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Berlin: „Türöffner” Viagra: Lifestyle-Medikamente im Trend

Berlin : „Türöffner” Viagra: Lifestyle-Medikamente im Trend

Früher schluckte man Tabletten nur, wenn man krank war. Doch dann kamen Viagra, Xenical und Propecia. Heute ist es für einige Menschen schon selbstverständlich, Pillen gegen Erektionsstörungen, Übergewicht und Haarausfall zu nehmen.

Doch mancher Verbraucher halte diese Medikamente für harmloser als sie in Wirklichkeit seien, warnt Wolfgang Becker-Brüser, der Herausgeber der pharmakritischen Zeitung „Arznei-Telegramm” vom Institut für Arzneimittelinformation in Berlin im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Was hat sich mit der Einführung von Viagra, Xenical und Propecia verändert?

Becker-Brüser: „Der Erfolg von Viagra war ein Türöffner für sogenannte Lifestyle-Medikamente wie Botox, Schlankheitspillen, Haarwuchs- oder Potenzmittel. Bei ihrer Anwendung herrscht eine gewisse Gedankenlosigkeit. Das sind alles Medikamente, die nicht ohne Nebenwirkungen sind, aber sie werden wie Zuckerpillen geschluckt oder leichtfertig gespritzt.”

Heißt das, dass die Gefahr solcher Mittel unterschätzt wird?

Becker-Brüser: „Man geht immer ein Risiko ein, wenn man ein Medikament schluckt. Es gibt sogar Todesfälle, die möglicherweise im Zusammenhang mit Viagra oder Botox stehen. Die Gefahr geht aber nicht nur von Mitteln aus, die man auf Rezept in der Apotheke bekommt. Ein großes Problem sind die Trittbrettfahrer, die im Internet ähnliche Präparate anbieten. Diese werden oft als rein pflanzlich bezeichnet und sind im günstigsten Fall wirkungslos. Viele sind aber gepanscht und enthalten nicht deklarierte, stark wirksame Chemikalien.”

Wird es in Zukunft noch mehr dieser Wunderpillen geben?

Becker-Brüser: „Der Markt ist definitiv dafür da. Für die Pharmafirma sind Lifestyle-Mittel sehr lukrativ. Da die Verbraucher die Pillen selbst bezahlen, werden die Kosten nicht von den Krankenkassen gedeckelt. Die Firmen können das Preisniveau also viel höher ansetzen als bei anderen Medikamenten. Und Männer sind bereit, eine ganze Menge zu bezahlen, damit ihr Sexleben wieder funktioniert. Dabei ist Viagra eigentlich eine ganz billige Chemikalie.”