiziert. Wenden Sie sich im Zweifel an einen Rheumatologen oder Wirbelsäulenspezialisten.

Als Therapie werden Rückentraining und Rückengymnastik unter Anleitung verschrieben - die Physiotherapie soll die Beweglichkeit erhalten und Fehlstellungen der Wirbelsäule verhindern. "Die wichtigsten Therapieziele sind das Bekämpfen der Entzündung und der Schmerzen sowie der Erhalt der Beweglichkeit", erklärt Dr. Reinhard Schneiderhan, Facharzt für spezielle Schmerzmedizin und Leiter des Wirbelsäulenzentrums in München/Taufkirchen.

Die medikamentöse Behandlung erfolgt zunächst mit kortisonfreien Antirheumatika mit den Wirkstoffen Diclofenac, Ibuprofen und Indometacin. Klingen die Entzündungen nicht ab und bleiben die schmerzhaften Schübe, kommen Biologika mit Wirkstoffen wie Secukinumab zum Einsatz. Sie neutralisieren einen speziellen Eiweißstoff, der die Schübe auslöst. So lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten.

Rheumatische Erkrankungen belasten Körper und Psyche

Das Risiko, eine psychische Erkrankung zu entwickeln, steigt mit Intensität und Dauer der Schmerzen. Eine Depression kann zur Begleiterscheinung von Morbus Bechterew und anderen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis werden, wie die Auswertung einer Studie von über 95.000 Patienten durch das Deutsche Rheuma-Forschungszentrum in Berlin zeigt.

Rund ein Drittel der Betroffenen hat demnach große Angst vor dem nächsten Schmerzschub, der sich häufig morgens nach dem Aufstehen bemerkbar macht. "Deshalb ist eine gute durchdachte Schmerztherapie bei den Patienten auch so wichtig", weiß Dr. Reinhard Schneiderhan. "Depressionen sind trotz intensiver therapeutischer Begleitung keine Seltenheit. In diesen Fällen rate ich zu einer begleitenden Psychotherapie", so der Wirbelsäulenspezialist weiter. "Sie kann helfen, die Ängste zu nehmen und die Lebensqualität zu verbessern."

Mögliche Anzeichen für eine Depression: anhaltende Traurigkeit und Freudlosigkeit, Antriebsmangel, Stimmungsschwankungen und Desinteresse über Wochen. Betroffene sollten verstärkt auf ihren Gemütszustand achten, sonst kann sich die Depression negativ auf die Krankheitssymptome auswirken. Wichtig ist, Erkrankungen möglichst frühzeitig zu erkennen und konsequent zu behandeln. Verläuft die Therapie erfolgreich, sinkt auch das Risiko für eine Depression.

(vo)
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