Weizengras - das vielfältige Supergras

Ernährung : Weizengras - das vielfältige Supergras

Weizengras scheint eines der Superfoods zu sein, die erst jetzt die Aufmerksamkeit bekommen, die sie wirklich verdienen.

Weizengras ist das grüne Gras der Weichweizenpflanze, bevor dieses seine Ähren bildet. Es gehört zu den Süßgräsern und trägt den lateinischen Namen Triticum aestivum. Diese Form ist reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Chlorophyll. Gluten, das viele Menschen nicht vertragen, enthält Weizengras dagegen nicht.

Warum sind Kühe eigentlich so stark?

Wer sich beim Betrachten von Kühen schon einmal gefragt hat, wie die Tiere so groß und stark werden können, hat die offensichtliche Antwort vielleicht übersehen. Die Wiederkäuer ernähren sich lediglich von Gräsern. Es gibt viele Menschen, die glauben, dass Gräser keine Nährstoffe hätten. Doch das ist weit gefehlt: Tatsächlich steckt in den Pflanzen mehr als nur Fasern und Chlorophyll. Weizengras ist reich an Vitaminen, Mineralstoffen, Proteinen und sekundären Pflanzenstoffen. Diese Kombination ist die Grundlage für das schnelle Wachstum und die viele Muskelmasse von Kühen.

Die Geschichte von Weizengras

Dass Weizengras sehr gesund ist, erkannten schon die alten Ägypter vor circa 5.000 Jahren. Damals wurde das Weizengras vor allem wegen seiner Wirkung auf die Gesundheit verzehrt. Anschließend wurde das Süßgras jedoch über viele Jahrhunderte wieder vergessen. Erst in den 1930er Jahren begann die Pflanze wieder populärer zu werden. Angestoßen hatte die Forschung der Amerikaner Charles F. Schnabel. Er fand heraus, dass Hühner mithilfe von Weizengras doppelt so viele Eier legten.

In den 1940er Jahren wurde dann Weizengras und besonders Chlorophyll, das aus Weizengras gewonnen wurde, verkauft. Die Bekanntheit von Weizengras erreichte ihren Höhepunkt jedoch durch Ann Wigmore. Die Amerikanerin war eine bekannte Ernährungsberaterin und setzte sich für ein Einsatz von Chlorophyll für die Gesundheit ein.

Die Nährstoffbombe Weizengras

Die Kombination der verschiedenen Nährstoffe macht Weizengras einzigartig. Nennenswert ist der hohe Anteil an Vitaminen und Proteinen. 19 Aminosäuren befinden sich im Gras, davon sind 8 essentiell. Essentielle Aminosäuren können vom Körper nicht selbst gebildet werden und müssen über die Nahrung zugeführt werden. Die enthaltenen Enzyme "P4D1" und "D1G1" sollen laut Studien entzündungshemmend wirken und sich regenerierend auf die DNA auswirken, nachdem diese geschädigt wurde.

Mineralstoffe und Spurenelemente enthält Weizengras ebenfalls reichlich. Im Gras stecken Eisen, Jod, Kalium, Kalzium, Natrium, Selen, Phosphor, Zink und Magnesium. Die Menge der einzelnen Mineralstoffe variiert und ist insbesondere von den Anbaubedingungen sowie der Form des Weizengras-Produkts abhängig.

In Weizengras stecken die Vitamine:

Vitamin B12 ist eine Überraschung, da eigentlich nur tierische Produkte Vitamin B12 enthalten. In 100 g frischem Weizengras sind circa 3 Mikrogramm Vitamin B12 enthalten - das entspricht exakt der empfohlenen Tagesdosis der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Der hohe Gehalt an Vitamin B12 ist für Veganer interessant, denen es schwerfällt, ihren Bedarf zu decken.

Entsäuerung des Körpers

Weizengras kann die Entsäuerung des Körpers unterstützen. Viele Menschen leiden unter einer Übersäuerung. Bei einer latenten Azidose sinkt der pH-Wert des Blutes unter 7,35. Dass so viele Menschen darunter leiden, ist auf die westlichen Ernährungsgewohnheiten und das hohe Ausmaß an Stress zurückzuführen. Bewegungsmangel, Rauchen oder eine geringe Flüssigkeitszufuhr können ebenfalls Ursachen sein. Mögliche Folgeerkrankungen einer latenten Azidose sind Osteoporose, Diabetes, Arteriosklerose, Gicht, Neurodermitis oder Migräne. Weizengras ist also genauso vielfältig wie das beliebte CBD Öl.

