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Hamburg: Stress macht schlaff

Hamburg : Stress macht schlaff

Penisprothese oder Vakuumpumpe - was mussten frustrierte Männer früher nicht alles hinnehmen, um ihr bestes aber erschlafftes Stück wieder zum Leben zu erwecken. Oft war der Erfolg bescheiden und der Jammer groß. Diese Zeiten sind vorbei.

Die Einführung des Potenzmittels Viagra jährt sich im Frühling zum zehnten Mal. „Viagra und Konkurrenzmedikamente wie Cialis und Levitra haben die Behandlung von Erektionsstörungen revolutioniert”, sagt Professor Andreas Gross, Chefarzt der Urologie der Asklepios Klinik in Hamburg-Barmbek.

Seitdem die sogenannten PDE-5-Hemmer auf dem Markt sind, könne den Betroffenen wesentlich besser geholfen werden. PDE-5 steht für Phosphodiesterase-5. Das Enzym baut einen bestimmten Botenstoff ab, der für die Erweiterung der Blutgefäße zuständig ist. PDE-5-Hemmer sorgen also dafür, dass die Blutgefäße weit und die Schwellkörper prall bleiben.

Gerade aufwändige Operationen sind Gross zufolge nur noch selten notwendig: „Bypässe zum Penis etwa spielen in der Andrologie kaum noch eine Rolle”, erläutert der Urologe. Stattdessen könne der Arzt heute sagen: „Probieren Sie doch mal diese Tablette.” Rund 20 Minuten nach der Einnahme hat der Patient eine Erektion. „Das wirkt wie ein Ein-/Aus-Schalter”, sagt Gross.

„Ein wenig romantischer” seien Cialis und Levitra. Sie machen den Mann zusätzlich sensibler für erotische Signale und erhöhen so seine Bereitschaft für Geschlechtsverkehr. Zu den Nebenwirkungen von PDE-5-Hemmern gehören Kopfschmerzen und Sehstörungen. Die Medikamente tragen Gross zufolge auch dazu bei, dass das Problem Erektionsstörungen „enttabuisiert” worden sei. „Vor zehn Jahren bekamen die Männer noch einen hochroten Kopf, wenn man sie auf Potenzprobleme ansprach”, sagt der Urologe.

Heute gehe die Öffentlichkeit wesentlich offener mit der Krankheit um. Die Ursachen für die sogenannte Erektile Dysfunktion können vielfältig sein. Diabetes etwa schädigt die peripheren Nerven - in den Finger- oder Fußspitzen, aber auch im Penis. Sind die Nervensignale bei sexueller Erregung zu schwach, wird die Durchblutung der Schwellkörper nicht angeregt, die Erektion bleibt aus.

„Zuckerkranke Menschen sollten daher regelmäßig überprüfen, ob ihr Diabetes richtig eingestellt ist”, rät Gross. Auch chronischer Stress, Testosteronmangel oder Arterienverkalkung können Erektionsstörungen begünstigen: „Rauchen ist der Potenzkiller Nummer eins”, betont der Urologe. Gleichwohl ist die Erektion auch immer Kopfsache. Erotische Fantasien sind Teil jeder sexuellen Erregung. „In den meisten Fällen liegt bei erektiler Dysfunktion eine Kombination aus körperlichen und psychischen Faktoren vor”, sagt Professor Wolfgang Berner, Direktor des Instituts für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Die bekannten Medikamente würden zwar laut Berner „reichlich verordnet”. Zu einer adäquaten Behandlung gehöre oft aber auch eine psychotherapeutische Betreuung des Patienten. Entsprechend eng arbeiteten Urologen mit Sexual- beziehungsweise Paartherapeuten zusammen. Die treffen nicht selten auf Männer mit arg übertriebener Erwartungshaltung an die eigene Potenz: „Viele denken, sie müssten so funktionieren wie eine Maschine, die man ein- und ausschaltet „, berichtet Berner und fügt hinzu: ” So funktioniert die Sexualität aber nicht.”

Auch dass es im Alter etwas länger dauern kann mit der Erregung, treffe beim starken Geschlecht gemeinhin auf wenig Verständnis. Allerdings muss die Potenz im Alter nicht zwangsläufig nachlassen. Mit regelmäßiger Bewegung und gesunder Ernährung lässt sich Erektionsstörungen gut vorbeugen. Darüber hinaus wirken sich Geschlechtsverkehr und Masturbation positiv aus: „Das trainiert die Manneskraft”, sagt Urologe Gross.