Melbourne: Vitaminmangel macht auch Krankheitserregern zu schaffen

Melbourne: Vitaminmangel macht auch Krankheitserregern zu schaffen

Das Magenbakterium Helicobacter pylori muss Vitamin B6 produzieren, um chronische Entzündungen auslösen und aufrechterhalten zu können. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forscherteam um Richard Ferrero von der Monash University in Melbourne. Helicobacter pylori siedelt sich im Magen an und kann dort Magengeschwüre und verschiedene Arten von Magenkrebs verursachen.

Der nun entdeckte Zusammenhang könnte zur Entwicklung gänzlich neuer Antibiotika beitragen, die verhindern, dass die Bakterien selbst Vitamin B6 herstellen. Solche Antibiotika seien besonders deshalb günstig, weil sie auf die Vitamin-B-Versorgung des Menschen keinen Einfluss hätten, schreiben die Forscher im Online-Magazin „mBio” (Bd. 1, Nr. 3, e00112-10).

„Ungefähr die Hälfte der Weltbevölkerung ist mit dem Bakterium Helicobacter pylori infiziert”, erläutert Ferrero. Allerdings habe man bisher wenig darüber gewusst, wie genau das Bakterium chronische Infektionen verursacht. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern vom Institut Pasteur in Paris und der University of Notre Dame Australia in Sydney untersuchte Ferrero nun erstmals, welcher Zusammenhang zwischen Vitamin B6 und der krankmachenden Wirkung des Bakteriums besteht.

Dazu benutzten die Forscher die Methode der sogenannten In-vitro-Abschwächung, um im ersten Schritt weniger infektiöse Varianten des eigentlich hochinfektiösen Bakteriums herzustellen. Anschließend verglichen sie die Genexpressionsprofile dieser Varianten mit denen der ursprünglichen Bakterien. Die Profile geben Aufschluss darüber, welche Proteine auf der Basis der genetischen Informationen eines Organismus hergestellt werden.

Mit Hilfe dieser Methode identifizierten Ferrero und sein Team zwei Enzyme namens PdxA und PdxJ, die an der Herstellung von Vitamin B6 beteiligt sind. Helicobacter-Bakterien, denen diese Enzyme und damit das benötigte Vitamin B6 fehlten, waren nicht in der Lage, Geißeln herzustellen - fadenförmige Gebilde, mit denen sie sich fortbewegen. Weiterhin ergab ein Versuch mit Mäusen, dass vor allem PdxA notwendig ist, damit sich die Bakterien vermehren und im Magen der Tiere dauerhaft ansiedeln können.

„Interessanterweise besitzt eine ganze Reihe menschlicher Krankheitserreger die Gene für diese beiden Enzyme. Beim Menschen und bei anderen Säugetieren kommen sie hingegen nicht vor”, sagt Richard Ferrero. Daher seien die Pdx-Enzyme ideale Kandidaten für neuartige Antibiotika: Diese könnten das Helicobacter-Bakterium gezielt an seiner Schwachstelle treffen, ohne dabei in den Vitamin-B-Haushalt des Menschen einzugreifen.