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Jena: Von Zecken übertragene Hirnhautentzündung breitet sich weiter aus

Jena : Von Zecken übertragene Hirnhautentzündung breitet sich weiter aus

Die von Zecken übertragene gefährliche Hirnhautentzündung wird sich nach Experteneinschätzung in Deutschland weiter ausbreiten.

Derzeit sei die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) zwar hauptsächlich in Süddeutschland verbreitet, doch gebe es immer wieder Einzelerkrankungen in sonst unbelasteten Regionen im Norden der Republik, sagte der Leiter des Nationalen Referenzlabors beim Friedrich-Loeffler-Institut in Jena, Jochen Süss, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Das sind die Vorboten.” Bislang sind 132 Kreise als Risikogebiete eingestuft. Zwar gibt es eine FSME-Schutzimpfung, doch werde diese bisher zu wenig genutzt.

Die Gründe für die Ausbreitung gen Norden seien noch nicht eindeutig geklärt, sagte Süss. Außer der Klimaerwärmung könnten auch Veränderungen im Ökosystem eine Rolle spielen. So sei ein geringerer Einsatz von Insektengiften und Pestiziden in der Landwirtschaft vorteilhaft für Zecken und deren Wirte. 2007 wurden in Deutschland 238 FSME-Erkrankungen gemeldet, nach 546 im Jahr zuvor. „Im vergangenen Jahr war es im April extrem trocken und heiß”, erinnerte sich der Forscher. „Da konnten die Zecken nicht aktiv werden, obwohl sie hungrig waren.” Im Sommer sei es zwar warm und feucht gewesen - also ideales Zeckenwetter - doch habe die Feuchtigkeit viele Menschen von Wanderungen oder Spaziergängen im Wald abgehalten, erklärte Süss die starke Schwankung bei den Infektionen.

Zusätzlich zur regionalen Ausbreitung sei zu beobachten, dass Zecken immer häufiger ganzjährig aktiv sind. Früher galt die Zeit von April bis Oktober als Zecken-Saison. „Das scheint schon viele Jahre nicht mehr so zu sein”, sagte Süss. Untersuchungen im Herbst und Winter 2006/2007 hätten gezeigt, dass Zecken die ganze Zeit auf Wirtssuche waren. Als Ursache werde der mildere Winter gesehen. „Die Zecke kann sofort losmarschieren, wenn es wärmer wird als sieben Grad”, erklärte der Experte. Daher sei die klassische Winterruhe der Spinnentiere zurzeit nicht mehr gegeben. So müsse inzwischen in den Risikogebieten ganzjährig mit FSME-Infektionen gerechnet werden. Das gelte auch für das Risiko der sehr viel häufigeren und bundesweit verbreiteten Borreliose.

Die Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung in Europa. Erreger sind verschiedene Arten parasitärer Bakterien, sogenannte Borrelien. Eine Impfung gibt es nicht, die Infektion lässt sich im frühen Stadium jedoch mit Antibiotika behandeln. In Deutschland ist nach Auskunft des Robert Koch-Instituts nach 0,3 bis 1,4 Prozent aller Zeckenbisse mit einer manifesten Borreliose zu rechnen. Die Experten gehen davon aus, dass Zecken bundesweit mit Borrelien durchseucht sind. Daneben gibt es mehrere weitere Erkrankungen, die von den Spinnentieren übertragen werden.

Süss rät, sich unbedingt vor Zeckenbissen zu schützen. Die Blutsauger lauern oft in bodennahen Pflanzen wie Sträuchern und hohem Gras. Schutz bietet in der Natur helle Kleidung, die möglichst viel Haut bedeckt, und auf der Zecken gut zu erkennen sind. Auch eine FSME-Impfung komme infrage. „Wenn man in einem Risikogebiet lebt oder dahin reist, ist es grob fahrlässig, sich nicht gegen FSME impfen zu lassen”, sagte der Experte. Dabei habe Deutschland Nachholbedarf, denn in den Risikogebieten sei nur etwa jeder Vierte geimpft. In Österreich liege dieser Anteil bei 88 Prozent.