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Berlin/Düsseldorf: Was kranke Reisende zu Hause beachten sollten

Berlin/Düsseldorf : Was kranke Reisende zu Hause beachten sollten

Malaria, Denguefieber, Hepatitis - auf Reisen drohen viele gesundheitliche Risiken. Zu Beginn der sommerlichen Reisezeit wird Urlaubern deshalb alle Jahre wieder zu Vorsicht und Vorbeugung geraten, um die schönsten Wochen des Jahres gesund genießen zu können.

Doch nicht nur während der Reise ist besondere Aufmerksamkeit geboten. Viele deutsche Urlauber kommen jedes Jahr mit ungebetenen Souvenirs nach Hause, die sich oft erst nach der Reise bemerkbar machen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin listet auf seiner Website mehrere Dutzend Infektionskrankheiten auf - von Affenpocken bis zu von Zecken übertragenen Erkrankungen.

In jeder Reiseregion drohen unterschiedliche Risiken, wobei die regionalen Schwerpunkte durch die Globalisierung aber immer mehr verwischen. Die weitaus meisten Reisenden ziehen sich jedoch nur eine harmlose Durchfallerkrankung zu. Durchschnittlich ist jeder dritte deutsche Reisende betroffen, berichtet Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf. Besonders hoch sei das Risko einer Durchfallerkrankung im tropischen und nördlichen Afrika, sagt Stephan Ehrhardt, Arzt am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Auf Nilkreuzfahrten infizieren sich laut Jelinek 90 Prozent aller Reisenden. Aber auch in anderen Reiseregionen wie Südamerika, Südostasien oder Osteuropa bestehe eine erhöhte Gefahr. Verursacher sind meist Kolibakterien, die mit fäkal verunreinigter Nahrung aufgenommen werden. Aber auch Viren und Einzeller wie Amöben können schwere Diarrhöe auslösen.

„Grundsätzlich gilt die Faustregel: Je mehr Menschen auf engem Raum leben und je schlechter die hygienischen Bedingungen sind, desto wahrscheinlicher ist eine Durchfallerkrankung”, sagt Jelinek. Wichtig sei vor allem, viel zu trinken, rät Andreas Jansen, Tropenarzt am RKI. Hält der Durchfall länger als vier Tage an, sollte der Erkrankte einen Arzt aufsuchen und ihn genau über seinen Urlaubsort informieren. Gleiches gelte, wenn der Durchfall mit Fieber oder Hautausschlag einhergeht oder Blut oder Schleim im Stuhl zu finden sind, sagt Jansen.

Diese Leiden sind Symptome für mehrere Tropenkrankheiten wie Malaria oder Denguefieber. Die durch Stechmücken übertragene Malaria trete vor allem bei Afrika-Reisenden auf, sagt Jelinek. Wird die Krankheit rechtzeitig diagnostiziert, lasse sie sich gut behandeln. Allerdings sei eine zunehmende Sorglosigkeit gegenüber Malaria zu beobachten, berichtet Ehrhardt. Viele Reisende betrachten die vorbeugende Einnahme von Chemoprophylaxe wegen der möglichen Nebenwirkungen kritisch und unterlassen sie deshalb.

„Man muss sich aber im Klaren sein, dass man in Kenia nicht reisen kann wie in Italien”, warnt Ehrhardt. Während die Infektionszahlen für Malaria laut einer Statistik des RKI von 1049 Fällen im Jahr 2001 auf 568 Fälle im Jahr 2006 zurückgegangen sind, stiegen die Erkrankungen am Denguefieber im gleichen Zeitraum von 60 auf 174 Fälle an. Da Malaria potenziell lebensbedrohlich ist, komme ihr laut RKI aber nach wie vor eine hohe Bedeutung zu. Im Jahr 2005 erlagen in Deutschland sechs Menschen der Malaria.

Besorgniserregend ist laut Jelinek besonders die starke geografische Verbreitung des Denguefiebers in den vergangenen Jahren. War die Krankheit früher in erster Linie in Südostasien und Südamerika zu finden, so ist sie nun in mehr als 100 Ländern über den gesamten Tropengürtel verbreitet, unter anderem im australischen Queensland, den Südstaaten der USA oder Hawaii.

Da die übertragende Tigermücke im Gegensatz zur Malariamücke auch in dreckigem Wasser brütet, findet sie in den ständig wachsenden Großstadtslums ideale Bedingungen zur Fortpflanzung. Die Symptome des Denguefiebers ähneln einer akuten Virusgrippe: Es kommt zu Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber und nach vier bis fünf Tagen zu Hautausschläge besonders im Rumpfbereich. In vielen Fällen treten auch Lebererkrankungen und Gehirnentzündungen auf.

Die Beschwerden dauern meist zwei bis drei Wochen an, die anschließende Phase der Erschöpfung zieht sich jedoch oft über bis zu drei Monate hin, erläutert Jelinek. Lebensbedrohlich ist das hämorrhagische Denguefieber, das starke Blutungen verursacht. In Entwicklungsländern fallen ihm jedes Jahr mehrere Tausend Menschen, vor allem Kinder, zum Opfer.

In Europa stirbt durchschnittlich ein Urlauber pro Jahr an Denguefieber. Da es bisher keinen Impfstoff gibt, stellt der Schutz vor Mückenstichen die wirksamste Art der Vorbeugung dar. Doch nicht nur in fernen, exotischen Ländern drohen Gesundheitsgefährdungen. Beim Urlaub innerhalb Europas können zum Beispiel die auch als Gelbsucht bekannten Hepatitis A und B, FSME und Borreliose durch Zeckenbisse oder Hauterkrankungen wie die Leishmaniose auftreten, warnt das CRM.

Hepatitis A wird durch Kolibakterien in Nahrung und Wasser übertragen und äußert sich in Übelkeit, Erbrechen, Fieber und Durchfall. Eine Impfung wird wie auch bei der durch Körperflüssigkeiten übertragenen Hepatitis B empfohlen. Im Grunde kommen laut Jansen viele Reisekrankheiten auch in Deutschland vor, die Infektionsgefahr sei allerdings wesentlich geringer. Um nach dem Urlaub wieder gesund und fit in den Alltag starten zu können, sollten Reisende vor allem zwei Grundregeln beachten: Bei Beschwerden rechtzeitig zum Arzt gehen und dort auch den Urlaubsort erwähnen.