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Coppenbrügge: „Stilles Heldentum” mindert Lebensqualität

Coppenbrügge : „Stilles Heldentum” mindert Lebensqualität

Schmerzen gehören zum Alter dazu. Diesen Satz hört man von vielen älteren Menschen häufig. Schmerzen werden oft klaglos hingenommen, man möchte niemandem zur Last fallen und nicht jammern und klagen.

„Viele alte Menschen haben noch das Defizitmodell des Alterns im Kopf, nach dem Alter Abbau, Verfall, Nutzlosigkeit und Hilfsbedürftigkeit bedeutet und Schmerzen zwangsläufig dazugehören”, sagt Manfred Gogol, Chefarzt an der Klinik für Geriatrie im Krankenhaus Lindenbrunn und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie. Aber viele Schmerzen müssten nicht sein und könnten behandelt werden, wenn die Betroffenen sich nur melden würden.

„Wenn die Schmerzen subjektiv nicht mehr zu ertragen sind, dann sollte man sich unbedingt an seinen Arzt wenden”, sagt Gogol. „Aber viele überschreiten diese Grenze und ertragen Schmerzen, die sie eigentlich nicht aushalten können.” Dieses Phänomen, das auch unter dem Namen „Stilles Heldentum” bekannt ist, wirkt sich negativ auf die Lebensqualität aus. „Denn wer dauerhaft Schmerzen hat, schränkt nach und nach sein Leben ein”, sagt Gogol. „Die Betroffenen gehen irgendwann nicht mehr einkaufen, machen sich ihr Essen nicht mehr selbst und ziehen sich irgendwann völlig aus ihrem sozialen Umfeld zurück.”

Diese Lebenseinschränkungen seien sehr ungünstig und sollten von den behandelnden Ärzten und den Angehörigen unbedingt ernst genommen und möglichst verhindert werden. „Das Wichtigste im Alter ist, die Autonomie, die Beweglichkeit und damit die Lebensqualität zu erhalten.” Dazu gehöre auch ein möglichst schmerzfreies Leben.