Weizengras hilft bei der Alkalisierung mithilfe des Chlorophylls. Chlorophyll gibt den Blättern der Pflanze ihre grüne Farbe und ist für die Sauerstoffproduktion verantwortlich. Chlorophyll wird auch als "grünes Blut" bezeichnet. Es ist ähnlich aufgebaut wie Hämoglobin, das für den Transport von Sauerstoff im Blut verantwortlich ist. Deswegen wird oft propagiert, dass der grüne Pflanzenfarbstoff den Sauerstofftransport des Menschen verbessern könnte. Das ist pures Marketing. Der Körper kann nur eine kleine Menge resorbiert und der Rest wird ausgeschieden. Die aufgenommene Menge übernimmt nicht die Aufgabe des Bluttransportes, sondern gleicht nachweislich den pH-Wert des Körpers aus, wodurch einer latenten Azidose entgegengewirkt wird.

Einsatz als Anti-Aging-Produkt

Das Chlorophyll von Weizengras wirkt außerdem als starkes Antioxidans. Der Antioxidans-Gehalt wird in der Wissenschaft mithilfe des ORAC-Wertes angegeben. Das ist sinnvoll, da verschiedene Antioxidantien unterschiedlich stark wirken. Weizengrassaft hat laut einer Studie einen ORAC-Wert zwischen 4,000 - 4,800. Damit liegt der Wert weit höher als bei verschiedenen anderen Superfoods. Antioxidantien schützen die Zellen vor oxidativen Stress. Oxidativer Stress beschleunigt die Alterung und Faltenbildung der Haut.

Sehkraft stärken

Neben Chlorophyll enthält Weizengras ein weiteres Antioxidans: Lutein. Studien haben gezeigt, dass Personen, die besonders viel Lutein zu sich nehmen, ein geringeres Risiko haben, an einer Altersbedingten Makuladegeneration (AMD) zu erkranken. Diese Augenerkrankungen ist die häufigste Augenerkrankung der westlichen Welt. Die Betroffenen leiden an einem fortschreitenden Sehverlust im zentralen Gesichtsfeld, während die Sehstärke im peripheren Gesichtsfeld erhalten bleibt.

Lutein kann nicht nur prophylaktisch gegen Augenerkrankungen eingesetzt werden. Die Leistungsfähigkeit lässt sich ebenfalls verbessern. Eine Doppelblindstudie von Bovier et al. von 2014 kommt zu dem Ergebnis, dass eine Kombination von Lutein und Zeaxanthin, welches ebenfalls ein Antioxidans ist, die Sehkraft stärken kann. Die Studie ist beeindruckend, da die Wissenschaftler die Kombination von Lutein und Zeaxanthin an jungen, gesunden Menschen getestet haben. Dennoch konnten sie signifikante Verbesserungen nachweisen.

Weizengras gegen Krebs

Studien haben gezeigt, dass Weizengras sowohl zur Behandlung als auch zur Prävention von Krebs eingesetzt werden kann. Die Forscher vermuten, dass Weizengras die Apoptose (Selbstzerstörung von Krebszellen) einleitet. Daneben hat Weizengras einen positiven Effekt auf das Immunsystem und auf immunbedingte Erkrankungen.

Es gibt mehrere Studien, die sich mit dem möglichen Einsatz von Weizengras auf Krebs beschäftigt haben. Viele Studien konnten einen positiven Effekt nachweisen. Eine in-vitro-Studie von 2017 untersuchte den Effekt von Weizengras auf Zellen des oralen Plattenepithelkarzinoms. Jährlich gibt es über 500.000 Neuerkrankte; die meisten von ihnen sind Raucher oder alkoholabhängig. Die Studie von Gore et al. kam zu dem Ergebnis, dass vor allem das Chlorophyll von Weizengras für den positiven Effekt auf die Krebszellen verantwortlich ist. Das Wachstum der Krebszellen konnte durch Weizengras gehemmt werden.

Welche Weizengras-Produkte gibt es?

Weizengras wird in Form von Tabletten, Kapseln, Saft oder Pulver angeboten. Es kann in Biomärkten oder online gekauft werden. Daneben gibt es die Möglichkeit, Weizengras frisch selbst anzubauen. Der Anbau ist einfach und kostet verhältnismäßig wenig. Die frischen Gräser können in Getränken oder Smoothies verarbeitet werden. Um Weizengrassaft herzustellen, wird ein Entsafter oder Hochgeschwindigkeitsmixer benötigt.

Weizengras kann von jedem eingenommen werden. Einziges Manko: Für Allergiker kann der Verzehr frischer Produkte problematisch sein. Weizengras kann Pollen anderer Pflanzen enthalten.

Weizengras hat den Namen "Superfood" verdient. Es enthält eine Vielzahl an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Bei so vielen gesunden Nährstoffen ist es kein Wunder, dass weidende Kühe solche Kraftpakete sind. Doch zum "Superfood" wird das Gras erst durch seinen hohen Chlorophyll-Gehalt. Chlorophyll beeinflusst die Gesundheit auf vielfältige Weise positiv.

(vo)
Mehr von Aachener Zeitung