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Friedberg: Unerwünschter Einwanderer: Ambrosia kann Allergikern gefährlich werden

Friedberg : Unerwünschter Einwanderer: Ambrosia kann Allergikern gefährlich werden

Die Pflanze trägt den wohlklingenden Namen der Götterspeise aus den griechischen Sagen - trotzdem ist sie unter Gartenfreunden wenig beliebt. Biologen und Gesundheitsexperten raten, das Wildkraut „Ambrosia” konsequent zu bekämpfen. Denn die Pflanze, die ursprünglich aus Nordamerika stammt, setzt bis zu einer Milliarde Pollen frei, die Allergikern sehr gefährlich werden können.

Ambrosia-Pollen gelten, betont die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, als besonders aggressiv. Erfahrungen in anderen Ländern haben gezeigt, dass schon geringe Konzentrationen Heuschnupfen und Asthma auslösen können. Betroffen sind auch Menschen, die sonst nicht allergisch auf Pollen reagieren. Außerdem blüht das „Aufrechte Traubenkraut”, wie Ambrosia auch genannt wird, erst ab August und dann bis in den Spätherbst hinein. Das verlängert für die Betroffenen die Heuschnupfen-Saison gleich um viele Wochen.

„Noch ist die Pflanze in Deutschland relativ selten, und wir haben die Chance, ihre Ausbreitung mit dem richtigen Verhalten in den Griff zu bekommen”, betont der Biologe Stefan Nawrath. Zusammen mit seiner Kollegin Beate Alberternst gehörte er zu den ersten, die auf die Gefahren des Wildkrauts aufmerksam machten. In der „Projektgruppe Biodiversität und Landschaftsökologie” (ambrosiainfo.de) im hessischen Friedberg erforschen sie die Pflanze und versuchen sich einen Überblick zu verschaffen, wie weit sie in Deutschland bereits verbreitet ist.

„Die Schwerpunkte liegen in Bayern und Baden-Württemberg, in Berlin, Teilen von Rheinland-Pfalz, Hessen und Brandenburg”, erläutert Nawrath. Eingeschleppt wird der unerwünschte Einwanderer oft durch Vogelfutter aus Osteuropa: Ambrosia wächst dort auf den Sonnenblumenfeldern, und ihre Samen gelangen so in die Ernte. „Man könnte sie aussieben, weil sie deutlich kleiner als Sonnenblumenkerne sind”, sagt Nawrath. Aber das treibt die Produktionskosten in die Höhe und findet deshalb in der Regel nicht statt. Die Folge: In vielen Gärten wächst rund ums Vogelhäuschen Ambrosia, zu erkennen an seinen gefiederten Blättern und den traubenförmigen Blütenständen.

Bis zu zwei Meter groß kann die Pflanze werden, meist misst sie etwa 1,20 Meter. „Viele finden sie recht dekorativ und lassen sie stehen, weil sie nicht wissen, welche Gefahren von ihr ausgehen”, sagt der Biologe. Genau das müsse sich ändern, betont Nawrath: „Ambrosia sollte konsequent herausgerissen werden.” Bis Ende Juli ist noch ein guter Zeitpunkt: Dann blüht die Pflanze noch nicht. Dennoch sollte man sie nur mit Handschuhen anfassen, denn der Kontakt mit Stängeln und Blättern kann Hautreaktionen auslösen.

Entsorgt wird Ambrosia in der Hausmülltonne. Auf dem Kompost hat sie nichts zu suchen, denn auf diese Weise könnte sie erneut verbreitet werden. Die Samen halten nämlich einiges aus: Forschungen zufolge bleiben sie in der Erde rund 40 Jahre keimfähig.

Mehrere Bundesländer rufen mittlerweile offiziell dazu auf, gegen Ambrosia vorzugehen. So wurde in Bayern kürzlich ein Aktionsprogramm aufgelegt, das ganz offiziell dazu auffordert, die Pflanzen herauszureißen - ganz gleich, ob sie im Garten oder auf Ödland wachsen. Bei größeren Beständen ab 100 Pflanzen wird zusätzlich um eine Meldung bei der zuständigen Kreisverwaltungsbehörde gebeten, um einen Überblick über die Verbreitung zu bekommen. „Problematisch wird es, wenn Ambrosia erst einmal in der freien Landschaft heimisch geworden ist”, sagt Biologe Nawrath. Schon jetzt finde man sie an Autobahnen und Wegrändern.

Ein Problem sind auch Neubaugebiete, auf deren brachliegenden Flächen das Kraut ebenfalls optimale Bedingungen vorfindet: „Wird die mit den Samen verseuchte Erde später an anderer Stelle wieder verwendet, breitet sich die Pflanze immer weiter aus”, betont Nawrath. Sein Rat: Entdeckt man an solchen Orten Ambrosia, sollte man rasch die Behörden informieren. „Wenn man die Pflanzen umgehend entfernt und die Erde dann vor Ort lässt, wird man in den Gärten zwar in den nächsten Jahren immer wieder Pflanzen finden”, erläutert Nawrath. „Wenn man diese dann aber konsequent herausreißt, wird sich Ambrosia dort nicht weiter ausbreiten.”