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Düsseldorf/Bayreuth: Thrombosen vermeiden: Reisende sollten viel trinken und sich bewegen

Düsseldorf/Bayreuth : Thrombosen vermeiden: Reisende sollten viel trinken und sich bewegen

Enge Sitze, lange Strecken - die Fahrt oder der Flug in den Urlaub ist für viele Reisende eine Qual. Doch nicht nur das: Länger als fünf Stunden unbeweglich in den engen Sitzreihen eines Flugzeugs, Busses oder Zugs zu verbringen, kann lebensgefährlich sein.

Dadurch können sich im Unterschenkel Blutgerinnsel (Thromben) bilden. Damit der Blutfluss während der Reise in den Winterurlaub nicht ins Stocken gerät, helfen einfache Schutzmaßnahmen, die nicht nur Risikopatienten beachten sollten.

Besonders gefährlich werden Blutgerinnsel, wenn sie sich später - beispielsweise bei der Hatz aus dem Flieger zum Gepäckband - von der Wand der Vene lösen, mit dem Blutstrom durch die Herzkammer fließen und in die Arterien der Lunge gelangen. „Bleiben sie dort stecken, kommt es zu einer lebensbedrohlichen Lungenembolie, der Verstopfung eines Gefäßes”, erklärt der Arzt Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf. Erste Anzeichen für eine Thrombose in den Beinen können Spannungsgefühle oder Schmerzen in Fuß, Wade und Kniekehle sein. Meist verlaufen diese Thrombosen aber still und werden von den Betroffenen nicht bemerkt.

Für Gesundheitsbewusste beginnt die Vorsorge schon beim Ankleiden vor der Abfahrt: „Tragen Sie auf Langstreckenflügen nichts, was die Taille einschnürt”, rät der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes in Berlin. Weiter heißt es: „Wählen Sie möglichst einen Sitzplatz am Gang oder vor dem Notausstieg. Das verschafft Beinfreiheit. Und ziehen Sie Kompressionsstrümpfe an.”

Kompressionstrümpfe sorgen dafür, dass das Blut besser aus den Beinen zurück zum Herzen fließen kann. Sie üben nach Angaben des Herstellers Medi in Bayreuth „einen gesunden Druck auf die Beine aus”. Erweiterte Venen werden durch die Spezialstrümpfe auf ihren normalen Durchmesser reduziert, so dass sich die Venenklappen wieder schließen können und das Blut nicht in den Beinen versackt.

Entscheidend für die Wirkung der Strümpfe ist der Umfang der Fessel. Das ist die schmalste Stelle des Unterschenkels oberhalb des Fußknöchels. Um ihre Wirkung optimal entfalten zu können, dürfen die Strümpfe nicht umgeschlagen werden. Zudem müssen sie faltenfrei anliegen.

Auf derartige Strümpfe sollten nach Ansicht von Reisemediziner Jelinek alle Reisenden zurückgreifen, hauptsächlich aber jene, die zu einer Risikogruppe gehören: Als gefährdet gelten vor allem ältere und übergewichtige Menschen sowie Diabetiker, Asthmatiker, Raucher, Schwangere und Menschen mit Blutgerinnungsstörungen, Venenleiden, Herzschwäche, Blutarmut oder Epilepsie. Hinzu kommen frisch Operierte und Frauen, welche die Anti-Baby-Pille nehmen.

Wer zu einer der genannten Gruppen gehört, sollte sich vor einer langen Reise vom Arzt beraten lassen. Mitunter ist dann sogar eine medikamentöse Vorbeugung angebracht, beispielsweise Injektionen des Blutverdünnungsmittels Heparin. Die Verwendung des Aspirin-Wirkstoffs Acetylsalicylsäure zur Thrombose-Vorbeugung ist hingegen umstritten: „Bei Venen ist die Wirkung von Aspirin relativ gering. Ich würde Aspirin nicht als Mittel zum Schutz gegen Thrombosen empfehlen”, sagt Jelinek. Trotz des geringen Nutzens würden Kollegen aber dennoch zu diesem Wirkstoff greifen, weil damit andererseits auch nicht viel falsch gemacht werden könne.

Um das Blut in den Gefäßen flüssig zu halten, sollten alle Reisenden viel und häufig trinken. Als ideal gelten Mineralwasser, Früchtetees und Fruchtsäfte. Auf Alkohol sollte jedoch verzichtet werden. Alkohol erweitert die Venen, das Blut fließt dadurch langsamer und das Risiko eines Blutgerinnsels steigt. Kaffee allein reicht ebenfalls nicht aus. Gerade für Flugpassagiere ist das Trinken notwendig: Denn in der Kabine eines Flugzeugs herrscht - wenn man die Luftfeuchtigkeit betrachtet - Wüstenklima. Der Körper verliert dadurch über die Atmung viel mehr Feuchtigkeit als dies am Boden der Fall wäre.

Neben einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr ist regelmäßige Bewegung im Flugzeug, im Bus oder in der Bahn das beste Mittel gegen den Blutstau in den Beinen. Sich abwechselnd auf die Fersen und Zehen zu stellen ist eine häufig empfohlene Übung. Um den Blutrückfluss auch im Sitzen anzukurbeln ist es ratsam, die Zehen abwechselnd zusammenzukrallen und abzuspreizen oder die Füßen kreisend zu bewegen. Unter dem Strich hilft jedoch alles, was die starre Haltung, die der Sitz dem Passagier aufzwingt, unterbricht. Daher: Viel hilft in diesem Fall viel.

Mit einem Upgrade in eine höhere Flugklasse entkommt man der auch oft als Touristenklasse-Syndrom bezeichneten Reisethrombose nicht, warnen Experten. Wie sich gezeigt habe, kann sich auch in bewegungsfaulen Business-Class-Passagieren das Blut stauen - ebenso wie bei anderen Menschengattungen, die unter Umständen sogar überhaupt nicht verreisen: Schreibtischtäter und Bürohengste.