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Berlin/Bochum: Umtriebige Weisheitszähne können üble Schmerzen und Infektionen verursachen

Berlin/Bochum : Umtriebige Weisheitszähne können üble Schmerzen und Infektionen verursachen

Der Weisheitszahn ist ein Auslaufmodell. Immer mehr Menschen werden geboren, bei denen die versteckten Beißerchen weit hinten im Mundraum nicht mehr angelegt sind. „Die Natur reagiert offenbar auf die veränderten Platzverhältnisse im Gebiss”, sagt Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer in Berlin.

Denn die menschliche Gesichtsform habe sich im Laufe der Evolution erheblich verändert. Das Resultat: Der Kiefer verkleinerte sich, heute ist für Weisheitszähne einfach kein Platz mehr da - und so entwickeln sie sich allmählich zurück.

Allerdings handelt es sich dabei nach Angaben von Oesterreich nur um einen Trend. Bis die Weisheitszähne endgültig aus dem menschlichen Gebiss verschwunden sind, wird es vermutlich noch eine Weile dauern. Derzeit gehört ihre Entfernung zu den häufigsten zahnmedizinischen Eingriffen überhaupt: „Rund eine Million Weisheitszahn-Operationen finden jedes Jahr in deutschen Praxen und Krankenhäusern statt”, sagt Professor Martin Kunkel, Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Chirurgie am Knappschaftskrankenhaus in Bochum.

Meistens treten Weisheitszähne erst dann bewusst in Erscheinung, wenn sie ihren sogenannten „Durchbruch” schaffen. Das heißt, sie stoßen durch das Zahnfleisch, bleiben aber meist hinter dem Wachstum der anderen Zähne zurück oder stehen schief. „Häufig brechen sie bei Menschen im Erwachsenenalter durch, deshalb auch der Name Weisheitszähne”, erläutert Mediziner Oesterreich. Seltener passiert es früher, etwa bei Teenagern.

Bei anderen wiederum zeigen sich die Zähne nie und bleiben ein Leben lang unter dem Zahnfleisch verborgen. Dennoch sollten sie dort regelmäßig beobachtet werden.

Kommt es zum Durchbruch eines Weisheitszahns, muss das nicht zwangsläufig zum Problem werden. „Es ist durchaus möglich, dass sich der Zahn problemlos in den Kiefer einfügt”, sagt Oesterreich. Voraussetzung ist, dass die Platzverhältnisse ausreichend sind. Ist dies nicht der Fall, sprechen Mediziner von einer Durchbruchsstörung: Die Entwicklung des Weisheitszahns verzögert sich oder ist wegen der beengten Platzverhältnisse gar nicht möglich.

„Früher vermutete man, dass in einem solchen Fall die vorderen Zähne verschoben werden”, sagt Oesterreich. Deshalb hätten Mediziner Weisheitszähne bis vor einigen Jahren „viel radikaler” entfernt als heute. Wissenschaftliche Forschungen belegten aber nicht eindeutig, dass Weisheitszähne grundsätzlich zu einer Zahnverschiebung führen. „Man ist deshalb mittlerweile tendenziell vorsichtiger geworden, was ihre Entfernung angeht”, fügt Oesterreich hinzu. Durchgebrochene Weisheitszähne werden in der Regel nicht umgehend gezogen, sondern erst einmal in ihrer weiteren Entwicklung beobachtet.

Denn jede Operation birgt Risiken. „Nerven der Zunge und des Unterkiefers können geschädigt werden, es kann zu Gefühls- oder Geschmacksstörungen kommen”, sagt Mediziner Kunkel, der die derzeit geltenden Leitlinien zur Behandlung von Weisheitszähnen mitherausgegeben hat. Gleichwohl sollten Patienten in bestimmten Situationen diese Risiken dennoch eingehen, also immer dann, wenn die Weisheitszähne Schmerzen bereiten, benachbarte Backenzähne oder deren Halteapparat beschädigen oder es ihretwegen zu unangenehmen Infektionen in der Mundhöhle kommt.

Manchmal werden nur ein oder zwei, manchmal direkt alle vier Weisheitszähne gezogen. Angst haben muss man vor der Operation aber nach gründlicher Aufklärung nicht: „Mit einer lokalen Betäubung ist das ohne weiteres erträglich”, versichert Oesterreich. Nachbeschwerden können mit Kühlen und Schmerzmitteln behandelt werden. Meist ist man nach vier bis sieben Tagen wieder fit.

Auf der Internetseite der Bundeszahnärztekammer http://www.bzaek.de können sich Patienten ausführlich über zahnmedizinische Themen informieren, darunter auch über die operative Entfernung von Weisheitszähnen. Darüber hinaus findet sich hier eine Liste mit Patientenberatungsstellen der einzelnen Landeszahnärztekammern.

Eine weitere Anlaufstelle für Patienten ist die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Auf http://www.dgzmk.de werden häufige Fragen zu Krankheitsbildern beantwortet. Zudem hilft die Gesellschaft bei der bundesweiten Zahnarztsuche.

Der Medizinische Beratungsdienst der Zahnärzte http://www.mdz-online.de gibt ebenfalls viele Tipps und Infos rund um die Zahngesundheit.

Bücher für Erwachsene:

Manfred Tacha: „Zähne. Vorsorge, Behandlung, Kosten”, Stiftung Warentest, 2005, 12,90 Euro, ISBN 978-3937880013

Thomas J. Kramer: „WISO: Kostenfaktor Zähne”, Campus Verlag, 2006, 9,90 Euro, ISBN 978-3593379678

Bücher für Kinder:

Nathalie Tordjman, Jörg Mühle: „Alle Deine Zähne”, Hanser Verlag, 2007, 12,90 Euro, ISBN 978-3446208919

Bärbel Spathelf, Susanne Szesny: „Die Zahnputzfee. Oder die Zahnputzfee erklärt wie die Zähne gesund bleiben”, Albarello Verlag, 2001, 13,70 Euro, ISBN 978-3930299560