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Berlin: Ulla Schmidt will psychischen Störungen von Kindern Kampf ansagen

Berlin : Ulla Schmidt will psychischen Störungen von Kindern Kampf ansagen

Angesichts zunehmender psychischer Probleme bei Kindern drängt Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) Kassen und Ärzte zu verschärften Untersuchungen.

„Psychische Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen sollen in Zukunft besser erkannt und behandelt werden”, sagte Schmidt am Samstag der Deutschen Presse- Agentur dpa in Berlin. Studien zufolge gibt es bei 12 Prozent der Mädchen und 18 Prozent der Jungen Verhaltensauffälligkeiten. Schmidt zeigte sich besorgt über die Zunahme dieser Probleme.

Nach Einführung der neuen Früherkennungsuntersuchung U7a für Dreijährige zum 1. Juli solle die psychische Gesundheit in einem nächsten Schritt verstärkt in das gesamte Früherkennungsprogramm integriert werden, forderte Schmidt. Dies solle der zuständige Gemeinsame Bundesausschuss von Krankenkassen, Ärzten und Kliniken bei seiner aktuellen Überarbeitung berücksichtigen. Ein Sprecher des Gremiums sagte der dpa, der Ausschuss arbeite intensiv an der Überprüfung des Früherkennungsprogramms aus den 70er Jahren. Dies werde noch Monate in Anspruch nehmen.

Nach Ansicht des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte geht die Überprüfung zu langsam. Das gesamte Programm muss nach Auffassung von Präsident Wolfram Hartmann rasch aktuellen Erfordernissen angepasst werden. Die Zahl der Kinder mit Entwicklungsdefiziten bei Sprechen, Sozialverhalten und Motorik sowie mit Übergewicht nehme zu. Vorsorge müsse verstärkt an die Stelle der Früherkennung von Krankheiten treten. Bis zur Vollendung ihres fünften Lebensjahres haben Kinder derzeit Anspruch auf zehn Untersuchungen, später folgt eine Jugenduntersuchung.

Schmidt sagte: „Ich wünsche mir, dass alle Früherkennungs- Untersuchungen möglichst von allen Familien wahrgenommen werden.” Nach schockierenden Fällen von Kindesmisshandlung war immer wieder der Ruf nach einem verpflichtenden Arztbesuch laut geworden. Entsprechende Überlegungen wurden jedoch verworfen, weil Kinderärzte nach Expertenansicht kein ausreichendes Instrumentarium haben, Vernachlässigung zu erkennen und die Krankenversicherung nicht als geeigneter Bereich im Kampf gegen solche Fälle angesehen wurde. Schmidt bekräftigte aber, sie unterstütze die Länder, die Eltern verstärkt zur Früherkennung ihrer Kinder einladen.

Die Krankenhäuser forderte Schmidt auf, bei der Behandlung von Kindern stärker mit den Eltern zusammenzuarbeiten. Im „Handelsblatt” (Montag) schlug sie Beratungsstellen in den Kliniken nach amerikanischem Beispiel vor. In diesen Anlaufstellen werde Eltern mit Kindern erklärt, was genau Diagnose und Therapie bedeuten. Einer Studie im Auftrag der Gmünder Ersatzkasse zufolge sehen sich kranke Kinder und ihre Eltern in deutschen Krankenhäusern oft ohne jede Mitsprachemöglichkeit hilflos dem medizinischen Ablauf ausgeliefert.