1. Leben
  2. Gesundheit

Bad Oeynhausen: Vom Krankenbett ins Bewegungsbad: Wenn die Reha zu früh beginnt

Bad Oeynhausen : Vom Krankenbett ins Bewegungsbad: Wenn die Reha zu früh beginnt

Wenn eine schwere OP überstanden ist, geht es für Patienten häufig weiter in die Reha. Eigentlich soll die einen wieder fit für den Alltag machen. Aber manchmal ist es dafür einfach zu früh.

Eine neue Hüfte, ein neues Knie oder eine Bandscheiben-OP: Wer einen solch großen Eingriff hinter sich hat, kommt in der Regel nach dem Krankenhaus in die Reha. Manch einer fühlt sich aber für Bewegungsbad, Krankengymnastik oder Massagen nicht fit genug. Der Kreislauf ist am Boden, die Operationswunde schmerzt noch, oder man ist allgemein ziemlich wackelig auf den Beinen.

Kommen Patienten heute früher in die Reha?

Laut der REDIA-Studie blieben Patienten nach Einsetzen einer Hüftprothese im Jahr 2003 im Schnitt gut 17 Tage im Krankenhaus, 2011 waren es noch gut 12 Tage. Für die Studie des Centrums für Krankenhaus-Management der Universität Münster wurden unter anderem die Daten von 1334 Reha-Patienten der Orthopädie erhoben. Bei einer Knieprothese verkürzte sich die Zeit um gut 5 Tage auf 13 Tage, bei Operationen der Bandscheiben waren es 2003 knapp 11 Tage in der Akutklinik, acht Jahre später im Durchschnitt nur noch gut 8. Auch der Zeitraum zwischen dem Tag der Operation und dem Beginn der Reha verkürzte sich bei diesen Eingriffen demnach von 20 Tagen im Jahr 2003 auf 16 Tage im Jahr 2011.

Welche Nachteile haben Patienten durch einen früheren Reha-Beginn?

„Im schlechtesten Fall können Patienten durch die Reha nicht so fit werden, wie es eigentlich möglich wäre”, sagt Stefan Palmowski, Berater bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschlands (UPD). Möglicherweise können sie erst später als vorgesehen mit den Anwendungen starten. „Wenn die Wundheilung noch nicht abgeschlossen ist, kann ein Patient nicht ins Bewegungsbad”, sagt Hans-Jürgen Hesselschwerdt. Er ist vom Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie und Chefarzt der Theresienklinik in Bad Krozingen - eine Reha-Klinik.

Gibt es auch Vorteile einer frühen Reha-Behandlung?

„Wenn sich eine gute Reha anschließt, ist es förderlich, wenn die Patienten früh kommen”, sagt Prof. Paul Schönle. Er ist von der Deutschen Vereinigung für Rehabilitation und Ärztlicher Direktor der Maternus-Klinik für Rehabilitation in Bad Oeynhausen. Dann muss der Patient aber dort abgeholt werden, wo er steht. „Hat er schwere Herz- und Kreislaufprobleme, beginnt man eben mit der Mobilisation im Liegen.” Wichtig sei, die Muskeln möglichst früh wieder aufzubauen. Das wirkt Schmerzen entgegen und hält die Gelenke beweglich, wie Schönle erklärt.

Wann ist es zu früh für die Reha?

Als „rehabilitationsfähig” gelten Patienten, wenn sie körperlich und psychisch die notwendige Belastbarkeit und Motivation für die Mitarbeit in der Reha mitbringen. So definiert es der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA). Im Klartext heißt das: Wer Fieber hat, eine entzündete Wunde, Probleme mit dem Herz oder eine neu diagnostizierte Krankheit wie etwa Diabetes, gehört erst einmal nicht in die Reha, erklärt Schönle. Aber: „Bei Mehrfach-Erkrankungen oder Krankheiten wie Multiple Sklerose oder selbst Alzheimer ist Rehabilitation möglich. Sie muss nur an die Bedürfnisse des Patienten angepasst werden. Rehafähig meint tiefsinniger, ob wir als Behandler fähig sind, die Patienten zu rehabilitieren.”

Was kann ein Patient im Krankenhaus machen, wenn er sich nicht fit genug für die Reha fühlt?

Am besten bittet man seinen behandelnden Arzt im Krankenhaus um ein Gespräch, empfiehlt Patientenberater Palmowski. Ihm sollte man seine Befürchtungen schildern und ihn dann um seine Meinung bitten. „Möglicherweise hat der Arzt gar nicht so genau im Blick, wann es mit der Reha losgehen soll.” Eine andere Möglichkeit ist, den Sozialdienst des Krankenhauses zu kontaktieren - der kann im Fall des Falles auch bei notwendigen Formularen helfen. Eigentlich sollte die Reha etwa nach dem Einsetzen von Hüft- oder Kniegelenken als Anschlussheilbehandlung spätestens zwei Wochen nach der Behandlung im Krankenhaus beginnen. Allerdings sieht das Sozialgesetzbuch Ausnahmen vor, nämlich dann, wenn diese Frist aus zwingenden medizinischen Gründen nicht eingehalten werden kann. „Man verliert grundsätzlich nicht den Anspruch auf eine Reha”, sagt Palmowski.

Wie werden Patienten in der Zwischenzeit versorgt?

„Das ist eine kleine Grauzone”, sagt Palmowski. „Denn es ist keine stationäre Behandlung mehr notwendig, andererseits ist man nicht fit genug, um zu Hause alleine klarzukommen oder in die Reha zu gehen.” Für diese Zeit gibt es drei Möglichkeiten: Die Patienten kommen trotzdem in die Reha, nach Hause oder in die Kurzzeitpflege.

Zur ersten Möglichkeit sagt Hesselschwerdt: „Medizinisch können wir solche Patienten in den Reha-Einrichtungen versorgen.” Allerdings steigen etwa durch den höheren Pflege- und Medikamentenbedarf auch die Kosten für die Einrichtung. In der Regel dauert die Reha nach dem Einsetzen einer Hüft- oder Knieprothese drei Wochen. Wird sie nicht verlängert - was grundsätzlich möglich ist, wenn es vom Arzt beantragt wird - kann die frühe Aufnahme zulasten des Ergebnisses gehen, weil der Patient nicht alles mitmachen kann.

Wenn der Patient länger als vorgesehen zwischen Krankenhaus und Reha zu Hause bleibt, gibt es die Möglichkeit der häuslichen Krankenpflege. Die kann der Arzt im Krankenhaus für einen begrenzten Zeitraum verordnen. Der Patient bekommt dann Hilfe etwa beim Anziehen, mit den Medikamenten und bei der Wundversorgung.

Die weitere Möglichkeit ist die Kurzzeitpflege. „Es ist allerdings nicht so leicht, einen Platz zu finden, und die Pflegekasse übernimmt in der Regel keine Kosten, da sie nur bei mindestens sechsmonatiger Pflegebedürftigkeit zuständig ist”, erklärt Hesselschwerdt. Und Berater Palmowski ergänzt: „Gerade bei älteren Menschen weckt die Kurzzeitpflege auch die Angst vorm Pflegeheim, sie denken, wenn sie einmal drin sind wird es schwer, wieder herauszukommen.”

(dpa)