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Herne: Virtuelle Darmspiegelungen bringen keine Vorteile

Herne : Virtuelle Darmspiegelungen bringen keine Vorteile

Eine Darmspiegelung ist das einzige Mittel, mit dem man Krebs im Darm zweifelsfrei erkennen oder auch ausschließen kann. Patienten sollten sich dabei immer für die klassische Methode entscheiden, bei der ein Endoskop in den Darm eingeführt wird.

das rät Dietrich Hüppe, Gastroenterologe aus Herne und Vorsitzender des Berufsverbandes niedergelassener Gastroenterologen (bng). „In meinem Augen ist die sogenannte virtuelle Darmspiegelung eine nutzlose Methode”, unterstreicht er. Bei dieser Variante wird der Darm mit Hilfe eines bildgebenden Verfahrens wie der Computer- oder der Magnetresonanztomographie untersucht.

„Es gibt keine Vorteile”, betont der Experte. So kommt der Patient etwa auch bei der virtuellen Untersuchung nicht darum herum, seinen Darm mit Hilfe von Trinklösungen zu reinigen. Zudem ist die Empfindlichkeit der Methode, wenn sie mit dem strahlungsarmen Magnetresonanztomographen (MRT) durchgeführt wird, nicht besser, sondern deutlich geringer als beim endoskopischen Verfahren: Polypen und Tumoren macht sie erst ab einer bestimmten Größe sichtbar und Entzündungen sind überhaupt nicht zu sehen. Eine Untersuchung mit einem Computertomographen ist zwar empfindlicher, geht jedoch auch mit einer erheblichen Strahlenbelastung einher.

Der größte Nachteil in Hüppes Augen: „Sobald man in der virtuellen Untersuchung irgendetwas Krankhaftes entdeckt, muss ohnehin noch eine klassische Darmuntersuchung angeschlossen werden - denn nur dabei lassen sich Gewebeproben entnehmen oder kleine Eingriffe durchführen”, erläutert er. Das Argument, dass die virtuelle Version aber schmerzlos sei, lässt der Experte ebenfalls nicht gelten: „Für die klassische Variante stehen mittlerweile verschiedene Beruhigungs- und Narkosemittel zur Verfügung, so dass der Patient ebenfalls nichts davon merkt.”

Für den Betroffenen selbst wird vermutlich ein anderer Faktor im Vordergrund stehen: Die virtuellen Untersuchungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt und selbst bei den privaten Kassen übernehmen nur einige wenige die Kosten.