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London: Substanz in der Muttermilch schützt den Darm des Neugeborenen

London : Substanz in der Muttermilch schützt den Darm des Neugeborenen

Die Muttermilch in den ersten Tagen nach der Geburt ist besonders wichtig für die Neugeborenen. Britische Forscher haben einen Stoff in der Milch entdeckt, der den Darm der Kinder schützt.

Die Darmzellen von Neugeborenen sind äußerst empfindlich, da sie noch nicht mit Stoffen aus der Nahrung oder Getränken in Kontakt gekommen sind. Der Stoff, den britische Forscher nun entdeckt haben, scheint eine Art Film über beschädigten Zellen zu bilden und die Zellen so zu schützen. Tania Marchbank und ihre Kollegen von der Queen-Mary-Universität in London berichten im Fachmagazin „American Journal of Physiology” über ihre Ergebnisse.

In einer ersten Phase ihrer Untersuchungen hatten die Forscher Muttermilch in verschiedenen Zeitabständen nach der Geburt untersucht und die Menge des sogenannten PSTI gemessen. PSTI ist ein Protein, das normalerweise in der Bauchspeicheldrüse die Zellen vor der Zerstörung durch die Verdauungssäfte schützt. Doch auch im Kolostrum - dies ist die erste Milch, die bei Säugetieren und auch beim Menschen nach der Geburt produziert wird - ist es in einer hohen Konzentration enthalten, wie die Forscher nun zeigen konnten.

Sie fanden bis zu sieben Mal mehr PSTI in Kolostrum als in allen anderen Muttermilchproben. In Trinkmilch hingegen konnten die Wissenschaftler überhaupt kein PSTI nachweisen. Schon vor einiger Zeit hatten Forscher von der Queen-Mary-Universität entdeckt, dass PSTI auch in der weiblichen Brust produziert wird, sie wussten jedoch nicht weshalb. Nun kennen sie den Grund: Der Stoff gelangt von der Brust ins Kolostrum und schützt dadurch den empfindlichen Darm von Neugeborenen.

Marchbank und ihre Kollegen untersuchten anschließend auch die Wirkungsweise von PSTI auf menschliche Darmzellen im Labor. PSTI schien zerstörte Zellen zu schützen, indem es andere Zellen anregte, sich zu vermehren und am Ort der Verletzung eine Art natürliches Pflaster zu bilden. In einem Rattenmodell konnte PSTI Schäden an Zellen sogar um bis zu 75 Prozent reduzieren. Blockierten die Forscher hingegen das PSTI, kehrte sich der Vorgang wieder um - die Zellen waren erneut anfällig für Schädigungen, die durch Entzündungen hervorgerufen werden.

Man wisse natürlich schon lange, dass Muttermilch für Neugeborene sehr wichtig und gesundheitsfördernd sei, sagen die Wissenschaftler. Die neue Studie verdeutlicht jetzt jedoch zusätzlich, wie wichtig das Stillen in den ersten Tagen nach der Geburt ist, denn die Muttermilch scheint den Darm des Neugeborenen gesund zu halten, bevor er mit allen möglichen Stoffen aus der Nahrung in Kontakt kommt.