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Washington: Weichen für Metastasen-Bildung werden früher gestellt als gedacht

Washington : Weichen für Metastasen-Bildung werden früher gestellt als gedacht

Metastasen bilden sich wahrscheinlich bereits im Frühstadium einer Krebserkrankung - und nicht erst in einer späten Phase wie bisher angenommen.

Das schließen US-amerikanische Forscher aus Untersuchungen an Mäusen, denen sie gentechnisch veränderte Zellen mit anschaltbaren Krebsgenen injizierten.

Diese Zellen bildeten auch dann Tochtergeschwülste, wenn sie während der Wanderung durch den Körper noch keine Kennzeichen einer Krebszelle aufwiesen und sich erst am Zielort in eine bösartige Form umwandelten.

Bisher nahmen Wissenschaftler an, die Krebszellen würden am Muttertumor aktiviert und begännen dann erst ihre Ausbreitung. Die Erkenntnisse dieser Studie werfen ein völlig neues Licht auf die Entstehung von Metastasen, wie die Forscher um Katrina Podsypanina vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York im Fachmagazin „Science” (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1126/science.1161621) schreiben.

Bislang galt die Umwandlung der Zellen in eine entartete Form innerhalb des Primärtumors als Voraussetzung für die Entstehung von Metastasen. Die Aktivierung bestimmter Krebsgene - sogenannter Onkogene - sei dabei ein wesentliches Kriterium für die Fähigkeit, sich auf andere Organe auszubreiten und dort zu überleben, lautet die Theorie. Doch die Studie von Katrina Podsypanina und ihren Kollegen wirft nun Zweifel an diesem Entstehungsmechanismus auf.

Die Forscher zeigten in ihrer Mausstudie, dass sich Zellen womöglich erst nach der Wanderung durch den Körper in bösartige Krebszellen verwandeln. Dazu injizierten sie Mäusen gentechnisch veränderte Brustdrüsenzellen mit Onkogenen, die sie nach Belieben einschalten konnten.

Bevor die krebsauslösenden Gene angeschaltet wurden, konnten die Zellen sich wie normale Zellen über den Blutkreislauf bis zur Lunge vorarbeiten und dort bis zu 16 Wochen auch ohne angeschaltete Krebsgene überleben.

Auf diese Art und Weise können sich unreife, potenzielle Krebszellen über den Körper ausbreiten und in Organen ausharren, bis sie aktiviert werden, schließen die Forscher daraus. Dies könnte auch erklären, warum bei manchen Brustkrebsarten erst lange, nachdem der Muttertumor behandelt worden ist, Metastasen auftreten.

Bislang wurde die Metastasenbildung, die auch die Hauptursache für die hohe Sterblichkeit bei Krebs darstellt, eher in eines der letzten Krebsstadien eingeordnet. Die neuen Erkenntnisse könnten äußerst hilfreich bei der Entwicklung neuer Strategien für die Bekämpfung der Metastasenbildung sein, erklären die Forscher.